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Serie "Rettet das Sölring" : Die Namen der Sylter Heringsfischer

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Steuerregister von 1513 gibt Aufschluss über Sylter Beteiligung am Heringsfang vor Helgoland - 40 Boote kamen demnach von der Insel.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2015 | 05:15 Uhr

Das gesamte Jahr steht für die Sylter Rundschau unter dem Motto „Rettet das Sölring!“ Neben Sprichwörtern werden auch Kultur und Brauchtum der Insel vorgestellt. Auf Sölring berichtete der Sylter Lehrer Hermann Schmidt (1901 – 1979) über die ungewöhnlichen Namen der Sylter Heringsfischer.

Reichtum brachten unsere Vorfahren im 16. Jahrhundert laut Hermann Schmidt nicht nach Sylt mit dem Heringsfang vor Helgoland; dort fischten zu der Zeit 2000 Menschen auch aus anderen Gebieten des Landes. Der geringe Verdienst und der Vorrat an Fischen waren jedoch überlebenswichtig für einen Teil der Sylter Inselbevölkerung. Die Fischer waren stets froh, ihre Angehörigen wohlauf vorzufinden, wenn sie heimkamen, denn noch immer machten Seeräuber das Meer und auch die Küsten unsicher.
Das Steuerregister (Remengeld-Register) von 1513 gibt Aufschluss über die Beteiligung unserer Vorfahren am Heringsfang vor Helgoland. Demnach hatte jeder Bootseigentümer nach einem Einheitssatz von einem Schilling pro „Remen“ für jeden Ruderer im Boot entsprechend zu zahlen. In der alten Steuerliste sind 40 Boote von Sylt aufgeführt in denen eine Mindestbesatzung von 280 Mann beschäftigt war. Man geht davon aus, dass alle Ruderer auf Sylt beheimatet waren. Das alte Steuer-Register von Helgoland ist aber zudem für die Darstellung der alten Familiennamen der Insel ein wichtiges Dokument.

Die Schreibweise der Namen der 40 Bootseigentümer von Sylt klingt heute fremd in unseren Ohren: Peter Bleykß, Hans Dreweß, Gungy Ssymenß, Mychel Randers, Nikels Ssonneken, Knuth Inghe, Boo Esberß, Nikels Tues, Jens Tammgß, Knuth Ssudens oder Siverdes, Swen Esberß, Poo Ssonneken, Jens Hederinges, Ove Bleyckß, Reyneke Boyken, Nikels Atßsens, Poo Laurenß, Rinck Oven, Tede Wagens, Boyke Poon, Nikels Bohon, Peter Anderß, Nikels Steffens, Peter Knutß, Jelleff Jappen, Bleyke Knutß, Tammes Boyken, Fulck Tugghen, Jens Bohonn, Tadcke Ponn, Tamme Oben, Szeverin Yss, Vedder Clawess, Peter Nyss, Erek Jurgen, Oveke Jenß, Thomas Jens, Bungy Knutß, Tede Ingen, Jens Peterß.
Diese Namen muten eigenartig an und die Schreibkunst der damaligen Steuerlisten-Schreiber war auch zumeist dürftig. Etwa 100 Jahre später klangen diese Namen bereits anders und einige verschwanden ganz, etwa durch die patronymische Namensgebung (Vorname des Vaters wird zum Nach- oder Stammnamen des Sohnes) und den Ausfall, falls nur Töchter geboren wurden. In den folgenden Jahrhunderten konnten sich zum Beispiel Namen wie Bleycks, später Bleicks und Bleicken, Esberß, später Espersen und Bohonn, später Buun und dann Bohn halten. Aus Anderß wurde Andersen und Andresen, aus Knutß wurde Knudsen und Knutzen, aus Clawess wurde Clausen und aus Jenß wurde Jensen. Das Geschlecht der Oben, im Steuerregister von 1513 durch Tamme Oben vertreten, lässt sich durch die Jahrhunderte bis zum Erlöschen bis 1903 verfolgen. Diese Familie lebte hauptsächlich in Tinnum und viele Mitglieder sind urkundlich erfasst. Von einem 1613 genannten Tam Oben weiß man, dass er in Tinnum wohnte und 13 Hektar Nutzland bewirtschaftete; ob er zur See gefahren war und Fischfang betrieben hat, wie sein Vorfahre, der 100 Jahre vor ihm lebte, ist nicht bekannt. Auch der im Jahre 1709 erwähnte Tam Oben war kein Seefahrer mehr, denn es heißt ausdrücklich, dass er „außer dem Ackerbau keine Nahrung hatte,“ obwohl gerade in dieser Zeit der um 1614 einsetzende Walfang für Sylt die größte Bedeutung hatte. Alle anderen Namen der im Remen-Register von 1513 aufgeführten Fischer bleiben laut Hermann Schmidt im Dunkeln, denn zwischen 1500 und 1600 sind die Überlieferungen zur Familiengeschichte unserer Insel nur spärlich.
Als Bootsbesatzung hatten sie jedoch alle kein leichtes Los und kämpften mit behelfsmäßigen Segeln und zum Teil kümmerlichen Booten in der stürmischen Nordsee mutig um den Lebensunterhalt für ihre Familien.


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