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Sylter Rundschau

19. August 2017 | 14:08 Uhr

Sylter Häfen : Die Nase ganz weit oben

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im letzten Teil unserer Serie „Sylter Häfen“ stellen wir den Lister Hafen vor

Oft gerät in Vergessenheit, dass die Insel auch heute nicht nur über den Hindenburgdamm zu erreichen ist: In unserer Serie „Sylter Häfen“ präsentieren wir die vier Häfen der Insel und beschreiben, welche Bedeutung sie früher hatten und welche Rolle sie heute spielen.

Der Lister Hafen hat eine bewegte Geschichte. Bereits im Mittelalter war List eine bedeutende Station auf dem Handelsweg nach England. Nachdem sich die Handelsrouten veränderten, verlor der Lister Hafen erstmal an Bedeutung. In beiden Weltkriegen wurde der Hafen teilweise militärisch genutzt. „Der Hafen in seiner heutigen Form ist 1935 gebaut worden, um für Torpedo-Boote einen Hafen zu haben“, erklärt Boris Ziegler, Tourismusdirektor der Gemeinde List. Die Landseite des Hafens ist von 2003 bis 2004 aufwendig umgestaltet worden. Heute zählen zum Hafengebiet das Hafenbecken, die Fähranlage, die Slipbahn, die Molenplätze, das Hafenamt, der Hafenplatz mit den verschiedenen Gastronomen, das Stationsgebäude der Seenotretter und das Naturgewaltenzentrum. Zum 725 jährigen Jubiläum Lists steht in diesem Jahr ein 35 Meter hohes Riesenrad im Hafen. Zwischen sechs und zehn Mal im Jahr kommen außerdem große Kreuzfahrtschiffe nach List. Aufgrund dessen, dass man lediglich mit einem maximalen Tiefgang von 6,20 Meter in den Lister Hafen gelangen kann, müssen die Passagiere ausgebootet werden. Zwar ist das Hafenbecken mit 20 Metern wesentlich tiefer, man muss aber an einer sehr seichten Stelle vorbei, um in den Hafen zu gelangen.

Durch die vielen verschiedenen Betriebe ist der Lister Hafen auch heute noch ein wichtiger Arbeitgeber. Zwar gibt es heute keine Fischerei mehr, durch den Fährbetrieb, die Gastronomie, die Händler in der „Alten Tonnenhalle“ und die Souvenir-Shops spielt der Hafen aber für Arbeitnehmer immer noch eine große Rolle.

Tourismusdirektor Ziegler kennt einige Anekdoten, die man sich bis heute erzählt. Dort, wo heute die „Alte Tonnenhalle“ Geschäfte beherbergt, habe früher einmal eine Halle gestanden, in der im Winter die Tonnen – die Markierungen der Wasserstraßen – aufbewahrt wurden. Im Sommer hatten dort verschiedene Künstler ihr Atelier. Wenn sie die Miete einmal nicht bezahlen konnten, sollen sie die Vermieter einfach mit Bildern bezahlt haben, berichtet Ziegler.

Die Geschichte des Lister Hafens ist untrennbar mit der Erfolgsgeschichte von Jürgen Gosch verbunden. Der Maurer begann 1967, mit einem Bauchladen am Lister Strand Aal zu verkaufen und entwickelte daraus ein großes Gastronomieunternehmen mit vielen Filialen in ganz Deutschland.

Ebenfalls eng verwoben mit dem Lister Hafen ist Gret Palucca. Die Ausdruckstänzerin der 20er Jahre verbrachte viele ihrer Sommerurlaube auf Sylt und wohnte auch kurzzeitig dort. Nachdem sie einem Fischer geholfen hat, habe dieser seinen Kutter zum Dank nach ihr benannt, berichtet Ziegler. Auch heute noch heißt ein Ausflugsschiff der Adler-Reederei Gret Palucca. Auf dem Hafenplatz findet man außerdem das Wolfgang-von-Gronau-Denkmal. Der Luftfahrtpionier startete im Juli 1932 von List aus seine Weltumrundung mit dem zweimotorigen Wasserflugzeug Dornier-Wal. Von Gronau war zu dieser Zeit Direktor der Deutschen Verkehrsfliegerschule in List. Entgegen dem ausdrücklichen Verbot seiner Vorgesetzten führte der Seeflieger und Generalmajor zwei Jahre zuvor seinen ersten Testflug über den Atlantik durch.

Auch heute herrscht im Lister Hafen ein reges Treiben. Wenn nicht gerade Filme wie „Ghostwriter“ oder eine weitere Folge von „Nord Nord Mord“ im Hafen gedreht werden, können Besucher an verschiedenen Ausflugsfahrten wie den Austerntouren, speziellen Piratenfahrten oder Makrelenangeltouren teilnehmen. Außerdem kann man im Lister Hafen heiraten, unter anderem auf der Gret Palucca. Wer seine Liebe nur manifestieren möchte, kann an der dafür vorgesehenen Stelle ein Liebesschloss anbringen.

Die 37 aktiven Mitglieder des „Lister Yacht Club e. V.“ profitieren davon, dass der Lister Hafen nicht von den Gezeiten abhängig ist. Das frisch renovierte Clubhaus ist der ganze Stolz des Vereins, berichtet der Vorsitzende Norbert Schmid.

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erstellt am 10.Jun.2017 | 05:49 Uhr

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