Kommunalpolitik auf Sylt : „Dorfmanager“ auf Wiedervorlage

Der Gurtstig  in Keitum – zugleich Eingangstor und Einkaufsstraße des Käpitänsdorfes.
Der Gurtstig in Keitum – zugleich Eingangstor und Einkaufsstraße des Käpitänsdorfes.

Am Dienstag berät der Hauptausschuss erneut über die Keitumer Initiative. Befürworter des Projekt sind enttäuscht, hegen aber noch Hoffnung

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09. September 2018, 16:59 Uhr

Das Thema „Dorfmanager“ entwickelt sich zum insularen Dauerbrenner – in der Politik, bei den Bürgern und auch in den Medien. 15 mal hat sich allein unsere Zeitung seit Februar dieses Jahres in Artikeln und auch Leserbriefen mit dem Pro und Kontra des innovativen Projekts beschäftigt. Schluss mit den Diskussionen ist augenscheinlich noch lange nicht, obwohl alles schon genehmigt und die Finanzierung gesichert schien.

Nikolas Häckel erklärte auf Anfrage der Sylter Rundschau, dass die Schaffung der Stelle eines Dorfmanagers zwar Bestandteil des Nachtragshaushalts sei, aber mit einen Sperrvermerk versehen wurde. „Da besteht offensichtlich seitens der Politik noch Klärungsbedarf“, so der Verwaltungschef. Und solange der Vermerk nicht aufgehoben ist, könne auch die neue Stelle auch nicht öffentlich ausgeschrieben werden.

Deshalb beschäftigt sich der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt auf seiner Sitzung am Dienstag erneut mit dem Thema. Eingeladen sind auch die Mitglieder des Keitumer Ortsbeirats sowie die Initiatoren des Projekts aus „Keitum im Dialog“ – unter ihnen Silke von Bremen. Zu verstehen, was überhaupt ein Dorfmanager sei, wäre in den letzten Monaten sehr mühselig geworden, erklärt die bekannte Sylter Gästeführerin. So gebe es mittlerweile „die Verwaltung vor Ort“ und die Gemeindevertretung habe im März einen Dorfmanager für mehrere Dörfer und auch für Westerland beschlossen. Diese Entwürfe hätten jedoch kaum noch etwas mit der Idee zu tun, die aus dem Projekt „Keitum im Dialog“ entwickelt worden sei, beklagt Silke von Bremen.

„Keitum im Dialog ist ein Bürgerbeteiligungsprozess und genau das sollte zukünftig mit Hilfe eines Kümmerers in Keitum – und nur in diesem Ort – fortgesetzt werden. Stattdessen wurde eine neue Verwaltungsstelle geschaffen, die eigentlich niemand haben möchte.“ Bitter enttäuscht sei die Arbeitsgruppe „Identität und Dorfleben“ darüber, so die Initiatorin weiter, dass die Politik ihre Idee lediglich als Anregung genommen habe, um über einen eigenen Entwurf abzustimmen.

Tatsächlich wurde auf Anregung des ehemaligen Tinnumer Ortsbeiratsvorsitzenden Manfred Uekermann (CDU) letztendlich beschlossen, dass der hauptamtliche Dorfmanager in Vollzeit nicht nur für das Kapitänsdorf, sondern für sämtliche Ortsteile der Gemeinde Sylt tätig sein soll.

Völlig unverständlich ist für Silke von Bremen darüber hinaus, dass diejenigen, die sich über Jahre mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt hätten, nicht einmal mehr gefragt würden, wenn es um die Stellenausschreibung gehe. „Stattdessen wurde ein externer Berater beauftragt, die Anforderungen an das Profil eines Dorfmanagers zu formulieren. Ein Berater, der die Verhältnisse in Keitum nicht annähernd kennt.“ Die Arbeitsgruppe „Identität und Dorfleben“ stelle enttäuscht fest, dass Bürgerbeteiligung offensichtlich gar nicht gewünscht würde, so die Gästeführerin.

„Vielleicht ist das Projekt ‚E-Bus für Keitum‘ ja ein gutes Beispiel: Hier hat jemand lange geplant und überlegt, was für den Ort sinnvoll sein könnte. Jetzt geht ein Prototyp auf den Weg und man muss schauen, ob und wie es funktionieren kann.“ Diese Chance hätte der Dorfmanager nicht gehabt, erklärt Silke von Bremen: „Statt eines E-Busses für das Dorf Keitum hat man einen Doppeldecker für die gesamte Gemeinde bestellt. Damit wurde die Idee von ‚Keitum im Dialog‘ komplett konterkariert.“

Etwas versöhnlicher als Silke von Bremen sieht Mit-Initiatorin Birte Wieda die aktuelle Situation um den Dorfmanager: „Wir werden weiter die Bürgerbeteiligung einfordern und aus diesem merkwürdigen Konstrukt das Beste versuchen zu machen“, sagt die Keitumer Goldschmiedin.

Dem Projekt „Dorfmanager“ wäre bereits in der Ortsbeiratssitzung vom 9. März 2017 die Zustimmung erteilt worden, auch der Förderantrag bei der AktivRegion Uthlande sei bewilligt, erklärt Gritje Stöver. Zudem wären von verschiedenen Seiten Ideen zur Ausgestaltung der Dorfmanagerstelle eingebracht worden. „Gerade hier liegt der Knackpunkt. Die vielfältigen Aufgaben, die der Dorfmanager übernehmen soll, lassen sich kaum noch auf einen gemeinsamen Nenner bringen“, so die neue Ortsbeiratsvorsitzende. „Von meiner Seite gibt es daher eine ganz klare Empfehlung. Wir müssen an einer Konkretisierung der Inhalte arbeiten, damit das Projekt nicht kurz vor der Zielgeraden zum leidigen Thema wird.“

Die Haupttätigkeit des Dorfmanagers sollte auf den Bereich Organisation und auf die aktive Unterstützung der Dorfmachergruppen fixiert werden, schlägt Gritje Stöver vor. Der Dorfmanager könne dann die dort entwickelten Ideen im Rahmen seiner Handlungsbefugnisse umsetzen und für alles Weitere auf den Ortsbeirat und die zuständigen Stellen der Verwaltung zurückgreifen. „So könnte das Leuchtturmprojekt unter Beteiligung engagierter Bürger aus sich herauswachsen.“

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