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C.P. Hansen-Preis 2016 : Die Sölring-Sinn-Suche

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fast 200 Gäste kamen gestern zur Verleihung an Ute Farenburg. Viel Nachdenkliches zum Fortbestand der Sylter Sprache

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2016 | 05:30 Uhr

Mehr authentisches Sylt als bei der gestrigen Verleihung des C.P. Hansen-Preises im Muasem Hüs ist wohl selten auf der Insel zu erleben: Gäste in Tracht und Reden auf Sölring bestimmten das Programm. Doch anstelle von rückwärtsgewandter, volkstümelnder Gemütlichkeit setzten sich die Akteure im Rahmen der Feierstunde mit der aktuellen und schwierigen Situation der Sylter Sprache und Tradition auseinander, die beide immer mehr vom Aussterben bedroht sind. „Wir dürfen nicht auf Hilfe von außen warten“, warnte Inken Völpel-Krohn, Vorsitzende des Nordfriisk Institut, und beantwortete damit die Frage nach der Überlebenschance des Sölring auf Sylt.

Auch Maren Jessen, die Vorstandsvorsitzende des C.P. Hansen-Kuratoriums, verwies in ihrer Begrüßung auf die zunehmende Inhaltsleere bei der Verwendung des Begriffes „Sölring“. Dieser werde heute zunehmend kommerziell genutzt – bei vielen Insulanern und Zugereisten frage man sich, ob sie den Weg der Bewahrung dieses Sylter Schatzes überhaupt noch gehen wollten. Dieser Frage schloss sich auch die diesjährige Preisträgerin Ute Farenburg an: „Begreifen die Kinder, die ich unterrichte, Sölring überhaupt als ihre Sprache?“, formulierte sie in ihren Dankes-Worten.


Entscheidung für Sölring muss aus eigenem Willen entstehen
Den lebenden Beweis dafür, dass einige ihrer Schüler das Sylter Friesisch durchaus als ihre Sprache begreifen, brachte die spontane Gratulation auf Sölring von vier Grundschulkindern. Trotzdem ist Ute Farenburg sich nicht sicher, „dass nachfolgende Generationen den Staffelstab weitergeben werden“. Dass hierfür Eigen-Engagement gefragt sei, machte Inken Völpel-Krohn deutlich. In ihrem Vortrag erläuterte sie, dass auch von außen keine Lösungen kommen könnten und die Entscheidung, sich für das Sölring auf Sylt einzusetzen, aus dem eigenen Willen heraus entstehen müsse.

Diese Denkanstöße gaben der sehr gut besuchten Veranstaltung im Muasem Hüs die passende inhaltliche Tiefe, wird der C.P. Hansen-Preis doch seit 1960 an Menschen verliehen, die sich durch besondere Leistungen in Bezug auf Bewahrung der friesischen Sprache, Kultur, Brauchtum und Natur verdient gemacht haben. Und dazu gehört nach Ansicht des Kuratoriums auch Ute Farenburg. Zu Recht, wie die Laudatio von Hans Otto Meyer, ehemaliger Schulleiter der Sylter Hauptschule, und weitere zahlreiche Grußworte bis hin zur schriftlichen Gratulation des Bundestagsabgeordneten Ingberg Liebing, deutlich machten.

„Im Trachtentanz war sie gefürchtet“ schmunzelte ein Gast und fasste damit die enorme Durchsetzungskraft der seit Kindertagen auf Sylt lebenden Preisträgerin wohl im Sinne vieler Wegbegleiter zusammen. Dass diese Durchsetzungskraft bis heute funktioniert, beschrieb auch Heidi Holst als Leiterin der Trachtengruppe: Ute Farenburg hatte sich für die Preisverleihung einen Tanz zu dem Choral „Lobet den Herren“ gewünscht. Diese ungewöhnliche Kombination vom kirchlichem Liedgut und Volkstanz habe zunächst für einige Skepsis gesorgt, doch der Einsatz von Ute Fahrenburg selbst habe es schließlich möglich gemacht, die Darbietung im Rahmen der Preisverleihung aufzuführen. „Es ist uns eine Ehre, für Dich zu tanzen“ schloss Heidi Holst ihre Rede.

Ob als Leiterin der Trachtentanzgruppe, Vorsitzende des Brauchtumsausschusses der Söl’ring Foriining oder Sölring-Lehrerin für Kinder und Erwachsene – Preisträgerin Ute Farenburg setzt sich bis heute für den Erhalt der insularen Kultur ein. Zusammen mit der kritischen Auseinandersetzung über die aktuelle Sölring-Situation gehört dieses Engagement zu den tragenden Säulen, um die Sylter Sprache und Tradition vor dem Aussterben zu bewahren. 

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