Serie Sylter Köpfe : Dirk Werk hat auf Sylt eine zweite Heimat gefunden

Angekommen auf der Insel: Dirk Werk (53) auf der Terrasse vor seinem „Original Sylt Crêpes“ in Hörnum.
Angekommen auf der Insel: Dirk Werk (53) auf der Terrasse vor seinem „Original Sylt Crêpes“ in Hörnum.

Von der Grube an den Strand: Nach vielen Jahren im Rettungsdienst und unter Tage hat Dirk Werk auf der Insel seine innere Balance gefunden.

shz.de von
22. Juli 2015, 05:10 Uhr

Dass er auf der Insel angekommen ist, merkt man Dirk Werk (53) sofort an. Der Betreiber des „Original Sylt Crêpes“ in Hörnum strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus, wie es nur Menschen können, die ihre innere Balance gefunden haben. Das war nicht immer so: Elf Jahre hat der braungebrannte Mann aus Duisburg in den 1980er Jahren bei der Feuerwehr im Grubenbau gearbeitet. Anschließend wechselte er zum Rettungsdienst. „Ich habe viele Tote gesehen“, sagt Werk über seinen ehemaligen Beruf. „Das zehrt an den Nerven und die Bilder im Kopf, die wird man nicht mehr los, das schleppt man alles mit.“ Parallel zu seiner kräfteraubenden Arbeit im Schichtdienst betrieb er zwanzig Jahre lang – so ganz „nebenbei“ – noch einen Gastrobetrieb. Zunächst ein Restaurant, später dann eine Kneipe. An seinen freien Tagen hat er dort selbst mit angepackt. Das alles hat er hinter sich gelassen und betreibt inzwischen in der dritten Saison die Crêperie am Hörnumer Strand.

„Irgendwann war meine Festplatte einfach voll und die Akkus leer “, sagt er rückblickend über die Zeit, bevor er nach Sylt kam. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn schließlich dazu, aufzuhören. Leicht ist dem 53-Jährigen dieser Schritt nicht gefallen: „Ich bin schweren Herzens aus dem Beruf ausgestiegen, aber es ging einfach nicht anders“, sagt der Rantumer.

Auf der Insel wagte er dann den Neuanfang: Als seine Frau, eine Juristin, eine Stelle in einer Anwaltskanzlei auf Sylt angeboten wird, entscheiden sich die beiden zum Umzug. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, sagt Dirk Werk. Im ersten Jahr auf der Insel habe er – außer langen Spaziergängen am Strand – erst einmal gar nichts gemacht.

Das ist inzwischen rund neun Jahre her. Bereuen tut er nichts: Die Arbeit in 1  000 Meter Tiefe und bei 35 Grad möchte er nicht missen. „Das war eine unglaublich tolle Zeit, die Kameradschaft war super und ich habe viel gelernt dabei.“ Auch das rummelige Duisburger Kneipenleben vermisse er nicht. Sein Ziel sei es, grundsätzlich im Hier und Jetzt zu leben: „Jede Zeit hat ihren Reiz und ist geil – jetzt ist diese Zeit gerade supergeil.“

Seine Crêperie sei die „älteste auf ganz Sylt, die steht hier seit über 30 Jahren“, sagt der Pächter des Büdchens. Entspannte Atmosphäre und gutes Personal sind Werk im Familienbetrieb wichtig. „Die Leute sollen sich hier wohlfühlen, wir wollen gute Gastgeber sein.“ Mit ihren in Magenta gestrichenen Möbeln ist das „Original Sylt Crêpes“ inzwischen auch weit über den Inselsüden hinaus bekannt. „Ich wollte dem Ganzen ein persönliches Konzept geben, das einen familiären Charakter hat“, sagt Werk. Besonders stolz scheint er auf seine Mitarbeiter zu sein: „Das sind ganz tolle Mädchen, die ein super Team sind“, sagt er über seine Angestellten. Pro Saison beschäftigt er fünf bis sieben Kräfte.

In seinem Job am Meer kann er sein Faible für Kopfbedeckungen aller Art das ganze Jahr hindurch ausleben – denn die Crêperie ist auch im Winter geöffnet. „Ich liebe Hüte und Mützen: Im Sommer trage ich Strohhüte. Wenn es kälter wird, setze ich gern Strickmützen in allen Farben auf“, sagt er. Auch für seine größte Leidenschaft – Hunde – hat er jetzt mehr Zeit. Mit den Tieren sei er groß geworden, und habe eigentlich immer einen gehabt. „Es ist wichtig, dass sie gefordert werden, sonst gehen die ein“, sagt Werk. Regelmäßig macht er „Wasser-und Apportierübungen“ mit seinem schwarzen Labrador, dem erst wenige Monate alten „tasmanischen Teufel“, so der Spitzname für das Tier.

Die Insel sei für ihn als „Rucksack-Insulaner“ inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden. Weg von hier möchte Dirk Werk zunächst nicht mehr.

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