zur Navigation springen

Rudloff zieht sich zurück : Doch kein Edelbordell auf Sylt

vom

Das geplante Edelbordell in der Westerländer Strandstraße wird nun doch nicht eröffnen. Das teilte der Sprecher des Großbordell-Besitzers Jürgen Rudloff überraschend mit.

Nun soll es doch nicht mehr kommen, das geplante Edel-Bordell in der Westerländer Strandstraße, das in den vergangenen Monaten Teile der Insel in helle Aufregung versetzt hat. Wie Michael Beretin, Sprecher des Stuttgarter Bordell-Betreibers Jürgen Rudloff, gestern mitteilte, habe man sich von der Vorstellung, einen sogenannten Gentlemen’s Club im Appartementhaus Strandburg zu eröffnen, verabschiedet.

Rudloffs Pläne, die Ende Oktober vergangenen Jahres auf der Insel bekannt wurden, hatten zu erheblichen Protesten geführt. Auch Petra Reiber, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, kritisierte das Vorhaben mehrfach öffentlich. Sie befürchtete, dass durch den Gentlemen’s Club organisierte Kriminalität und Zwangsprostitution auf die Insel kommen könnten. „Sie hat uns gesagt, dass wir auf dieser Insel keinen Fuß auf den Boden bekommen werden“, sagte Beretin gestern der Sylter Rundschau. Für das Bordell fehle unter anderem noch eine Schankgenehmigung, so Beretin: „Die hätten wir sicher vor Gericht einklagen können.“ Doch er sehe keinen Sinn darin, ein Bordell dort zu eröffnen, „wo man null willkommen ist.“ Beispielsweise habe ihm ein Sylter Frauennetzwerk gedroht, jeden Tag vor dem Gentlemen’s Club Mahnwachen zu halten.

Der plötzliche Gegenwind überrasche ihn – vor allem vor dem Hintergrund, dass das Bordell seinerzeit schnell genehmigt worden sei: „Wenn sich die Politik dann auf einmal um 180 Grad dreht, stinkt das doch zum Himmel!“ Petra Reiber kennt diesen Vorwurf des Bordell-Sprechers schon: „Er vermutet da dunkle Machenschaften im Hintergrund.“ Ihrer Meinung nach unterliege Beretin schlicht einem Missverständnis: Weil eine Bordellgenehmigung in einigen süddeutschen Bundesländern deutlich schwieriger zu bekommen sei als in Schleswig-Holstein, sei Beretin von der schnellen Genehmigung auf Sylt überrascht gewesen. Sie freue sich nun vor allem, dass der Gentlemen’s Club dank des Engagements der Sylter, die knapp 2000 Unterschriften gegen das Etablissement gesammelt haben, verhindert werden konnte. Der Verwaltung hatte Beretin das Ende der Bordell-Pläne bis gestern noch nicht mitgeteilt.

Nicht nur der Gemeinde macht Beretin Vorwürfe, sondern auch Rolf Deyhle. Dessen Ehefrau ist Geschäftsführerin der Strandburg GbR, der die als Bordell geplanten Räumlichkeiten gehören. Dem Ex-Musicalkönig Deyhle wirft Beretin vor, dass er Jürgen Rudloff unter der falschen Versicherung, er sei auf Sylt willkommen, auf die Insel gelockt habe. Deyhle wies den Vorwurf gestern empört zurück: „Niemand ist unter einer falschen Versicherung auf die Insel gelockt worden.“ Erst, nachdem die zuständigen Sylter Verantwortlichen den im Bauantrag ausführlich beschriebenen Gentlemen’s Club genehmigt hätten – zum damaligen Zeitpunkt seien keine Gegenstimmen laut geworden – sei der Pachtvertrag von den beiden Parteien unterzeichnet worden.

Wie es mit diesem Pachtvertrag weiter geht, sagt Michael Beretin, damit würden sich nun die Rudloff’schen Anwälte beschäftigen. Er selbst werde zukünftig lieber zum Motorradfahren auf die Insel kommen, „als mich weiter mit diesen Bürokraten herumzuschlagen“. Den „Bürokraten“ und einigen anderen Syltern dürfte das sehr recht sein.

Wohl auch dem Bauausschuss, der am Montagabend, bevor Beretin das Bordell-Aus verkündete, über einen Bebauungsplan für die Innenstadt diskutierte. Zwar könne damit das genehmigte Bordell nicht verhindert werden, er sei jedoch geeignet, mögliche Folgeanträge abzuweisen. Um künftig auch andere ungewünschte Nutzungen wie beispielsweise Wettbüros zu verhindern, soll zunächst für einen Teilbereich rund um die Strandstraße ein Rahmenplan erarbeitet werden, der dann in einen qualifizierten B-Plan mündet.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Feb.2014 | 13:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen