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Keine Elektrifizierung der Marschbahn : Dieselwolke statt Stromleitung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Marschbahn zwischen Itzehoe und Westerland wird nicht elektrifiziert. Auf der Insel wird das scharf kritisiert.

Auf der Strecke zwischen Itzehoe und Westerland werden die Züge auch weiterhin ohne elektrische Oberleitungen fahren. Das geht aus dem Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan bis 2030 hervor, den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in rund zwei Wochen dem Bundestag zur Beratung vorlegen will. Er hält das Projekt für zu teuer und hat es daher nicht in seinen Plan aufgenommen. Auf der Insel stößt das bei vielen auf Unverständnis. Auch der schleswig-holsteinischen Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) sowie der CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp kritisierten die Entscheidung Dobrindts scharf.

„Eine treffendere Missbilligung des touristischen Ziels Sylt gibt es nicht“, sagt Bürgervorsteher Peter Schnittgard empört. Die Bundespolitiker würden vergessen, dass die Marschbahn die „Lebensader der Insel“ sei. Strombetriebene Züge seien umweltfreundlicher als die Dieselloks und würden – zum Beispiel mit Sprinterzügen – für eine schnellere, energiesparendere und bessere Direktverbindung auf die Insel sorgen. „Da muss ich mir die Herren Minister zur Brust nehmen und ihnen sagen, dass es ihre Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass die Westküste gut angebunden ist“, sagt Schnittgard.

Das sieht Piraten-Gemeindevertreter Christian Thiessen ebenso: „Allein um eine gute, durchgehende Verbindung zu gewährleisten, brauchen wir die Elektroloks.“ Züge müssten schneller von der Insel in Städte wie Stuttgart oder Berlin fahren können – das sei für den Tourismus sehr wichtig. Daran, dass sich durch die parlamentarische Beratung und die Öffentlichkeitsbeteiligung noch etwas ändert, und der Bund die Marschbahn in den Plan aufnimmt, glaubt Thiessen nicht. „Obwohl das für Sylt dringend notwendig wäre.“

Der von Wirtschaft und Tourismus an der Westküste geforderte Ausbau wurde in der Vergangenheit nie zu einem ernsthaften Thema zwischen Land und Bahn. Seit rund zweieinhalb Jahren werde er jetzt genauer betrachtet – „vorher gab es nur sporadische Ideen zur Elektrifizierung“, teilte nah.sh-Sprecher Dennis Fiedel mit.

Stark gemacht hatte sich für die Elektrifizierung der Strecke Reinhard Meyer und reagierte zu Beginn der Woche verärgert auf die Absage des Bundes. „Hier zeigt sich, dass die Westküste abgehängt wird“, sagte er. Enttäuscht zeigte sich auch Arp: „Das ist ein schwerer Schlag“, sagte er und forderte Meyer dazu auf, sich bei Dobrindt intensiver für die Westküste einzusetzen. Meyer appellierte seinerseits an die Bundestagsabgeordneten, für die Elektrifizierung zu kämpfen.

Das Thema sorgt auf der Insel seit Jahren für Diskussionen: Der bislang noch stromlose Teil der Marschbahnstrecke ist rund 170 Kilometer lang. Leitungen gibt es auf 19 800 Kilometern des bundesweit 33 000 Kilometer langen Schienennetzes. In der Regel sind dies Strecken auf denen ICE verkehren oder die ein hohes Aufkommen an Güterverkehr aufweisen. Beides trifft auf die Marschbahn nicht zu.

Dobrindt hält drei andere Bauprojekte in Schleswig-Holstein für besonders dringlich: Darin stuft er den vierspurigen Ausbau der A21 von Bargteheide bis Schwarzenbek ebenso in den „vordringlichen Bedarf plus“ ein, wie den sechsspurigen Ausbau des A23-Engpasses zwischen Tornesch und Hamburg-Eidelstedt. Auch die Vertiefung des Nord-Ostsee-Kanals steht in der obersten Kategorie.

Der Bundesverkehrswegeplan ist Grundlage für alle Investitionen in Straßen, Schienen und Wasserwege. Dobrindt legt ihn am 16. März dem Bundestag vor. Bereits begonnene oder beschlossene Projekte tauchen im neuen Plan nicht auf – sie gelten als gesetzt.

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erstellt am 03.Mär.2016 | 05:03 Uhr

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