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Sylter Liebende : Ehepaar auf Sylt: Wenn die Liebe 70 Jahre hält

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am 8. Juni feiern Gerda und Hans Wiese aus Westerland Gnaden-Hochzeit. Was ist ihr Rezept für eine lange und glückliche Ehe?

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2016 | 09:49 Uhr

Hans und Gerda Wiese (91 und 90) lachen viel miteinander. Das sei wichtig in einer Beziehung, sagen sie einstimmig. Und sie müssen es wissen. Denn „Hansi“ und „Schatzi“, wie sie sich gegenseitig nennen, sind am 8. Juni seit beeindruckenden 70 Jahren verheiratet. In einer Zeit, in der das verflixte siebte Jahr zum geflügelten Wort geworden ist, ist dieses Jubiläum, das auch Gnaden-Hochzeit genannt wird, etwas sehr Besonderes.

Ihre Liebesgeschichte beginnt 1944. „Meine Mutter lebte damals in Schwerin und ich war als Marine-Funker auf dem Meer unterwegs“, erinnert sich Hans Wiese. In einem Schuhgeschäft lernte Mutter Wiese eine hübsche und nette Verkäuferin kennen, von der sie ihrem Sohn in einem Brief vorschwärmte. Also schrieb Hans der ihm unbekannten Gerda einen Brief, weil „man das damals eben so machte“, erzählt er lachend.

Als er etwas später Urlaub bekam, trafen sie sich das erste Mal im Schuhgeschäft und verbrachten Zeit miteinander. Seitdem sind sie ein Paar.

Heute, 69 Jahre, viele gemeinsame Erlebnisse und einige Schicksalsschläge später, leben sie gemeinsam in Westerland. Sie haben drei Kinder und blicken stolz auf ihre drei Enkel und fünf Urenkel. Viele Familienmitglieder leben in ihrer direkten Nachbarschaft - und halten zusammen. „Das gibt es nicht oft, dass eine Familie so eng zusammenhält“, weiß Tochter Monika und ihr Vater ergänzt: „Ich sage immer: Wir wohnen in einem Paradies“. Ihre Wohnung sei der zentrale Punkt für sämtliche Familienmitglieder „alle kommen gerne zu uns“, sagt Gerda Wiese.

Das bestätigt auch Dr. Dorit Heinrich, Diplompsychologin und Paartherapeutin in Keitum. „Ein echter Familienzusammenhalt kann eine starke Säule sein“, sagt sie und freut sich über die lange Ehe der beiden Westerländer. „Dieses hochbetagte Ehepaar wird im Laufe der Jahrzehnte eine gewisse Weisheit für ein erträgliches, respekt- und liebevolles Miteinander entwickelt haben“, sagt sie anerkennend, „wobei Humor als Haltung dem Leben gegenüber natürlich hilfreich sein kann.“

Heinrich weiß aus ihrer beruflichen Praxis, welche Zutaten für eine lange Ehe wichtig sind, wie unter anderem „eine ruhige, unaufgeregte und überschauende Haltung dem Leben, anderen Menschen und sich selbst gegenüber“. Sie erklärt, dass in der Ehe die Bereitschaft zu einem „Wir-Gefühl“ für einen jahrzehntelang andauernden Zusammenhalt genauso wichtig sei wie die Fähigkeit, mit sich selbst etwas anfangen zu können. Außerdem würden eine wirkliche Zuneigung und eine gute Konfliktkultur ein zufriedenes Lebensgefühl bewirken und könnten „glücklich“ machen, auch über eine so lange Zeit hinweg, so Heinrich.

Und die Wieses hatten eine gute Konfliktkultur: „Wir haben immer unsere Meinung gehabt und diese auch gesagt“, sagt Gerda Wiese, „aber auch wenn wir unsere Streitereien hatten, war am nächsten Tag alles wieder in Ordnung.“

Was ihre Beziehung noch jung gehalten habe? „Wir haben jedes Jahr einen schönen Urlaub gemacht“, sagt Hans Wiese, „ob in Italien oder Kanada – das war uns immer sehr wichtig.“

Am 8. Juni werden Familie und Freunde gemeinsam mit Gerda und Hans in Keitum feiern. Die Zeremonie leitet Pastorin Anja Lochner, die die beiden schon lange kennt. „Eine Gnaden-Hochzeit erlebt man auch als Pastorin sehr selten“, sagt sie, „auf diese Hochzeit freue ich mich persönlich sehr, denn bei ihnen ist es so besonders, dass beide relativ gesund alt geworden sind und immer noch gut miteinander kommunizieren können.“

Gerda und Hans wissen, dass ihre Liebe besonders ist. „Wir hatten großes Glück, dass wir wirklich den richtigen Partner gefunden haben“, sagen sie fröhlich, und als Beobachter hat man daran keinen Zweifel.

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