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Tetrapoden auf Sylt : Die vierarmigen Kolosse ziehen um

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Purer Beton, sechs Tonnen schwer und ein Reinfall für den Küstenschutz – die Tetrapoden gehören zu Sylt. Jetzt werden 2500 der sechs Tonnen schweren Wellenbrecher umgelagert, um die Wucht des Meeres abzuwehren.

Sylt | Tetrapoden gehören zu Sylt wie Ebbe und Flut. Allerdings am Strand oder im Wasser und nicht auf der Straße. Aber an genau dieses Bild werden sich Gäste wie Einheimische in diesem Sommer gewöhnen müssen. Denn: Eine Umlagerung der vierarmigen Betonklötze vom Norden Westerlands in den Inselsüden ist geplant.

Die Tetrapoden dienen vor Hörnums Westküste als Wellenbrecher und nehmen die Energie aus dem anbrandenden Wasser. Der Strandabschnitt, der direkt hinter dem Wellenbrecher liegt, wird dadurch deutlich weniger beansprucht. „Ein Teil der Energie wird rausgenommen“, betont Mathias Fiege vom Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). „Das heißt nicht, dass gar keine Energie mehr an der Küste ankommt.“

So gut die Tetrapoden als Wellenbrecher funktionieren – dass Sand vom Strand verloren geht, können auch sie nicht verhindern.

Die Betongebilde einfach ins Wasser vor Hörnum zu legen, funktioniert übrigens auch nicht. Zunächst wird ein Sandbett vorbereitet, darüber kommen Geotextilien – eine Art Vlies – und darauf erst die Tetrapoden, erklärt Mathias Fiege. Eine Sandspülung zwischen dem Wellen brechenden Längswerk und dem Strand, wird das Bauwerk zusätzlich stabilisieren. Ohne eine feste Unterlage wie die Geotextilien, würden die Tetrapoden keinen Erosionsschutz bilden und langsam aber sicher in den Sand einsinken.

Vor der Ufermauer in Westerland beispielsweise erfüllten die Tetrapoden ihre Schutzfunktion: Die Sicherung der Westerländer Ufermauer durch Tetrapoden wurde 1960/61 notwendig, weil der Fuß der 1907 errichteten Mauer im Laufe der Zeit immer wieder beschädigt worden war. Von den Tetrapoden erhoffte man sich, dass sie das Mauerwerk stabil halten.

Das Tetrapoden-Querwerk in Hörnum wurde 1968 als letzte Buhne an der Westküste gebaut. Das 270 Meter lange Querwerk sollte die Sandverfrachtung nach Süden abschwächen.

Das Tetrapodenlängswerk – ebenfalls 1968 erbaut – sollte auf einer Länge von 1 270 Metern und mit einer Packdichte von zirka 4,3 Tetrapoden pro laufenden Meter (zirka 5 430 Tetrapoden gesamt) den Abbruch der Randdünen verhindern – was sich aber als Trugschluss herausstellte: Sie verstärkten die Erosionen, statt sie zu verhindern. 2005 wurden deshalb 2 200 Tetrapoden entfernt und für den Küstenschutz auf Helgoland verwendet. Weitere Tetrapoden wurden südlich des Querwerks eingesetzt (Fachplan Küstenschutz Sylt).

In diesem Jahr werden zirka 1250 Tetrapoden im Norden Hörnums ausgegraben werden und noch einmal eben so viele Tetrapoden im Norden Westerlands auf Höhe Nordseeklinik zur weiteren Verlängerung des Längswerks. Vor einigen Jahren noch war von Seiten des LKN aus gesagt worden, dass das Ausgraben von Tetrapoden zu teuer sei. Jetzt allerdings sieht die Rechnung ein bisschen anders aus: Die Kosten für die Anfertigung pro Stück und den Transport per Schiff belaufen sich nach Schätzungen von Mathias Fiege auf 1000 bis 1200 Euro.

Wieviel im Gegensatz dazu das Ausgraben koste, konnte Fiege allerdings nicht sagen. Erst müssten die Ausschreibungen laufen. Sicher ist nur, dass die sechs Tonnen schweren Kolosse dann über die Straße von der Nordseeklinik nach Hörnum transportiert werden, dort bis zum Herbst am Strand zwischengelagert und dann als Wellenbrecher eingesetzt werden.

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