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Sylter Rundschau

19. August 2017 | 12:05 Uhr

Die Schnitzelkönige

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

„Gourmetfestival“ heißt es jedes Jahr im Januar auf Sylt. Auch bei den Köthes - allerdings ohne jemals eine dieser Veranstaltungen besucht zu haben. Ich gebe es ja zu: Daran bin eindeutig ICH Schuld, oder besser gesagt mein Gaumen und meine Geschmacksnerven. Ich liebe schlicht und ergreifend Hausmannskost. Während die Spitzenköche der Insel alljährlich feinste Kreationen auftischen und namhafte geladene Winzer edle Weine mit Worten wie „da schmeckt man den Steilhang“ oder „sehr würzig im Abgang“ ankündigen, bin ich schon mit Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und ´ner eisgekühlten Cola glücklich.

Allerdings gebe ich gerne zu, dass auch ich Essensbanause trotz fehlendem Gourmet-Gen Sylt mit leckerem Essen verbinde. Es geht doch nichts über einen stürmischen Tag, an dem man dick eingemummelt spazieren geht und irgendwo auf eine Tagesuppe oder einen Tageseintopf einkehrt. Beides könnte ich zu jeder Tageszeit essen. Morgens zum Frühstück ´ne leckere Gulaschsuppe und nachmittags zum Kaffee statt eines Stücks Marmorkuchen einen Linseneintopf. Oder Milchreis! Immer, wenn wir auf der Insel sind, essen wir irgendwo Milchreis. In Kiel würde ich nicht einmal auf die Idee kommen.

Ich mag beim Essen übrigens keine Überraschungen. Im Gegenteil. Ich empfinde es als regelrechte Strafe, wenn mich jemand mit einem Menü überraschen will. Schließlich habe ich Appetit auf etwas BESTIMMTES. Danach wähle ich dann auf Sylt die Restaurants aus - und Carsten muss sich wohl oder übel anschließen. Nein, Sie müssen ihn jetzt nicht bedauern. Einmal im Jahr darf er sich essenstechnisch nämlich „austoben“: mit einer sechsköpfigen Männerrunde an einem „Gourmet-Wochenende“ auf Sylt. Dann geht’s in den Söl’ringhof zu Johannes King, zu Alexandro Pape ins Fährhaus oder zu Sarah Henke ins Spices. Die kenne ich alle nur aus dem Fernsehen oder aus den Zeitungen. Wobei, stimmt gar nicht, Herrn King kenne ich auch so. Allerdings in Freizeitkleidung statt mit Kochschürze, weil er auch, wie wir, draußen in Morsum wohnt. Um es mal ganz aktuell zusagen: für Carsten gibt’s an diesen Wochenenden mehr Sterne als für den ein oder anderen RTL-Kandidaten bei einer Dschungelprüfung.

Es gibt bei uns aber glücklicherweise auch eine Essensgemeinsamkeit. Sie heißt Schnitzel. Schnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat, mit Sahnemöhren und Püree, Schnitzel mit Pommes und Salat. Egal in welcher Variation. Ein Schnitzel geht bei uns immer. Ich behaupte, wir haben schon fast alle Insel-Schnitzel probiert, von Hörnum bis nach List. An dieser Stelle möchte ich mich auch höflichst entschuldigen. Es gibt das ein oder andere Restaurant, in dem wir fast ausschließlich Schnitzel essen. Das ist extrem peinlich, wenn man dann in besagten Restaurants entweder den Gastwirt oder die Servicekraft kennt. Es erweckt immer ein wenig den Eindruck, dass uns dort nichts anderes schmeckt. Es ist aber genau anders herum: das Schnitzel schmeckt dort so lecker, dass es für uns völlig utopisch wäre, etwas anderes zu bestellen.

So, und jetzt muss ich Schluss machen. Mir läuft nämlich beim Schreiben das Wasser im Munde zusammen. Ich muss einen Tisch reservieren. Für heute. Zum Schnitzel essen.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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von
erstellt am 01.Feb.2014 | 00:31 Uhr

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