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Sylter Rundschau

17. Dezember 2017 | 22:36 Uhr

Die Wallfahrtstätte ganz im Norden

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

SR-Kirchenserie: St. Raphael in List ist die nördlichste katholische Kirche im deutschen Sprachraum und wird von Steyler Missionarinnen betreut

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Die Anzahl der Katholiken ist auf Sylt wie überall im Norden nicht besonders hoch. Zwischen Hörnum und List leben nur 2 000 Angehörige der römisch-katholischen Kirche. Trotzdem gibt es für die Gläubigen zwei Gotteshäuser auf der Insel: St. Christophorus in Westerland und St. Raphael in List. Das liegt vor allem an der großen Anzahl katholischer Urlauber, die im Sommer die Gottesdienste füllen. „Im Sommer haben wir in der Kirche bestimmt 90 bis 95 Prozent Gäste“, erklärt Pfarrer Dr. Ulrich Hoppe, der für beide Kirchen zuständig ist. Bei St. Raphael handelt es sich um eine Filialkirche von St. Christophorus, die seit 2008 von drei Missionarinnen betreut wird und in List zentral an der Hafenstraße liegt. Sie ist das nördlichste katholische Gotteshaus des deutschen Sprachraums.

Dabei ist die Kirche noch relativ jung. Erst 1988 wurde sie durch den damaligen Bischof von Osnabrück, Dr. Ludwig Averkamp, dem späteren Erzbischof von Hamburg, geweiht. Sie sollte damals in erster Linie als Kirche für die Marineangehörigen dienen, die dort stationiert waren. „Es gab hier viele junge Soldaten und ihre Familien, die katholisch waren“, erklärt Schwester Francisca Brunsen von den Steyler Missionarinnen. Neben der katholischen Kirche war der Bund maßgeblich an der Finanzierung des Baus beteiligt. Intensiv vorangetrieben hatte diesen Hubert Hellmann, der von 1953 bis 1988 Pfarrer auf Sylt war. Allerdings verstarb er nur zwölf Tage nach der Weihe von St. Raphael an einem Herzinfarkt. „Nach dem Fall der Mauer wäre diese Kirche wohl kaum noch gebaut worden“, sagte Pfarrer Hoppe in seiner Predigt anlässlich des 25. Weihe-Jubiläums im Oktober dieses Jahres und bezog sich dabei auf die politischen Folgen, die letztlich dazu führten, dass die Bundeswehr bis Ende 2006 von der Insel Sylt abgezogen wurde. „Die seelsorgliche Situation hatte sich komplett geändert. 1988 gab es noch vier katholische Kirchen auf Sylt, heute sind es nur noch zwei.“ Eigentlich rechtfertigten die Gottesdienstbesucher in List neben Westerland keinen weiteren Kirchenstandort auf Sylt. Aber, wie Hoppe betonte, werde die Kirche dennoch gebraucht, und zwar „als das sichtbare Zelt Gottes unter den Menschen am nördlichsten Punkt des deutschen Sprachraums“ und als „unseren Wallfahrtsort auf Sylt“. Denn vor 25 Jahren weihte Bischof Averkamp nicht nur die Kirche St. Raphael, sondern versenkte auch die Reliquie des Heiligen Franziskus im Altar. 2008 wurden weitere Überreste von verstorbenen Seligen und Heiligen der katholischen Kirche in den Altar eingemauert. Auch Reliquien des heiligen Gründers der Steyler Patres und der Gründerinnen der Steyler Missionarinnen finden sich hier. „Wir haben uns zur Wallfahrtskirche entwickelt“, sagt Schwester Francisca. „Zwischen dem 13. Mai und dem 13. Oktober brechen viele Menschen von Westerland aus zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach List auf und nehmen hier an der Eucharistie-Feier zu Ehren der Mutter Gottes teil“.

Von außen fällt bei der ansonsten eher unscheinbar gestalteten Kirche als erstes der freistehende Turm auf. An dessen Spitze zeigt das Bild des Namensgebers der Kirche, des Erzengels Raphaels, als in Bronze gegossene Wetterfahne die Windrichtung an.

Diese ist ebenso wie die schmückenden Arbeiten innerhalb der Kirche ein Werk des Künstlers Emil Wachter. Er hat sein Bildwerk in Zusammenarbeit mit den Architekten Hansen und Schlums als „integralen Bestandteil des Baus“ geplant, wie Wachter selber in einer Beschreibung seiner Arbeiten erklärt. Was damit gemeint ist, verrät der Blick in den Kirchenraum: Baummotive aus Klinkersteinen sind in die Wände eingefügt und bilden so eine Art Hain, der für Schwester Francisca eine ganz besondere Bedeutung hat: „Jeder Baum ist anders und erinnert daran, wie unterschiedlich die Menschen sind. Da gibt es Bäume mit ausgebreiteten Ästen, die so wirken wie Menschen, die ihre Arme für Gott weit öffnen. Und dann gibt es einen Baum mit geschlossener Knospe, der für Zurückhaltung und Einsamkeit steht.“ Sie denkt dabei gerne an ein Gleichnis aus der Bibel: „Im Baum Gottes nisten viele Vögel – und alle finden ihren Platz.“

Es gibt aber auch Mosaike, auf denen unter anderem das Lamm Gottes dargestellt wird. Diese bestehen aus dem Material, „das die Insel selbst liefert“, wie der Künstler Wachter erklärt: „Sand und Zement, Specksteine, Ziegel- und Geschirrscherben, Kieselsteine“.

Die Fenster stammen aus den Karlsruher Glaskunstwerkstätten Herbold und zeigen in bunten, leuchtenden Farben die biblische Geschichte von Tobias, dessen Gebet der Erzengel Raphael erhört und ihn auf einer Reise begleitet und beschützt.

Schwester Francisca gefällt besonders die offene Form des Kirchenraums. „Egal wo man sitzt, hat man das Gefühl, mit offenen Armen empfangen zu werden. Gleichzeitig ist alles nach vorne zum Altar konzentriert.“

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