Kundgebung auf Sylt : Die Linke will „Kampen kapern“

Zu schmale Bürgersteige für eine Kundgebung? Ob die Linke wirklich am Strönwai demonstrieren wird, ist noch unklar.
Die Linke will im Strönwai in Kampen demonstrieren.

Die Linke ruft zur Demo am legendären Kampener Strönwai auf. Die Gemeinde sieht den Standort an der Whiskeymeile kritisch.

shz.de von
20. Juni 2014, 17:00 Uhr

Kampen | „Kampen kapern“ – unter diesem Motto ruft die Partei Die Linke am Sonnabend, 12. Juli, ab 14 Uhr zu einer Kundgebung in Kampen auf. Dort möchte die Partei, die in der Kommunalpolitik der Insel nicht in Erscheinung tritt, ihren Forderungen nach Millionärssteuer, Vermögensabgabe und allgemeiner Steuergerechtigkeit Nachdruck verschaffen.

„Für die vermögende Klasse ist die Steuerpolitik in Deutschland seit Jahren ein einziges Fest. Wir wollen mal direkt vor Ort daran erinnern, dass diese Party ihren Preis hat“, erklärt der Landessprecher der Linken, Jens Schulz, den geplanten Veranstaltungsort. In verschiedenen Redebeiträgen soll verdeutlicht werden, „wie sich Deutschland zunehmend in Arm und Reich spaltet. Ein Umstand, der an den Sylter Verhältnisses nahezu idealtypisch beobachtet werden kann“, heißt es in einer Mitteilung der Linken weiter. Die Partei plant, diese Kundgebung an der Hauptstraße, Ecke Strönwai, abzuhalten – also im Herzen Kampens und direkt an der berühmten Whiskeymeile. Das sieht Steffi Böhm, Bürgermeisterin der Gemeinde, so noch nicht: „An dieser Ecke ist unser Bürgersteig einen Meter breit – das geht nicht. Und die angrenzenden Flächen sind Privatgrundstück.“ Sollte die Linke dort demonstrieren wollen, müsste sie sich das Okay des dort ansässigen Juweliers holen.

Momentan spreche sich die Gemeinde mit der Kommunalaufsicht ab, wo die Kundgebung im Inselort über die Bühne gehen könnte, sagte Böhm: „Wir haben zwei Orte angeboten: Zum einen den Innenhof des Kaamp-Hüs’, zum anderen den Dorfpark.“ Zentralere Standorte hält Böhm tendenziell für schwierig: „Es ist ein Sonnabend mitten in der Hauptsaison und wir leben hier alle vom Tourismus.“ Deshalb könnte die Gemeinde auch nicht so einfach ein paar Parkplätze für die Linke absperren oder eine Kundgebung direkt an der viel befahrenen Landesstraße 24 gut heißen. An welcher Stelle die Partei ihren Plan umsetzten kann, „noch mehr vermögende Kampener“ davon zu überzeugen, „mehr Steuern“ zahlen zu wollen, „um die Schieflage in diesem Land zu beheben“, ist also noch offen. Demonstrationen oder Kundgebungen, die auf dem Festland organisiert und auf der Insel veranstaltet worden, hat es in den vergangenen Jahren auf Sylt nicht gegeben. Viele Insulaner erinnern sich lediglich an die Hamburger Autonomen, die 1995 frei nach dem Motto „Sylt für alle, sonst gibt’s Krawalle“ per Bahn anreisten und nach Randalen in Keitum auf die Westerländer Polizeiwache abtransportiert worden.

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