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Sylter Pastor im tibetischen Kloster : Drei Monate Auszeit am Fuße des Himalaja

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Pastor Jörg Reimann aus Tinnum berichtet von seinem Sabbatical hinter tibetischen Klostermauern: „Es war eine Zeit der Zurücknahme, der Besinnung und des Verzichts.“

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erstellt am 13.Apr.2015 | 05:46 Uhr

„Meditation fördert die Achtsamkeit“, sagt Jörg Reimann. „Sie hat mich gelehrt, selbst achtsamer zu leben, achtsamer zu sein gegenüber meinen Mitmenschen – und ich habe auch gelernt, diese Fähigkeit an andere weitergeben zu können.“ Das sei für ihn das wesentliche Fazit, der wichtigste Erkenntnisgewinn seines dreimonatigen Sabbaticals: Einer Auszeit, die er von Januar bis März 2015 genommen habe, um nach 19 Jahren im Dienst der Kirche seinen Geist, seine Seele und seinen Körper neu aufzubauen, so der Pastor der Kirchengemeinde St. Severin.

Die erste Zeit hat er in dem tibetischen Kloster Kopan in Nepal verbracht, weitere Stationen führten ihn auf die kanarische Insel La Gomera und zu Abschnitten des Jakobswegs in Nordspanien. Doch der Aufenthalt bei den Nonnen und Mönchen in Boudha, einem Vorort der nepalesischen Hauptstadt Katmandu, sei das eindrucksvollste Erlebnis gewesen, berichtet Reimann. „Ungefähr einhundert Gäste aus der gesamten Welt waren dort – unter ihnen Christen, Nichtgläubige und viele Suchende.“

Der Tagesablauf von sechs Uhr morgens bis in den Abend war streng geregelt: dreimal versammelte man sich zu jeweils anderthalb Stunden Meditation, dreimal am Tag gab es für ebenfalls je anderthalb Stunden Zeit für Reden und Gespräche. „Doch bis zum Mittagessen wurde jeden Tag grundsätzlich geschwiegen“, berichtet der Sylter Pastor. „Ich saß dann immer am Tisch mit einem französischen Journalisten, einem niederländischen Hirnforscher, einem australischen Lehrer und einem Philosophiestudent aus Berlin. Dabei wurde natürlich viel über die politischen und sozialen Probleme in der Welt diskutiert. Vor allem, wie diese im Rahmen buddhistischer und christlicher Möglichkeiten verbessert werden könnten.“ Denn die zehn Gebote dieser Religionen seien vom Inhalt her sehr ähnlich, „doch die Wege dorthin sind eben verschieden.“

Reimann erlernte im Kloster Kopan unterschiedliche Arten der tibetischen Meditation: das völlige Zurücksinken in sich selbst, die Fähigkeit, auf seine Gefühle zu hören, aber auch, sich mit den Augen eines anderen sehen zu können. „Ebenso wertvoll waren für mich die geführten Meditationen, bei denen von einem Mönch Themen vorgegeben wurden“, sagt der Pastor aus Tinnum. „Zum Beispiel Erinnerungen an die Kindheit oder wann und wie man sich zum ersten Mal erwachsen gefühlt hat. Die Meditation hat mir Wege gezeigt, mich auf das Wichtigste zu konzentrieren, meine Gedanken auf das Wesentliche zu reduzieren.“ Und die Wochen in dem Kloster mit Blick auf die faszinierende Bergwelt des Himalaja waren auch eine Zeit der Zurücknahme, der Besinnung und des Verzichts, berichtet Jörg Reimann: „Da gab es kein Fernsehen, auch kein nervendes Handy und kein stundenlanges Surfen im Internet. Nur einen alten Computer, um einmal die Woche eine Mail an die Liebsten daheim zu schicken …“

Von diesen und weiteren Erfahrungen während seines Sabbaticals berichtet Pastor Reimann am Dienstag, 14. April, um 19 Uhr im Keitumer Pastorat am Pröstwai. Von seiner Reise hat er viele Fotos und auch buddhistische Texte mitgebracht, die eine zusätzliche Grundlage bieten, um ins Gespräch zu kommen und gemeinsam zu bedenken, was Christen und Buddhisten im Miteinander voneinander lernen können.

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