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Nach Unfall beim Syltshuttle : „Die Stimmung war gereizt bis lustig“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter und Urlauber erzählen, wie sie die Wartezeit nach dem Rangierunfall am Sonntagabend erlebten.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 12:07 Uhr

Zu einem schlechteren Zeitpunkt hätte dieser Unfall kaum passieren können: Es ist der letzte Sonntag des Surf World Cups und innerhalb weniger Stunden wollen Hunderte von Besuchern die Insel verlassen. Allein das sorgt am Sonntagnachmittag für Chaos rund um die Verladestation am Westerländer Bahnhof. Polizisten müssen den Verkehr regulieren. Gegen Abend hätte sich die Lage eigentlich langsam entspannen müssen. Doch gegen 20.15 Uhr entgleist ein abgekoppelter Waggon eines Syltshuttles und hebt dadurch einen Waggon auf dem Nachbargleis aus den Gleisen. Betroffene – Insulaner und Urlauber – machten gestern ihrem Ärger Luft.

Verletzt wird bei dem Unfall gottseidank niemand. Warum der Zugteil, in dem Motorräder über den Hindenburgdamm transportiert werden, entgleiste, ist noch unklar. Es wird wegen des Verdachts auf einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr ermittelt, heißt es von der Bundespolizei.

Für die Insulaner und Gäste, die zum Unfallzeitpunkt teilweise schon drei Stunden vor der Verladestation gewartet hatten, beginnt nun ein langer Abend. Denn erst einmal kann keiner mehr auf den Autozug rauf, später werden die Autos mühsam umgelenkt, das Syltshuttle kann nur noch von dem Gleis abfahren, auf dem es normalerweise in Westerland ankommt.

Stefan Götze aus Westerland ist Fahrer für einen Sylter Fruchtgroßhändler und ist durch seinen Beruf schon oft mit dem Syltshuttle unterwegs gewesen: „Ich bin in den letzten Jahren bestimmt an die tausend Mal rüber gefahren, aber so ein Chaos habe ich bisher noch nicht erlebt.“ Nach dem Unfall wäre für die Wartenden erst einmal gar nicht klar gewesen, was überhaupt passiert sei: „Das war nervig – besonders natürlich für diejenigen, die Kinder dabei hatten.“ Von der Bahn hätte er sich eine bessere Informationspolitik gewünscht: „Es war alles sehr unorganisiert. Man hätte auf die Situation anders reagieren müssen.“

Auch Holger van Wahnem aus Hamburg ist mit dem Krisenmanagement der Bahn nicht ganz glücklich: „Uns wurde nur mitgeteilt, dass es sich um einen technischen Defekt handle und es nach 35 Minuten weitergehen soll. Nach Ablauf der Zeit wurden wieder 35 Minuten angesagt und das wieder und wieder.“ Irgendwann bekamen er und sein Beifahrer Hunger – trauten sich aber wegen der ungenauen Ansagen der Bahn kaum, aus dem Wagen zu steigen und sich etwas zum Essen zu kaufen. Nach sechs Stunden Wartezeit ging es für die beiden endlich Richtung Festland. Sein Fazit: „Die Stimmung war gereizt bis lustig.“

Der 19-jährige Tim Langmaack sah die Lage deutlich entspannter – vielleicht auch, weil er sich seinen Hamburger ganz unproblematisch von einem Kumpel zum Auto bringen ließ. Der Wenningstedter fährt immer sonntags von Sylt nach Kiel, um am Montagmorgen pünktlich bei seiner Konditoren-Lehrstelle auf der Matte zu stehen. „Andere Schicksalsgenossen ließen sich von Taxifahrern mit Fast Food versorgen. Ich bin mit einigen anderen später auch zu Fuß zur Tankstelle um die Ecke gegangen und wir haben uns DVDs und Chips geholt. Und mein Vater brachte mir noch eine Decke. Ohne laufenden Motor wurde es im Auto nämlich ganz schön kalt. So wurde es für mich sogar noch gemütlich“, erzählt er.

Neben netten Gesprächen mit den Mitreisenden erlebte er während seiner fünf Stunden Wartezeit auch die eine oder andere Anekdote: „In einem Auto saß ein Pärchen, das sich guten Mutes eine Flasche Wein gönnte. Sie prosteten sich fröhlich zu, wurden dabei allerdings von einem Mitreisenden gesehen, der die Polizei alarmierte. Der Mann, der am Steuer saß, musste pusten, konnte aber bei einem Promillewert von 0,1 nur verwarnt werden.“ Alles in allem sei der Abend doch recht amüsant gewesen, fand Tim, der nachts um zwei in Kiel ankam.

Ganz so lustig mag der Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt den Vorfall nicht bewerten: „Zum leider wiederholten Mal hat das Krisenmanagement beim Autozug am Sonntagabend nicht geklappt. So ein Rangierunfall kann natürlich immer passieren“, sagte Peter Schnittgard (CDU), „aber die Bahn muss noch dazulernen, vor allem ihre Informationspolitik verbessern und entsprechende Lehren aus solchen Ereignissen ziehen“. Noch für den Herbst kündigte Schnittgard eine Initiative an, um alle Verantwortlichen – auch aus der Sylter Tourismusbranche – an einen Tisch zu bekommen und bessere Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

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