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Katastrophenschutz auf Sylt : DRK und Feuerwehren plädieren für Erhalt der Halle 28

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Pro und Kontra in Sachen Fliegerhorst: Morgen Abend debattieren im Rathaus die Gemeindevertreter. Unsere Zeitung veröffentlicht heute und morgen die gegensätzlichen Positionen.

Wie es mit dem Abriss aller Gebäude und der geplanten Renaturierung auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände am Flughafen Sylt weitergehen und insbesondere, ob die Halle 28 dauerhaft als Katastrophenschutzhalle genutzt werden soll, ist ein immer wieder heiß diskutiertes Thema auf der Insel. Am Donnerstagabend berät darüber auf Antrag mehrerer Fraktion zum Beispiel erneut die Gemeindevertreterversammlung in öffentlicher Sitzung. Die Sylter Rundschau stellt das Pro und Kontra gegenüber – heute äußern sich Befürworter eines Erhalts der Halle 28, morgen erläutern wir die Positionen der Gegenseite.

Seit sieben Jahren leistet die Halle 28 dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Feuerwehren der Insel beim Katastrophenschutz gute Dienste. Nun wollen die Fürsprecher, die gemeinsam mit anderen Helfern viel Zeit und Geld in die Ausstattung der Halle investiert haben, den drohenden politischen Beschluss zugunsten eines Abrisses nach aller Möglichkeit abwenden: „Es sprechen so viele Argumente für den Erhalt – und es gibt bis dato keine tragfähige Alternative“, unterstreichen DRK-Geschäftsführer Karl-Heinz Kroll sowie die beiden Ehrenwehrführer Wolfgang Holst (Archsum) und Jens-Uwe Petersen (Morsum).

Alle drei Repräsentanten waren 2008 maßgeblich daran beteiligt, als die Gemeinde Sylt-Ost mit den Sylt-Oster Feuerwehren und dem DRK Westerland einen Mitbenutzungsvertrag der Halle 28 für die Lagerung von Katastrophenschutzmitteln abgeschlossen hatte, der im Zuge der Gemeindefusion in eine so genannte Duldung umgewandelt wurde.

Um für den Katastrophenschutz bestmöglich gerüstet zu sein, sind im Laufe der vergangenen Jahre nach Angaben der Organisatoren rund 2  000 Arbeitsstunden aufgewendet und Inventar für einen Neuwert in Höhe von etwa zwei Millionen Euro angeschafft worden.

„Dank dieses immensen Aufwands können im Bedarfsfall heute in der Halle 28 bis zu 500 Personen untergebracht werden, 10  000 gefüllte Sandsäcke liegen bereit. Es gibt hier eine unabhängige Energieversorgung sowie eine Großküche, sanitäre Einrichtungen und vieles andere mehr. Bei mittlerweile sechs Großevakuierungen für bis zu 300 Personen haben sich die Halle und ihr zentraler Standort bestens bewährt“, unterstreicht Karl-Heinz Kroll. Mehr noch: „Das DRK hat der Gemeinde Sylt durch Anschaffung von Fahrzeugen und Material auf eigene Rechnung notwendige Investitionen in Höhe von etwa 500  000 Euro erspart.“


Abriss der Halle 28 wäre „schallende Ohrfeige“


Sollte die Gemeindevertretung nun tatsächlich den Abriss der Halle 28 beschließen, wäre dies für Ehrenwehrführer Petersen nicht nur hinsichtlich der geleisteten Arbeit eine „schallende Ohrfeige“: „Ohne jegliche Prüfung quasi einen Beschluss aus der Hüfte zu schießen, widerspricht jeglicher Verhältnismäßigkeit.“ Mit nachhaltigem Unverständnis quittiert Wolfgang Holst, dass keine Alternativplanung vorliege und diese sehr kostspielig sein würde: „Der Neubau einer Halle, die den Erfordernissen gerecht wird, dürfte sich bei zumindest fünf Millionen Euro bewegen. Hinzu kommen noch die Abrisskosten der Halle 28. Wie soll der Gemeindehaushalt das bitte hergeben?“

Eine dezentrale Lösung als Alternative – etwa die Unterbringung Evakuierter in Turnhallen – sei realitätsfern, betont DRK-Chef Kroll: „Wir reden hier nicht über Ereignisse, auf die man sich tagelang einstellen kann, sondern über plötzlich eintretende Situationen. Dafür muss bereits alles vorbereitet sein, die Versorgung binnen kürzester Zeit ablaufen. Auch personell sind eine dezentrale Unterbringung und Versorgung keinesfalls zu stemmen, denn aufgrund der Insellage sind wir auf uns allein gestellt und die Helfer gelangen irgendwann an ihre körperlichen Grenzen.“

Auch dem Argument, der seinerzeitige Kaufvertrag zwischen der Gemeinde Sylt-Ost und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sehe den Hallenabriss zwingend vor, widersprechen die Befürworter nachdrücklich: „Der Chef der BImA hat mir versichert, dass im Falle der Nutzung der Halle 28 für den Katastrophenschutz die festgesetzte Nachzahlung in Höhe von 170  000 Euro sogar entfallen würde“, erklärt Ehrenwehrführer Holst, der zugleich betont, dass die Bausubstanz der gründlich untersuchten Halle in einem unbedenklichen Zustand sei.

Kritisch würdigen die Befürworter „die Einstellung einiger Politiker, es werde auch ohne die Halle 28 schon irgendwie funktionieren. Das wird es aber eben nicht. Uns verärgert zudem, dass weder mit dem DRK noch den Feuerwehren Gespräche geführt und Erkenntnisse gesammelt wurden – und dass man der Bevölkerung einen Eindruck bewusst vorenthielt, indem die Besichtigung der Halle 28 am ‚Tag des Katastrophenschutzes‘ kurzfristig abgesagt wurde.“


In Falle des Falles: Bürgerentscheid absehbar


Kampflos wollen die drei Befürworter den möglichen Abriss der Halle 28, „dessen Auswirkungen in breitestem Maße die Öffentlichkeit betreffen“, nicht hinnehmen: Im Falle des Falles sei sogar das Initiieren eines Bürgerentscheids absehbar. Und noch eine andere Konsequenz hätte eine negative Entscheidung: „Da wir für die in der Halle 28 untergebrachten Fahrzeuge und die Ausrüstung keinerlei anderen Platz haben, müssten wir uns davon trennen und uns somit aus dem Katastrophenschutz komplett zurück ziehen“, erläutert Kroll.

Auch andere Institutionen der Insel betrachten einen möglichen Abriss der Halle 28 mit großer Skepsis. Bereits vor geraumer Zeit plädierte der Verein der Sylter Unternehmer für den Erhalt mit den Hauptargumenten, dass sich der zentrale Katastrophenschutz bewährt habe, eine Fläche von mindestens 3  000 Quadratmetern aus den Erfahrungen her notwendig sei und eine weitere Nutzung im Vergleich zu einem Neubau auch aus wirtschaftlicher Sicht geboten sei.

Ebenso sprechen sich auch Siegfried Engel und Wolfgang Kloth, die beiden Kandidaten für das Amt des neuen Gemeindewehrführers der Gemeinde Sylt, für einen Erhalt der Halle 28 als zentrale Katastrophenschutzhalle aus.

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