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Stromanbieter auf Sylt : Dubiose Anrufe bei EVS-Stromkunden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Energieversorgung Sylt warnt vor illegaler Telefon-Akquise / Zweifelhafter Anbieter ist bereits in vielen Bundesländern auffällig geworden

von
erstellt am 19.Sep.2014 | 06:25 Uhr

Er sei Mitarbeiter der Energieversorgung Sylt, es ginge um ihren Stromanschluss, sagte der Anrufer zu Erna Jakobsen (Name von der Redaktion geändert). Mit den Worten „zuerst müssen wir aber mal die Daten abgleichen“, las er der Keitumer Rentnerin ihr Geburtsdatum und auch ihre Bankverbindung vor. „Wenn der Mann das weiß, wird schon alles korrekt sein“, dachte sich Erna Jakobsen, und ließ sich auf ein längeres Gespräch über die Vorteile einer Tarifumstellung ein. Misstrauisch wurde die Rentnerin erst, als sie einige Tage später per Post eine Auftragsbestätigung über ihren Wechsel zum neuen Stromversorger Energy2Day bekam.

„Leider ist das kein Einzelfall“, erläutert Andreas Lindacher, Marketing- und Vertriebsleiter der Energieversorgung Sylt (EVS). „In jüngster Zeit melden sich bei uns immer häufiger Stromkunden und berichten, dass sie durch Telefonanrufe belästigt worden seien.“ Die Anrufer erklärten, sie wären im Namen der Energieversorgung Sylt unterwegs und forderten die Verbraucher auf, Strom- und auch Gasverträge mit dem Anbieter Energy2Day, einem Münchner Unternehmen, abzuschließen. Wie im vorliegenden Fall gibt sich das Unternehmen als Partner eines seriösen Energieversorgers aus, um so das Vertrauen der Kunden zu erschleichen, so Lindacher.

Die EVS weist darauf hin, dass sie mit den Geschäftspraktiken des Anbieters nichts zu tun hat und rät bei jeglichen Telefonkontakten, diese unverzüglich und ohne weitere Ausführungen zu beenden. Es handele sich bei diesem Vorgehen um „unfaire und wettbewerbswidrige Machenschaften“, so Lindacher. Er rät allen betroffenen Kunden, sich beim EVS-Kundenservice (unter Tel. 925925) zu melden. Die Energieversorgung Sylt habe darüber hinaus bereits rechtliche Schritte gegen Energy2Day eingeleitet, sagt Vertriebsleiter Lindacher. Ziele seien sowohl eine Unterlassungserklärung des Konkurrenten, als auch die Beendigung seiner Akquisetätigkeit auf der Insel.

Die Spur von Energy2Day zieht sich seit 2010 quer durch zahlreiche Bundesländer: in Ahaus im Münsterland, im rheinland-pfälzischen Speyer und in Triberg im Schwarzwald, aber auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt wurde das Unternehmen aktiv – und immer wieder in juristische Auseinandersetzungen verwickelt. Erst am 20. August 2014 verurteilte das Landgericht Stuttgart auf Antrag der Stadtwerke Schorndorf den aggressiven Anbieter, die – wie auch im Fall Sylt – unwahre Behauptung zu unterlassen, beide Unternehmen würden kooperieren. Außerdem darf Energy2Day Verbraucher im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Schorndorf nicht länger anrufen, um das eigene Angebot zu bewerben, sofern keine vorherige Einwilligung des Verbrauchers zu einem derartigen Werbeanruf vorliegt.

Bei dem Vorgehen von Energy2Day handelt es sich laut Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein um die bekannte Methode einer so genannten Kaltakquise, also der Erstansprache eines potenziellen Kunden, zu dem bisher keinerlei Geschäftsbeziehungen bestehen. Gegenüber Privatkunden sind solche Kontakte gemäß dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verboten, falls sie nicht mit ausdrücklicher Genehmigung erfolgen. Bei Verstößen drohen hohes Ordnungsgeld oder sogar Ordnungshaft.

Jetzt nimmt der Anbieter offensichtlich den Norden ins Visier. Für Sylt rechnet Andreas Lindacher bereits mit einer Dunkelziffer: „Denn nicht alle Betroffenen melden sich. Wir haben sicher schon Kunden verloren.“ Und unabhängig vom zweifelhaften Geschäftsgebaren des Konkurrenten betont Lindacher, dass die Energy2Day-Preise keineswegs günstiger seien, sondern mit zirka zwei Cent je Kilowattstunde deutlich über dem Grundversorgungstarif der EVS lägen.

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