Drogenfund auf Sylt : „Die Leute fragen mich, ob ich im Knast sitze“

Der Trockenbau-Unternehmer ist verstört.
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Der Trockenbau-Unternehmer ist verstört.

Martin Sarnowski verlieh sein Auto – und erlangte beim größten Drogendeal der letzten Jahre zweifelhafte Berühmtheit.

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29. Mai 2015, 19:30 Uhr

Seinen Wagen, seine Aufträge, seinen Ruf – all das, sagt Martin Sarnowski, habe er vergangene Woche verloren. Und „diese ganze Scheiße“ sei nur passiert, beklagt er, weil er netterweise sein Auto verliehen habe.

Sarnowski betreibt das Trockenbau-Unternehmen ARD-Bau. Sein Bus, mit dem Aufdruck seiner Firma, erlangte am vergangenen Donnerstag zweifelhafte Berühmtheit, weil die Polizei den Wagen in einem spektakulären Einsatz an der Autoverladung in Westerland anhielt und zwei Männer festnahm. In den Wohnungen der beiden fanden sie insgesamt vier Kilogramm Marihuana, 250 Gramm Amphetamine und mehr als zwei Kilo Kokain (wir berichteten).

Sarnowski sagt, der eine der Tatverdächtigen sei ein Kollege von ihm, man kenne sich auch aus gemeinsamen Türsteher-Zeiten. Dieser Kollege hätte sich kürzlich als Tischler selbstständig gemacht und ihn gebeten, ihm doch für ein paar Stunden seinen Transporter zu leihen, damit er günstig Holz auf dem Festland einkaufen könne. Sarnowski stimmte zu – doch dann habe er den Kollegen auf einmal nicht erreichen können, auch der Wagen tauchte nicht mehr auf. „Und am nächsten Tag, als man das Foto mit der Festnahme vor meinem Transporter in der Zeitung und im Internet sehen konnte, klingelt ständig mein Handy.“

„ Bist Du jetzt im Knast?“ hätten ihn Bekannte gefragt, und auf was für Sachen er sich denn da eingelassen habe, dass das Sondereinsatzkommando wegen ihm auf die Insel käme. Dabei, beteuert der 37-jährige Vater zweier Kinder, habe er mit der ganzen Drogengeschichte überhaupt nichts zu tun. Und dass sein Kollege in irgendwelche krummen Sachen verwickelt sein könnte, habe er auch nicht geahnt. Der sei am Freitag auch wieder auf freiem Fuß gewesen und hätte sich bei ihm für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. „Der ist ein richtig guter Tischler – keine Ahnung, warum der solche Sachen macht.“

Seinen Transporter habe er seitdem nicht wieder gesehen, der werde wohl noch von der Polizei in Flensburg untersucht. „Die Polizei hat sich nie bei mir gemeldet – die haben mein Auto, aber sagen mir das gar nicht“, beklagt der gebürtige Pole. Allerdings ist das nur eines seiner Probleme: „Ich habe jetzt schon zwei Baustellen verloren, weil mich Menschen mit dieser Geschichte in Verbindung bringen. Und mein Handy klingelt seit Tagen nicht mehr, ich kriege keine neuen Aufträge.“ Wenn er mit seiner Frau einkaufen gehe, würden sie komisch angeguckt, seine Kinder müssten sich in der Schule Sprüche anhören. „Sie kennen ja diese kleine Insel“. Er plant nun, sein Unternehmen unter anderem Namen neu zu gründen: „Sonst kriegen die Leute das mit den Drogen nie aus dem Kopf“.

Die Staatsanwaltschaft Flensburg bestätigt, dass die beiden Tatverdächtigen auf freiem Fuß sind. Zu Sarnowskis Wagen könne man zum derzeitigen Stand der Ermittlungen nichts sagen.

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