Die Versorgungsfalle

michael

shz.de von
02. Juni 2014, 16:14 Uhr

Man reibt sich die Augen, wenn man die Meldung um die Versorgungsansprüche der Sylter Bürgermeisterin liest. Aus zwei Gründen. Zum einen wird Petra Reiber als Verwaltungschefin und Juristin sehr genau wissen, wie ihre Versorgungsansprüche aussehen. Deshalb könnte man denken, es werden sie die Rechenschieberkünste des Versorgungsamtes weder kalt erwischen noch ratlos machen.

Zum anderen kommen einem schon Zweifel, ob solcher Verordnungen, die aus einer Bürgermeisterin, die fast 23 Jahre am selben Ort tätig ist, eine Frau mit kurzer Dienstzeit und quasi neuem Ort zaubern können.

Klar, nach der Fusion ist die Zuständigkeit und Größe der Verwaltung gewachsen, hat sich das Bürgermeisteramt verändert. Sicher auch das Gehalt und die damit verknüpften Versorgungsansprüche. Wenn nun aber die Reiber’sche Amtszeit versorgungstechnisch aufgeteilt wird in vor und nach der Fusion, gerät das gesamte Wirken der Sylter Bürgermeisterin aus dem Blick.

Man mag zu der Fusion und ihren Folgen unterschiedlicher Meinungen sein – ein beachtlicher Schritt war sie allemal. Einer, der neue Impulse gesetzt hat. Und einer, der bundesweite Beachtung fand. Gelingen konnte er nur durch das unermüdliche und in vielerlei Hinsicht auch kluge Wirken von Petra Reiber. Die Wähler jedenfalls haben das damals so gesehen, als sie sie 2009 Bürgermeisterin der Großgemeinde Sylt wählten. Sie kannten ja ihre Bürgermeisterin...

Ob die damals schon gewusst hat, dass sie sich damit ihre Versorgungsansprüche versauen könnte, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich hat sie zunächst an die Sache gedacht, für die sie gekämpft hat. Solche Menschen wünscht man sich, wenn sie ihren Job zum Wohle der Allgemeinheit tun. Die Sylter sollten hoffen, dass auch der oder die NachfolgerIn von Petra Reiber so tickt.

zur Startseite

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert