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Niko-Nissen-Stiftung auf Sylt : Die Welt mit anderen Augen sehen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf Einladung der Niko-Nissen-Stiftung waren Kinder aus der durch die Tschernobyl-Katastrophe verstrahlten weißrussischen Region zu Besuch auf Sylt.

Sie wissen, dass all die schönen Sachen wohl einmalig in ihrem Leben bleiben werden, und sie tragen diese Erlebnisse wie einen Schatz in ihrem Herzen. 20 Kinder aus Weißrussland dürfen sich knapp vier Wochen lang bei uns im hohen Norden erholen, um Kräfte zu tanken für ihr hartes Leben zu Hause. Noch immer ist die Region, in der sie leben, aufgrund der Tschernobyl-Katastrophe verstrahlt, mit schlimmen gesundheitlichen und sozialen Folgen. Weißrussland gehört zu den Ländern mit der höchsten Inflation. Arbeits- und Hoffnungslosigkeit sind an der Tagesordnung und so leiden viele Kinder unter Gewalt, Hunger und Schlimmerem.

Frauke, Paul Martin und Sohn Martin Nissen reisen regelmäßig nach Weißrussland, versorgen dort Kinder mit Hörgeräten und Brillen, haben Labore eingerichtet und ein Kinderschutzhaus in Pinsk – geführt von Irena Awerin und zwei weiteren Frauen. Und nun sind 20 Kinder im Alter von neun bis 17 Jahren hier im Norden Deutschlands, mehrfach auch auf der Insel. „Schon die Fahrt über das Meer zaubert ein Strahlen in die Gesichter“, schwärmt Frauke Nissen und bedankt sich auf diesem Wege bei allen, die so herzlich mit von der Partie sind. Bei „Come in“ gab es schicke Kleidung, bevor es ins Sylt-Aquarium zum Staunen und zum Essen ins Al Dente 49 ging. Ein andermal fuhren sie nach List, wo Jünne Gosch den Kindern eine Stärkung spendierte, dann ging es auf einem Schiff der Adler-Flotte zum Kleintierfang hinaus ins Wattenmeer.

Diese Fahrt wurde zu etwas ganz Besonderem, auch für den Kapitän. Denn die Kinder hatten zuvor all ihre Sorgen und Nöte aufgeschrieben und aus diesen Blättern Schiffchen gebaut, welche sie gemeinsam mit einem Schwung Rosen ins Meer setzten. Die Strömung trug die Blumen und die Schiffchen mit den Sorgen in Windeseile mit sich fort. „Das war unglaublich bewegend“, erzählt Frauke Nissen, doch dann lacht sie: „Lustig war allerdings, dass der Kapitän aus Sibirien stammt. Er lebt aber schon ewig hier und spricht wirklich sehr nordisch platt.“ Als die Kinder einen Strandtag auf dem Programm hatten, trafen sie (ungeplant) auf einen weiteren „Landsmann“: In der Friedrichstraße erklang russische Musik, dort spielte ein Straßenmusikant aus Minsk. Das war eine tolle Überraschung – versteht sich, dass zusammen gesungen und getanzt wurde. Diese Woche sind die Kids ein weiteres Mal auf der Insel, dürfen zu McDonalds und in die Sylter Welle.

„Manchmal sind die Kinder total überrascht, wenn ihnen Menschen freundlich, offen und herzlich begegnen, wie zum Beispiel der Kapitän“, meint Frauke Nissen leise. „Es ist ja genau das, was sie überhaupt nicht kennen. Die meisten genießen das, lachen, hopsen, lassen sich umarmen. Andere sind zurückhaltender und es dauert länger, bis man ihren Schutzpanzer durchdringt.“ Am Sonnabend stellten sie übrigens eine Fußball-Mannschaft beim „Jugend-Länderspiel“ in Niebüll, organisiert vom BVB-Fanclub Sylt. Es spielte Deutschland gegen Weißrussland, Ergebnis 4:4. „Und hier gab es keinen einzigen Schutzpanzer mehr“, erklären die Nissens freudig. „Die nordischen Heimspieler begegneten den Kindern aus der Ferne dermaßen herzlich, dass sie sich am Ende kaum trennen mochten.“

Im Herbst 2018 fährt Familie Nissen wieder mit einem Team nach Weißrussland, betreut die Schwerhörigenschulen in Pinsk und Kobrin und besucht einige Familien zu Hause. Aktuell wurde der Erholungsurlaub auch genutzt, um einigen Jungs und Mädels ein Hörgerät oder eine Brille anzupassen. Doch so richtig geheuer war das den Kindern nicht, besonders die Brille – es flossen sogar ein paar Tränen. Aber als die neuen Gläser dann auf der Nase saßen, kamen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auf der Stelle wurde die Tränen von einem begeisterten Strahlen verdrängt: Diese jungen Menschen können die Welt auf einmal mit ganz anderen Augen sehen.

Spendenkonto der Niko Nissen Stiftung e.V. –
IBAN: DE90 2176 3542 0007 8562 02 –
BIC: GENODEF1BDS
TV-Hinweis: Am Mittwoch, 12. Juli um 18.45 Uhr sendet auch das NDR-Fernsehen in der Sendung „DAS!“ einen Beitrag zu dem Thema.



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