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Kampen auf Sylt : Die „Sturmhaube“ als Wohnzimmer – neuer Anlauf mit Hotel

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein zukunftsfähiges Konzept musste her. Ein Hamburger Immobilienentwickler und ein Sylter Architekt erhalten den Zuschlag.

Ende 2016 schloss das weit über die Inselgrenzen hinaus bekannte Restaurant „Sturmhaube“ seine Türen. Noch während der alte Mieter die letzten Möbel hinaus schleppte, hätten schon die ersten Pachtinteressenten an ihre Tür geklopft, berichtet Stefii Böhm. „Gewundert hat mich das nicht“, so Kampens Bürgermeisterin, „schließlich liegt das Haus, das der Gemeinde Kampen gehört, in direkter Nähe vom Roten Kliff, einem der markantesten Ausflugsziele auf Sylt und zudem unmittelbar an dem am stärksten frequentierten Strandabschnitt unseres Dorfes. Aber nach fünf Betreiberwechseln in weniger als 20 Jahren war uns in der Gemeindevertretung klar: Wir wollen nicht einfach nur einen neuen Pächter. Wir brauchen vor allem ein anderes, ein zeitgemäßes und zukunftsfähiges Konzept, das ein breites Publikum anspricht und auch die Strandversorgung für die Badegäste sicherstellt.“

Bundesweit sei das Objekt Anfang Februar ausgeschrieben worden, fünf Bewerber in die engere Auswahl gekommen. Diese hätten sich und ihre Projektideen in den letzten Wochen der Gemeindevertretung präsentiert, so Steffi Böhm. Einmütig fiel die Wahl auf den Vorschlag zweier Interessenten, die bereits länger erfolgreich zusammenarbeiten: Der Hamburger Grundstücks- und Immobilienentwickler Michael C. Zankel mit Erstwohnsitz in Kampen und der Sylter Architekt H. Henning Lehmann überzeugten die Gemeindevertreter „auf ganzer Linie“ mit ihrer Vision eines gemütlichen, überschaubaren Treffpunkts für Einheimische und Urlauber.

„Für mich war die Sturmhaube schon immer eine Art Wohnzimmer“, sagt Zankel. „Ich bin gerne auf Sylt, ich liebe Kampen. Mir ist es deshalb auch aus persönlicher Verbundenheit ein Herzenswunsch, hier an diesem wunderbaren Platz etwas Besonderes und Dauerhaftes zu schaffen.“ Hennig Lehmann geht es laut eigenen Worten ganz ähnlich. Er sieht sich aber auch als Architekt herausgefordert: „Das Haus ist verwinkelt, wurde im Laufe der Zeit immer größer und weitläufiger. Hier jetzt Neues zu planen, von Grund auf zu gestalten, das ist eine tolle und interessante Aufgabe, auf die ich mich riesig freue.“ Mit im Boot sei auch der Kampener Hotelier Dirk Erdmann, so Steffi Böhm, der seine „geballte Erfahrung“ einbringen wolle.

Neben einem deutlich verkleinerten Restaurant, einer Mikrobrauerei und einem Strandkiosk soll es künftig in der Sturmhaube nämlich auch einige Hotelzimmer geben. Die neuen Betreiber wollen dabei auf die Strukturen und Ressourcen des Hotels Rungholt der Familie Erdmann zurückgreifen, das gerade einmal 300 Meter entfernt liegt. Synergien zu nutzen, da sind sich alle Beteiligten einig, sei eine ebenso clevere wie moderne Vorgehensweise, die zudem Kosten spare.

Unkonventionell wie die Geschäftspartner sollten auch die Übernachtungsgäste sein. Wer künftig in der oberen Etage der Sturmhaube Quartier bezieht, darf sich nicht daran stören, dass es im Erdgeschoss unter Umständen sehr stimmungsfroh und lebendig zugeht – und das auch gern mal länger. „Wir wollen uns deshalb nicht weniger an Frühaufsteher als an Sternengucker, Spätheimkehrer und Partyschwärmer wenden“, so die neuen Pächter des Objekts. „Unsere Zielgruppe sind eher bekennende Morgenmuffel und Langschläfer, die gerne die Nacht zum Tag machen, ihre Ruhe nicht in den frühen Abendstunden, sondern am liebsten morgens haben und es vorziehen, lange gemütlich im Bett zu bleiben.“

Das Haus wird allerdings nicht von den Projektentwicklern selbst geführt werden. Die Investoren wollen das operative Geschäft vielmehr einem gestandenen Profi mit langjähriger Erfahrung in der Gastronomie überlassen und selbst nur im Hintergrund agieren. „Wir sind natürlich bereits in Gesprächen mit potenziellen Kandidaten. Aber auch hier gilt, dass wir nichts übereilen und erst dann Namen kommunizieren, wenn wir den idealen Gastgeber gefunden haben.“ Bis zur Vertragsunterzeichnung werde das Vorhaben in enger Abstimmung mit der Gemeinde Kampen weiterentwickelt. Derzeit würde an den Details gefeilt, 2018 soll dann die Wiedereröffnung stattfinden.

Die exponiert auf dem Roten  Kliff gelegene „Sturmhaube“ besitzt eine lange, wechselvolle Geschichte: Im Jahr 1900 von der Badeverwaltung errichtet, war sie zunächst nur eine Baracke, die als Verkaufsstand für Postkarten und andere Artikel diente. Zwischen 1908 und 1922 glich sie einem kleinen Pavillon, der zugleich Wartehalle für die Inselbahn war. Im Jahre 1936 wurde die „Sturmhaube“ in größerem Stil neu erbaut und beherbergte neben einem Restaurant unter anderem auch ein Büro der Badeverwaltung sowie Umkleidekabinen für die Badegäste. Als die Kliffkante durch den steten Ansturm des Meeres gefährlich nahe rückte, wurde das Gebäude abgerissen und 1968 in der heutigen Optik weiter westlich neu erbaut. Von der inmitten eines Naturschutzgebietes  gelegenen „Sturmhaube“ bietet sich seitdem ein exklusiver Panoramablick auf Küste und Heidelandschaft.

 

Die „Sturmhaube“: Geschichte und Geschichten

Die exponiert auf dem Roten Kliff gelegene „Sturmhaube“ besitzt eine lange, wechselvolle Geschichte: Im Jahr 1900 von der Badeverwaltung errichtet, war sie zunächst nur eine Baracke, die als Verkaufsstand für Postkarten und andere Artikel diente. Zwischen 1908 und 1922 glich sie einem kleinen Pavillon, der zugleich Wartehalle für die Inselbahn war. Im Jahre 1936 wurde die „Sturmhaube“ in größerem Stil neu erbaut und beherbergte neben einem Restaurant unter anderem auch ein Büro der Badeverwaltung sowie Umkleidekabinen für die Badegäste. Als die Kliffkante durch den steten Ansturm des Meeres gefährlich nahe rückte, wurde das Gebäude abgerissen und 1968 in der heutigen Optik weiter westlich neu erbaut. Von der inmitten eines Naturschutzgebietes gelegenen „Sturmhaube“ bietet sich seitdem ein exklusiver Panoramablick auf Küste und Heidelandschaft.

Im Jahr 1968 wurde Richtfest für den Neubau der „Sturmhaube“ gefeiert.
Im Jahr 1968 wurde Richtfest für den Neubau der „Sturmhaube“ gefeiert. Foto: Archiv Deppe

Die „Sturmhaube“ sah im Laufe der Jahrzehnte manch Prominenz kommen und gehen. So stellte der Literat Ernst von Salomon seinen späteren Bestseller „Der Fragebogen“ hier 1951 der Öffentlichkeit erstmals vor. Verfasst hatte er ihn ganz in der Nähe – in den Katakomben des heutigen Cafés „Kupferkanne“. Sogar ein kleines Stück Geschichte wurde an dem exponierten Ort geschrieben: 1971 lud der Industrielle Berthold Beitz den damaligen Kanzler Willy Brandt und den russischen Sportminister zum Essen in die „Sturmhaube“ ein. In dem vertraulichen Gespräch konnte ein möglicher Boykott der Ostblock-Staaten gegen die bevorstehenden Olympischen Spiele in München abgewendet werden.

Einen Star von Weltrang konnte das Anwesen 2012 begrüßen: Hollywood-Schauspieler Kevin Costner kam für einen Kurztrip nach Sylt und gab in der „Sturmhaube“ ein kleines Konzert. Dabei bewies der prominente Schauspieler auch als Sänger Talent, was von den 300 geladenen Gästen mit stürmischem Applaus gewürdigt wurde.

(fd)

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erstellt am 23.Jul.2017 | 22:00 Uhr

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