zur Navigation springen
Sylter Rundschau

21. November 2017 | 00:14 Uhr

Hörnumer Crêpe-Stand : Drama ohne Ende?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Neue Pächter bereiten sich zum 1. Juli 2018 auf die Übernahme vor - die Vorgänger wollen Platz allerdings nicht kampflos räumen.

von
erstellt am 09.Nov.2017 | 18:19 Uhr

Der Streit um den Crêpe-Stand am Oststrand entzweit die Hörnumer. In den sozialen Netzwerken wird heftig gewettert, die Gerüchteküche brodelt. Sicher ist nur eines: Den langjährigen Pächtern Ursula Menning-Werk und Dirk Werk hat die Gemeinde zum 1. Juli 2018 gekündigt, ein neuer Pachtvertrag mit Sven Rurup wurde unterschrieben. Doch so einfach wollen die alten Betreiber nicht das Feld räumen. Im Jahr 2012 hatte das Ehepaar Werk aus Morsum den Crêpe-Stand von seinem Vorgänger Peter Mähr übernommen, der die Bude über drei Jahrzehnte betrieben hatte. Der Pachtvertrag mit der Gemeinde für das rund fünf mal drei Meter große Areal sollte bis Ende Juni 2017 laufen – zumindest nach Auffassung der Inselverwaltung. „Danach müssten neue Verhandlungen aufgenommen werden“, hieß es aus dem Westerländer Rathaus.

Im Januar 2016 habe er aus der Zeitung erfahren, dass die „Fläche zum Betrieb eines Crêpe-Standes am Hafen“ öffentlich neuen Pächtern angeboten wurde, berichtet Dirk Werk. Mit ihm und seiner Frau habe aber nie jemand darüber gesprochen. Trotzdem beteiligte sich auch das Ehepaar an der Ausschreibung. Drei Bewerber kamen in die engere Wahl, darunter auch Werks als bisherige Betreiber. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit entschieden sich die Gemeindevertreter aber für Svenja und Sven Rurup. Dem Ehepaar gehört auch das Rantumer Restaurant Strandmuschel und es wohnt mit seinen beiden kleinen Kindern in Hörnum in Sichtweite des Crêpe-Standes.

Als bekannt wurde, dass das Ehepaar Werk seinen Crêpe-Stand aufgeben muss, entfachte sich in den sozialen Medien ein regelrechter Shitstorm. Viele Nutzer bekundeten ihre Treue zu „Original Sylt Crêpes“. Dirk Werk ließ keinen Zweifel daran, wen er als Strippenzieher hinter dem Verwaltungsakt sieht: Bürgermeister Rolf Speth wolle den Werks ihre Existenzgrundlage nehmen, weil seine Frau ihn bei Gericht einmal „vorgeführt“ habe. Deshalb sei die Kündigung „ein reiner Racheakt, der greift zu allen Mitteln.“ Doch zu dem im Juli 2017 geplanten Betreiberwechsel kam es nicht. Ursula Menning-Werk, im Hauptberuf Rechtsanwältin, legte einen Pachtvertrag vor, den Gemeinde und Inselverwaltung offenbar nicht kannten. Mit der Unterschrift von Bürgermeister Rolf Speth ist darin beurkundet, dass sich der Vertrag stillschweigend um ein Jahr verlängert, wenn nicht bis 31. März eine Kündigung vorliegt. Die Verwaltung musste zurückrudern, Ehepaar Werk konnte den Stand behalten. Verwaltungschef Nikolas Häckel berichtete den Gemeindevertretern, der neue Betreiber habe freundlicherweise auf den Vertrag verzichtet.

„Doch uns hat keiner gefragt“, sagt Sven Rurup. Nur ein kurzer Anruf vom Kämmerer, der von Problemen gesprochen habe, mehr nicht. Seine Frau und er hätten nach der Vertragsunterzeichnung viel Zeit und Geld in das Projekt investiert. Das angeheuerte Personal konnte glücklicherweise im „Meermann“ eingesetzt werden – der Gastronomie auf dem Hörnumer Campingplatz, die die Rurups für drei Monate übernommen hatten.

Nun hat die Gemeinde einen neuen Anlauf unternommen, den Crêpe-Stand zu verpachten. Zum 1. Juli 2018 sollen Dirk Werk und seine Frau den Platz räumen. Zur Freude der Rurups: Fairerweise habe die Gemeinde Hörnum nach Rücksprache mit der Kommunalaufsicht wieder die drei Bewerber aus der ersten Runde ins Boot geholt, sagt Sven Rurup. Und die Gemeindevertreter hätten sich auch beim zweiten Mal für das moderne Konzept seiner Familie entschieden. „Jetzt freuen wir uns darauf, dass es im Sommer 2018 endlich losgeht.“

Aber die Werks wollen sich noch nicht geschlagen geben. Auf die Kündigung der Gemeinde hätten sie mit einem „Fortsetzungsverlangen“ reagiert, erläutert Juristin Ursula Menning-Werk. Die Kündigung stelle eine wirtschaftliche Härte für ihre Familie dar und sei daher gemäß Mietrecht unzulässig. Wenn die Gemeinde ihr das Grundstück kündigt, müsste sie für adäquaten Ersatz sorgen – „aber das kann sie nicht.“ Ein Nachfolger würde erstmal wenig Freude an dem knapp 20 Quadratmeter großen Grundstück haben, kündigte Menning-Werk an. Die hölzerne Terrasse und die steinernen Treppen seien ihr Eigentum und würden abgerissen werden, eine Baugenehmigung für beides würde sicher nicht wieder erteilt. Und die Anschlüsse für Gas, Wasser und Strom würden mit Beton dichtgemacht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen