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Kunst auf Sylt : Die Zukunft des „Fuchsbaus“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Um Kampens „letztes Künstlerhaus“ zu erhalten, sucht die Stiftung Anatol-Buchholtz Fux nach einem Kunst-Mäzen.

von
erstellt am 15.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Grob beschreiben lässt sich Anatol Buchholtz schnell: Er war Hochschullehrer, Architekt, Tierschützer und Künstler, vielleicht einer von Kampens letzten großen Künstlern. Die am Wochenende eröffnete Ausstellung „Anatol Buchholtz – Ein Leben für die Kunst“ im Kaamp Hüs verdichtet die plakativen Beschreibungen des vor knapp zwei Jahren verstorbenen Wahl-Kampeners. Eine Auswahl seiner Werke, Aktzeichnungen, Holz- und Bronzeskulpturen bis zu den später entstandenen Fragmenten bilden seine Vielseitigkeit ab. Unterstützt wird die Auswahl der Werke durch zeitgenössische Presseartikel, die dem Besucher auch einen Einblick in das Kunstverständnis beinahe eines halben Jahrhunderts gewähren.

Heute fast amüsant zu lesen ist beispielsweise Buchholtz’ Auseinandersetzung mit dem Landrat des Kreises Nordfriesland im Jahr 1979: Für das Kreiskrankenhaus in Wyk auf Föhr fertigte Buchholtz eine Plastik aus an Duckdalben erinnernden Holzpfählen an. In die Pfähle selbst hatte er allerdings einen Text über Umweltgefährdung des Wattenmeers eingraviert – und das gefiel dem damaligen Landrat so wenig, dass er Buchholtz sein Honorar in Höhe von 25 000 DM nicht zahlen ließ und den Künstler aufforderte, den Text so abzuändern, dass deutlich daraus hervor gehe, dass das Wattenmeer um Föhr in Ordnung sei.

Nicht nur diese von der Presse als „Künstlerkrieg“ titulierte Auseinandersetzung zeigte die Naturliebe des im ehemaligen Ostpreußen geborenen Künstlers: Er half beim Aufbau einer Tierschutzstation auf Sylt und leitete über viele Jahre hinweg das Tierheim. Tiere waren zudem immer ein Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens.

Auch als „Künstler-Funktionär“ war Buchholtz aktiv: Als Präsident des Bundesverbands bildender Künstler setzte er sich unter anderem für die Durchsetzung der Künstlersozialversicherung ein. Im Kaamp-Hüs findet sich ein Schreiben des SPD-Politikers Herbert Wehner, der Buchholtz versichert, dass dem Thema die Behandlung erfahren werde, die ihm zustehe.

Auf Sylt lebte und arbeitete Buchholtz seit 1958 mit seiner Frau im sogenannten Fuchsbau – einem Atelier-Haus am Kampener Ortsteingang, das auch durch die vielen Skulpturen innen und im Garten Besucher anlockt. Dieses Haus soll nun, knapp zwei Jahre nach Buchholtz’ Tod, wieder als offenes Atelier geführt werden. Der Künstler Thomas Landt zeigt Besucher momentan dienstags und freitags das Gebäude.

Allerdings ist die Zukunft des Hauses momentan nicht gesichert: Kurz vor seinem Tod gründete der Künstler die „Stiftung für bildende Kunst und Baukultur Anatol Buchholtz-Fux“, der er sein Vermögen vermachte. Die Stiftung soll Nachwuchskünstler mit Stipendien fördern und Anerkennungspreise verleihen – allerdings sei das Stiftungsvermögen nicht so groß, wie Anatol Buchholtz gedacht habe, weiß nun sein Halbbruder Hans-Christoph Buchholtz, der als Stiftungsvorstand fungiert.

Im kommenden Frühjahr muss die Suche nach dem ersten Stipendiaten aus rechtlichen Gründen beginnen. Damit die Stiftung nicht gezwungen ist, eine der beiden im Vermögen enthaltenen Immobilien auf Sylt zur Finanzierung zu verkaufen – den „Fuchsbau“ in exklusiver Lage oder eine Doppelhaushälfte in Hörnum –, wird nun nach einem „Zustifter“ gesucht. Ansonsten könnte es für Kampens letztes Künstlerhaus eng werden: „Nur mit der Verstärkung des Stiftungspotenzials kann die Chance gewahrt werden, einen Mittelpunkt für kulturelles Leben in Kampen zu erhalten“, schreibt die Stiftung in einer Annonce, die sie kürzlich in der Wochenzeitung Die Zeit abdrucken ließ. Den „Fuchsbau“ verlieren - „das wollen wir, das will Kampen, das will Sylt nicht“, so der Bruder. Deswegen hoffe er darauf, dass auch die aktuelle Ausstellung dabei hilft, einen möglichen Förderer für den „Fuchsbau“ von dessen Wert zu überzeugen.

Anatol Buchholtz, Brutto-Sozial-Fux, Stationen eines Künstlers, bis zum 6. Dezember,Kaamp Hüs. Als Begleitveranstaltung zur Ausstellung findet jeden Dienstag und Freitag um 10 Uhr eine Führung durch das ehemalige Wohnhaus und Atelier des Bildhauers, den „Fuchsbau“ in Kampen, Möwenweg 2, mit dem Künstler Thomas Landt statt.

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