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Die „Rote Rebellin“ gibt sich zahm und zögerlich

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bei ihrem ersten öffentliche Sylt-Auftritt präsentiert sich Gabriele Pauli als sehr abwägende Politikerin

von
erstellt am 21.Aug.2014 | 05:41 Uhr

Es war eine etwas reservierte Neugierde, die die gut 140 Besucher am Dienstagabend in den Keitumer Friesensaal trieben: Neugierde darauf, wie diese umstrittene Politikerin nun wirklich ist, die offenbar Ambitionen hat, Petra Reiber im Amt als Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt abzulösen. Weniger reserviert gaben sich die zahlreichen Medienvertreter, die aus ganz Deutschland ins beschauliche Keitum gekommen waren, um die bayerische Politikerin wie einen Popstar zu umkesseln – kaum, dass sie am Friesensaal aus dem Auto gestiegen war.

Und auch wenn Michael Stitz, Chefredakteur des sh:z Medienhauses Sylt und Moderator der Veranstaltung betonte, man besuche an diesem Abend eine Buchlesung, vielleicht einen „Abend der Klärung“, aber keine Wahlkampfveranstaltung, fragten sich Besucher und Reporter natürlich doch: Macht sie’s nun? Sagt sie nach mehreren Sylt-Besuchen in den vergangenen Monaten und unzähligen Interviews, in denen sie mit der Möglichkeit kokettierte, nun offiziell, dass sie kandidiert?

Nein – die 57-Jährige möchte mit ihrer Entscheidung noch bis zum September warten, will nach eigenem Bekunden die Insulaner und die speziellen Probleme Sylts noch besser kennen lernen, bevor sie sich endgültig auf die Insel festlegt. Auch in ihren sonstigen Statements gab sich Pauli auf der Bühne eher vorsichtig und zurückhaltend: wer auf provokante Thesen oder ein schillerndes Auftreten gehofft hatte, wurde enttäuscht.

Gabriele Pauli wirkte besonnen, zurückgenommen, trotzdem selbstbewusst und ließ in regelmäßigen Abständen Sätze fallen, die dann doch eher wie eine Bewerbungsrede als Bürgermeisterkandidatin klangen „Kommunalpolitik ist die schwierigste politische Ebene. Doch die Nähe zu den Bürgern ist als Bürgermeisterin wunderbar – die Bürger sind oft die bessern Experten als diese Bürokraten da oben“, so Pauli.

In einer Art Interview auf der Bühne mit Manfred Otzelberger, Redakteur beim People-Magazin Bunte, erzählte Gabriele Pauli, wie sie zur CSU gekommen sei – 1977, in einer Zeit also, in der andere Jugendliche eher „Kalaschnikows als Zimmerdeko“ aufgehangen hätten, „oder Che Guevara-Poster“ – und wie es damals nun genau war, als sie 2007 als „kleine Landrätin“ den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu Fall brachte. Einzelne Episoden aus ihrem Leben las Pauli dabei aus ihrem 2013 erschienenen autobiographischen Buch „Die Rote Rebellin“ vor.

Zumindest bei der darin beschriebenen Lebensgeschichte mag manchem Sylter Zuhörer Parallelen zur derzeit amtierenden Bürgermeisterin auffallen: Pauli wurde mit 32 zur jüngsten Landrätin Deutschlands gewählt, von der Presse sofort mit dem Titel „die schöne Landrätin“ bedacht, musste sich Respekt in einer großen Verwaltung erkämpfen und gleichzeitig eine kleine Tochter groß ziehen.

Vor allem interessierte Moderator Michael Stitz und das Publikum natürlich, was die Münchnerin denn nun von der Insel hält und wie sie die speziellen Sylter Probleme bekämpfen würde, sollte sie denn wirklich Bürgermeisterin werden. Während Pauli Fragen zu konkreten Maßnahmen eher ausweichend beantwortete, stellte sie immer wieder ihre Qualifikationen als mögliche Sylter Bürgermeisterin heraus: Wie gut und familienfreundlich sie eine riesige Verwaltung führen könnte, wie viel Erfahrung sie im Haushalten habe und wie effektiv sie ihre Verbindungen zu den Medien zum Wohle Sylts nutzen könne. Auf die Frage, ob sie das Gefühl habe, die Insel sei ihr wohlgesonnen, antwortete sie: „Mir hat hier nie jemand gesagt, ich sollte nicht kandidieren. Auch wenn mir bewusst ist, welche Vorbehalte einige Sylter gegen eine ortsfremde Kandidatin haben, weiß ich doch, dass aus Fremden auf Sylt schnell Mitinsulaner werden.“

So weit, also bis zur insularen Einbürgerung, würden die allermeisten Besucher nach ihrer ersten Begegnung mit Pauli wahrscheinlich (noch) nicht gehen. Extrem kritische Stimmen waren nach der Lesung allerdings auch nicht zu hören. Dem einen oder anderen war die Vorstellung zu dünn, mancher vermutete hinter dem plötzlichen Interesse am Bürgermeisteramt PR-Kalkül – doch fachlich, hieß es immer wieder, wäre sie wohl schon in der Lage, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt zu sein. Ob sie es wirklich werden will, wird die Insel wohl in ein paar Wochen erfahren. Und dann hat Sylt noch ein paar Monate Zeit, sich zu entscheiden, ob Gabriele Pauli als Mitinsulanerin erwünscht ist oder nicht.

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