Treffen der Jägerinnen : Die „Walddeerns“ zu Gast auf Sylt

Die Jägerinnen treffen sich regelmäßig an verschiedenen Orten im Bundesgebiet, um sich über die regionalen Jagdgegebenheiten auszutauschen.  Fotos: Jasmin Heimberger
Die Jägerinnen treffen sich regelmäßig an verschiedenen Orten im Bundesgebiet, um sich über die regionalen Jagdgegebenheiten auszutauschen. Fotos: Jasmin Heimberger

Junge Jägerinnen trafen sich zum Gedankenaustausch in der Eidum Vogelkoje.

shz.de von
17. Juli 2018, 05:30 Uhr

Wiebke Bleicken blickt fröhlich in die Runde der Jägerinnen, die sich im Informationszentrum der Eidumer Vogelkoje versammelt haben. „Ich freue mich, dass unsere Vogelkoje nicht nur ein toller Naturlernort für Sylter und seine Gäste ist, sondern auch ein idealer Treffpunkt für Gleichgesinnte“, so die Morsumerin, die sich seit 17 Jahren im Hegering Sylt engagiert. Gleichgesinnte Frauen, die wie sie begeisterte Jägerinnen sind, treffe sie eher selten. Bundesweit gesehen beträgt der Frauenanteil im Deutschen Jagdverband sieben Prozent. Tendenz allerdings steigend: Waren vor 25 Jahren nur etwa ein Prozent der Jagdscheininhaber Frauen, lag der Frauenanteil in den Jägerkursen 2017 bereits bei 24 Prozent.

„Sich als Jägerin mit anderen Frauen zu vernetzen und gemeinsam aufzutreten ist wichtig, um in der Männerdomäne Jagd besser bestehen zu können“, sagt Merle Schmidt, die mit Wiebke Bleicken gemeinsam zu dem Treffen eingeladen hatte. Zwar sei die Jagdszene in den letzten 15 Jahren Frauen gegenüber viel offener geworden, dennoch hätten viele Jungjägerinnen mit Vorurteilen zu kämpfen und bekämen oft nicht die gleichen Möglichkeiten zur Jagd wie ihre männlichen Kollegen. Deshalb gründete die gebürtige Sylterin Merle Schmidt, die seit neun Jahren auf dem Festland lebt, die Facebookgruppe „Waiddeerns“. „Mittlerweile sind dort knapp 600 Frauen aus ganz Deutschland vernetzt. Etwa ein Mal im Monat findet ein Treffen statt“, berichtet sie.

Wiebke Bleicken (re.) erklärt die Funktionsweise einer Vogelkoje. Der Betrieb der Vogelfanganlage wurde 1930 eingestellt.
Wiebke Bleicken (re.) erklärt die Funktionsweise einer Vogelkoje. Der Betrieb der Vogelfanganlage wurde 1930 eingestellt.

Neben der Möglichkeit des Austausches mit Gleichgesinnten steht auch immer eine Lerneinheit auf dem Programm, wie etwa Übungen am Schießstand oder Vorträge über ein Jagdgebiet mit seinen spezifischen Gegebenheiten.

Auch beim Treffen am Sonnabend gab es nach einem geselligen Frühstück fachlichen Input für die Frauen, die größtenteils aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen angereist waren. Die Sylter Seehundjäger Thomas Diedrichsen und Florian Kröger berichteten von ihren Einsätzen zur Beobachtung, Bergung und tierschutzgerechter Tötung schwerkranker Tiere auf der Insel. Die Jägerinnen zeigten Verständnis für die Männer, die sich immer wieder mit scharfer Kritik an ihrer Arbeit konfrontiert sehen. Der Einsatz der Seehundjäger sei alternativlos, so die einhellige Meinung der Anwesenden. Niemand wolle schließlich den Strand mit kranken oder toten Seehunden teilen und schwerkranke Tiere müsse man von Qualen erlösen.

Die Teilnehmerinnen genossen die Möglichkeit des Austauschs mit Gleichgesinnten im Natur-Idyll der Eidumer Vogelkoje.
Die Teilnehmerinnen genossen die Möglichkeit des Austauschs mit Gleichgesinnten im Natur-Idyll der Eidumer Vogelkoje.

Bei der anschließenden Führung durch die Eidum Vogelkoje erklärte Wiebke Bleicken, wie dort zwischen 1874 bis 1930 Entenschwärme von gezähmten Wildenten angelockt und vom Kojenwärter gefangen wurden. Der Hegering Sylt nutzt die Anlage seit 2009 als Informationszentrum und bietet Führungen an.

Über die Eindrücke des Tages diskutierten die Frauen am Sonnabend noch in geselliger Runde am Teich der Vogelkoje. Ob Frauen allerdings anders – oder gar besser – jagen als Männer, konnte dabei nicht abschließend geklärt werden. Vielleicht sind die Jägerinnen auf einem ihrer nächsten Treffen in diesem Punkt schon weiter. „Auf Sylt sind sie jedenfalls alle wieder herzlich Willkommen“, so Wiebke Bleicken zum Abschluss.




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