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Felicitas und Ulrich Hoppe : Die Schriftstellerin und der Pfarrer – Geschwister auch im Glauben

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Was haben Büchnerpreisträgerin Felicitas Hoppe und Insel-Pfarrer Dr. Ulrich Hoppe gemeinsam? Zum einen das Elternhaus, zum anderen die Verwurzelung im katholischen Glauben. Über beides sprachen die Geschwister im katholischen Gemeindezentrum.

Nein, eine katholische Schriftstellerin sei seine Schwester nicht. Ein solches Etikett hält Insel-Pfarrer Dr. Ulrich Hoppe (45) für falsch und irreführend, da es ja auch keinen katholischen Bäcker gebe. Sie sei eine Schriftstellerin mit katholischem Glauben, den man in ihren Romanen durchaus wiederfinde. Wobei die Büchern seiner älteren Schwester Felicitas „Wirklichkeitsbeschreibungen und keine Lehrbücher“ seien, in denen es um die Grundmotive und Urformen des Erzählens gehe. Und Erzählungen seien nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Theologie von großer Bedeutung.

Die Bedeutung des katholischen Glaubens, der kirchlichen Rituale und Heiligen-Erzählungen für eine der wichtigsten deutschen Gegenwartsautorinnen, die für ihre fiktive Autobiografie „Hoppe“ 2012 den Büchner-Preis erhielt, war am Freitagabend eines der Hauptthemen des öffentlichen Gespräches zwischen den beiden in Hameln aufgewachsenen Geschwistern, für das Johannes Schröer als stellvertretender Chefredakteur vom Domradio Köln die Stichworte lieferte. Interessiert und bisweilen gebannt verfolgten die Zuhörer im bis auf den letzten Stuhl (und zwei eilends herbeigeholte Kirchenbänke) gefüllten Gemeindezentrum die mündlichen Erzählungen Felicitas Hoppes. Mit humorvollen Schilderungen ihrer Kindheit, Reisen und der Liebe zu märchenhaften Erzählungen präsentierte sie sich als unterhaltsame Erzählerin voller Fantasie, Tiefsinn und Selbstironie. Etwa, wenn sie lebhaft vom alljährlichen Krippenspiel der Familie berichtet, in dem sie am liebsten einer der Hirten war, „weil die immer vor den Königen kommen“, und den kleinen Bruder neckend fragt: „Ich weiß gar nicht, ob du jemals das Christuskind warst?“

So ähnlich sich die beiden Geschwister äußerlich wie auch in vielen Glaubensfragen zu sein scheinen, als Schriftstellerin pflegte Felicitas Hoppe einen undogmatischen Umgang mit ihrem Glauben, den der von ihr für seine reale Rolle als Hirte beneidete Bruder kaum teilen wird, der ihm aber dennoch zumeist ein leichtes Lächeln entlockt. Die Rollenverteilung ist klar: Der Eine folgt der Berufung Gottes Botschaft zu verkünden und die Menschen im Glauben zu führen, die Andere will Geschichten erzählen, die dem Leser gerne etwas mehr als Unterhaltung bieten.

Für beide Rollen war das Aufwachsen in einem katholisch geprägten Elternhaus mit regelmäßigen Kirchgängen offenbar der ideale Nährboden: „Wir wurden als Kind mit etwas konfrontiert, das wir oft nicht verstanden haben, das aber unsere Fantasie angeregt hat“, sagt Ulrich Hoppe und seine Schwester ergänzt: „Man sitzt als Kind Stunden in der Kirche ab, aber man nimmt keinen Schaden“. Zudem sei der Beichtstuhl für sie „eine schöne Erzählübung“ gewesen, bei der sie schon als Fünfjährige versucht habe, Sünden aus allen Bereichen bereitzustellen. Bei allem Humor und aller schriftstellerischer Distanz läuft Felicitas Hoppe nie die Gefahr, die Kirche oder den Glauben ins Lächerliche zu ziehen. So habe sie zwar schon sehr lange nicht mehr selbst gebeichtet, halte die Beichte wegen des Gefühls der Befreiung jedoch für „eine große Sache“. Auch Ulrich Hoppe bedauert, dass dieses Angebot heute nur noch selten frequentiert werde – zumal er durch seine Schwester „gut darauf vorbereitet“ sei. Spätestens da wird klar: Bei der Verbindung von Ernsthaftigkeit und feinem Humor kann der Pfarrer Hoppe der Schriftstellerin Hoppe durchaus das Wasser reichen.

Dass es zwischen den beiden auch kontrovers zugehen kann, zeigt sich, als Ulrich Hoppe die „mediale Zerstreuungsindustrie“ als größten Feind der kirchlichen Riten und Liturgie geißelt: „Wo kann heute noch ein Innenleben wachsen? Und wo ein Gefühl für die Bedeutung einer Mahlgemeinschaft entstehen, wenn kein geregeltes Familienleben stattfinden?“ Der schwesterliche Widerspruch kommt prompt: „Die Kirche hat doch angefangen, mit bunten Bildern zu arbeiten. Pomp und Posaune sind kirchliche Erfindungen – im Mittelalter war an Besinnung doch nicht zu denken.“

Wer vor diesem Abend an einem der von Kritikern hoch gelobten und preisgekrönten schriftlichen Werke von Felicitas Hoppe gescheitert war, der wird nach den höchst unterhaltsamen Erzählungen der Schriftstellerin und ihres Bruders mit Sicherheit einen erneuten Lese-Anlauf wagen. Und sei es nur, um sich auf Spurensuche zu begeben. Denn Spuren ihrer katholischen Sozialisation finden sich in ihren Büchern nach eigenem Bekunden zuhauf. „Viele erkennen sie nur nicht, weil sie damit nicht sehr vertraut sind.“

 

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erstellt am 06.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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