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Reportage : „Die Sylter Miesmuschel ist die beste“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Inselsüden vor Hörnum ist das Revier der Muschelfischer. Für die Besatzungen und ihre Muschelkutter ist gerade Hochsaison.

Es ist sechs Uhr früh. Der Himmel ist grau und verhangen, es nieselt. Immer noch zucken Blitze zwischen Wolken. Die Truntje liegt ruhig am Hörnumer Hafen. Langsam kommt Bewegung an Bord, die Besatzung von Muschelfischer Adrian Leuschel macht den Kutter startklar. Wenig später läuft das Schiff aus. Gemächlich tuckert es aus dem Hafen, raus aufs Meer, östlich von Sylt. Obwohl der Wind auf der gesamten Insel ordentlich pustet, ist das Wasser hier relativ ruhig. „Die Lage ist sehr geschützt. Deswegen bleiben die Muscheln hier liegen, auf der anderen Seite der Insel würde der Sturm alles wegreißen“, erklärt Adrian Leuschel. Er ist seit 30 Jahren Muschelfischer im Wattenmeer. Einer von acht Fischern mit einer Lizenz für dieses Gebiet.

Es geht vorbei an den Netzen, an denen die Muschellarven wachsen, bis sie groß genug sind, um sie auszusetzen. „Die jetzigen sind im Juni geboren, nach zwei Monaten kommen sie von den Netzen runter und nach zwei Jahren werden sie dann geerntet“, erklärt Adrian Leuschel. Angekommen in seinem Revier etwa 1,6 Kilometer vor der Insel lässt er die Schleppnetze links und rechts vom Schiff herunter. „Die Miesmuscheln heißen zu recht Sylter Miesmuscheln. Sie liegen schließlich fast an der Insel dran“, betont Adrian Leuschel. Nur wenige Minuten sind die Netze unter Wasser, dann zieht er sie schon wieder hoch – voll mit den schwarzen Delikatessen. Gerade ist die Ernte qualitativ besonders gut: Es ist Hauptsaison für die Sylter Miesmuschel.

Gestern wurde die Muschelsaison in Schleswig-Holstein offiziell eröffnet. Und seitens der Landesregierung sieht sie sich zunehmend unter Druck gesetzt. Diese lasse sich von Naturschutzverbänden treiben, die großen Einfluss auf das Landwirtschaftsministerium von Robert Habeck (Grüne) hätten, sagte Organisationsgeschäftsführer der Muschelfischer Peter Ewaldsen. „Aber Habeck ist Minister für die Fischerei, nicht gegen die Fischerei.“ Die Muschelfischer hätten verbriefte Rechte, welche die Regierung ihnen nehmen wolle. Die Naturschutzverbände hätten im Gegensatz zu den Fischern nichts zu verlieren. An die Muschelfischer würden dagegen existenzgefährdende Forderungen gestellt. So werde eine Reduzierung der befischten Flächen verlangt.

„Wir haben im Nationalpark eine Fläche von 441 000 Hektar, und wir nutzen 0,8 Prozent, 99,2 Prozent sind von uns unberührt“, betonte Ewaldsen. Kritik, die Fischer brächten die Miesmuschelbestände in Gefahr, lässt er nicht gelten. Angesichts der hohen Reproduktionsrate der Muscheln könnten höchstens Gift oder Klimawandel ihre Existenz gefährden.

Die Saison läuft vom 1. Juli bis 1. April. Wenn die Stürme zunehmen, wird die Ausbeute langsam weniger. „Richtig gut schmecken sie bis Weihnachten“, sagt Adrian Leuschel. Wieder tauchen die Netze ins Wasser. Die Ladungen werden in eine Sortiermaschine auf dem Kutter gekippt. Die Muscheln werden mit Wasser durch die Maschine gespült, auf einem Laufband werden Krebse und andere Dinge aussortiert, sie kommen zurück ins Meer. Die Muscheln werden in große weiße Säcke gefüllt. Etwa 100 Kilogramm landen pro Seite beim Eintauchen im Netz. Adrian Leuschel weiß genau, wie viele Meter er die Netze schleppen muss, um sie zu füllen. „Ich weiß ja auch, was da am Boden liegt.“ Zur Zeit fischt Adrian Leuschel etwa 23 Tonnen Muscheln pro Tour, etwa 50 Tonnen am Tag. Nur zirka 300 bis 500 Kilo davon bleiben auf der Insel. Das meiste fischt er auf Bestellung. Davon hat er so viele, dass Adrian Leuschel gar nicht alle Aufträge annehmen kann. „Die Sylter Miesmuschel ist die beste auf dem Markt und sehr begehrt“, erklärt der Muschelfischer. Im Verhältnis zur Schale enthalten sie etwa 30 Prozent Fleisch im Sommer. Bei den dänischen Muscheln, so erklärt Leuschel, seien es nur etwa 12 Prozent.

Die drei Männer an Bord haben gut zu tun. Adrian Leuschel bedient die Netze von der Brücke aus. Dann zieht er sie ein letztes Mal hoch. Er weiß, dass er die Bestellmenge zusammen hat. Der gebürtige Holländer erzählt, dass in den Niederlanden viele Firmen Muschelfischerei betreiben. Nur in Holland und in Deutschland werde die Muschelzucht betrieben, aus diesem Grund kam er vor 30 Jahren nach Deutschland. „Hier funktioniert das einfach noch besser“, so Adrian Leuschel. Drei Schiffe hat er im Hörnumer Hafen liegen. Es sei aber schwer Nachwuchskräfte zu finden, die Muschelfischerei sei nicht sehr beliebt. Daher seien auch auf Sylt viele Holländer bei der Fischerei.

Mittlerweile hat der Kutter kehrt gemacht und tuckert wieder in Richtung Hafen. Dann geht plötzlich ein Ruck durch das Schiff. „Wir sind auf Grund gelaufen“, sagt Adrian Leuschel. Das Wasser ist hier nur wenige Meter tief. Er ändert den Kurs ein wenig, dann geht es weiter.

„Wir müssen die Muscheln vor dem Verkauf sandfrei machen. Daher gibt es auch keinen Verkauf direkt vom Kutter“, so Adrian Leuschel. Als der Muschelkutter im Hafen von Hörnum wieder anlegt, stehen schon zwei Lkw bereit. Das Schiff wird vertäut. Mithilfe von Kran und Radlader werden die mit Muscheln befüllten Säcke an Land gehoben und auf die Lkw verladen, die sie zum Waschen bringen. Danach geht’s für die meisten Muscheln mit dem Autozug runter von der Insel. Besonders der belgische Großhandel weiß die Sylter Muschel zu schätzen. „Die holländischen Muscheln können mit keiner Kultur mit den Sylter Muscheln vor Hörnum mithalten“, sagt Adrian Leuschel. Was genau die Sylter Miesmuscheln so lecker mache, lasse sich schwer sagen. „Wahrscheinlich alles zusammen, die Strömungsverhältnisse, Nährstoffe und die windgeschützte Lage.“

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erstellt am 16.Aug.2014 | 05:13 Uhr

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