Hörnumer Odde : Die Ruhe vor dem Westwind

Winterspaziergänger an der Südspitze: Wie lange noch wird es die Odde geben?
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Winterspaziergänger an der Südspitze: Wie lange noch wird es die Odde geben?

Die Odde-Debatte geht weiter. Experten befürchten für den Winter weitere Stürme.

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04. Dezember 2014, 05:34 Uhr

Ist das die Ruhe vor dem Sturm? Seit der letzten schweren Sturmflut ist es auf der Insel und auch in den Medien still um die Odde geworden. Zuletzt waren Ende Oktober die Blicke auf das Sylter Sorgenkind gerichtet gewesen: Durch einen Artikel in der Sylter Rundschau wurden auch andere Medien auf das Thema aufmerksam. Der Sylter Geologe Ekkehard Klatt erklärte dort landesweit, warum aus seiner Sicht das Ende der Odde durch die dort neu gelagerten Tetrapoden deutlich beschleunigt wird. Für kurze Zeit erreichte das Thema so eine große Öffentlichkeit. Allerdings bedauere es Klatt, dass das Thema nicht im Bewusstsein der Bevölkerung bleibe. „Die Lage an der Odde ist momentan aufgrund des Ostwindes sehr entspannt“, erklärt er, „doch die Natur arbeitet in Zyklen und der Wind wird wieder drehen. Wenn wir einen stürmischen Winter bekommen, weiß keiner, was an der Odde passiert“, sagt Klatt, der in der Vergangenheit eindringlich vor der Umlagerung der Tetrapoden und der daraus entstehenden Lee-Erosion am Ende des Längswerks gewarnt hatte. Für ihn sei die beste Lösung ein hundertprozentiger Rückbau aller Tetrapoden, die auf der Sandfläche liegen (wir berichteten).

Ob es sinnvoll ist, dem schwindenden Südzipfel der Insel durch Maßnahmen wie dauerhafte Sandaufspülungen oder Tetrapoden Schutz zu gewähren, darüber streiten Experten und Bürger schon lange. „Dabei“, sagt Helge Jansen, Vorsitzender der Stiftung Küstenschutz auf Sylt, „sollte die Zeit der Diskussion eigentlich vorbei sein.“ Denn eine grundlegende, bereits vor sechs Jahren durchgeführte Untersuchung habe zum Umgang mit den Veränderungen an der Südspitze klare Position bezogen: „Natürliche Landverluste müssen wir dort hin nehmen“, betont er. Eine Insel im dauerhaften Wandel: „Anno 1762 war Sylt im Süden dort zu Ende, wo heute das Hörnumer „Hapimag“-Hotel steht. Durch Sandabtragungen an der Westküste der Insel wurden dann große Mengen an Sand nach Süden gespült. Heute aber wird der Weststrand der Hörnum-Odde wieder abgetragen – so führen die natürlichen Prozesse zu einer Verlagerung des südlichen Endes nach Südosten.“

Johannes Oelerich, Direktor des Landesbetriebs für Küstenschutz, gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken: „Einem solchen originären Wandel kann man selbst durch große Eingriffe kaum begegnen. Die Errichtung eines massiven Küstenschutzbauwerkes um die Odde herum wäre nicht nur eine Verschandelung der Landschaft, sondern auch extrem kostenintensiv. Angesichts der dort auftretenden Naturgewalten wäre es zudem kein Werk für die Ewigkeit.“

Helge Jansen sagt: „Manchmal stoßen wir eben an die Grenzen des menschlichen Könnens. Das südliche Ende der Insel Sylt wird sich weiterhin verändern. Es ist die Eigenart der Natur – doch wir Menschen nehmen dies mitunter kaum wahr.“

Der Odde und dem Schutz der Ortslage hatte sich 2008 eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Landesbetriebs für Küstenschutz gewidmet. Dabei bilanzierte die Arbeitsgruppe, dass die Odde „für den Hochwasserschutz der Ortslage Hörnum eine untergeordnete Bedeutung“ habe, sofern an der Westküste vor dem Ort auch künftig Sandvorspülungen durchgeführt werden.

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