Kiloweise Kokain und Marihuana : Drogenfund auf Sylt: So gelang die spektakuläre Festnahme

„Es war alles wie im Krimi“ - so eine Augenzeugin der Festnahmen auf Sylt.
„Es war alles wie im Krimi“ - so eine Augenzeugin der Festnahmen auf Sylt.

„Es war wie in einem Krimi“, erzählt eine Frau, die zum selben Zeitpunkt auf die Insel kam wie die Tatverdächtigen.

shz.de von
22. Mai 2015, 09:00 Uhr

„Plötzlich hörten wir nur die Rufe: Hier ist die Polizei!“ Frau B. kann es immer noch nicht richtig fassen, dass sie und ihre Familie am Mittwochabend Zeugen einer spektakulären Festnahme wurden. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, denn „unsere Kinder sind noch ganz geschockt über die vermummten Männer, die plötzlich aus ihren Autos sprangen. Ich vermute, dass es ein Sondereinsatzkommando der Polizei war“. Doch davon will die Sylter Polizei nichts wissen.

Was war geschehen? Die Familie von Frau B. fuhr am Mittwoch in den Abendstunden mit dem Syltshuttle von Niebüll nach Westerland. „Alles war ganz normal. Als wir dann in Westerland vom Autozug herunter fuhren, gab es scheinbar einen Unfall, der dazu führte, dass man nur noch in einer Spur weiterfahren konnte. Kurz vor der Ampel zur Hauptstraße scherte ein dunkler Pkw aus der Spur und stellte sich quer vor einen anderen Wagen. Dann ging alles sehr schnell“.

Frau B. schildert, wie die Polizei offensichtlich Festnahmen durchführte. „Viel erkennen konnten wir nicht“. Aus ihrem Auto heraus machen sie dennoch ein Foto, das die Festnahme und die Polizisten zeigt, die einen oder mehrere Personen zu Boden gebracht haben. „Wir wissen natürlich nicht, gegen wen sich die Aktion gerichtet hat, aber es war alles wie im Krimi“.

Tatsächlich bietet der Vorfall am Westerländer Verladebahnhof noch einige Zutaten mehr, die zu einem Krimi gehören. Denn wie sich auf Nachfrage der Sylter Rundschau herausstellte, galt der Zugriff der Polizei zwei Männern und einer Frau, die im dringenden Verdacht von erheblichem Drogenbesitz standen. Später sollte sich herausstellen, dass sich der Verdacht gegen die Frau nicht bestätigte.

Ein anonymer Hinweis hatte die Polizei auf die Spur der verdächtigen Insulaner gebracht. Die Festnahme dürfte präzise geplant gewesen sein. Nach Auskunft der Polizei waren daran aber weder ein Sondereinsatzkommando, noch andere Spezialkräfte der Polizei beteiligt.

Die offizielle Mitteilung der Polizei liest sich so: „Am Abend des 20.05.2015 gelang den Beamten der Sylter Polizei ein spektakulärer Drogenfund. Nach einem anonymen Hinweis griffen die Beamten der Kriminalpolizei mit Unterstützung der Schutzpolizei und eines zivilen Streifenkommandos aus Flensburg zu und nahmen drei Verdächtige vorläufig fest.“

Nach der Aufsehen erregenden Festnahme durchsuchte die Polizei die Wohnungen der Tatverdächtigen. Schnell wurde dort klar, dass sie die richtige Spur verfolgt hatten. Denn in den Wohnräumen „staunten die erfahrenen Beamten nicht schlecht, als sie neben vier Kilogramm Marihuana und 250 Gramm Amphetamin auch mehr als zwei Kilogramm Kokain auffanden. Auch eine kurz vor der Ernte stehende Marihuana-Plantage wurde in der Wohnung der Beschuldigten sichergestellt. Der Verkaufswert der Drogen beläuft sich auf etwa 250.000 Euro“, heißt es im Polizeibericht. Damit ist dieser Drogenfund der größte auf der Insel seit 30 Jahren, stellt ein Sprecher der Sylter Polizei fest.

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