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Autozug Westerland-Niebüll : Die Kuppel-Probleme des „Flirt-Express“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Testfahrt der neuen Triebwagen der Deutschen Bahn löst Gerüchte über Gleis-Neubau in Westerland aus.

Ein „Flirt-Express“ am Westerländer Bahnhof? Ob es sich bei der Leuchtschrift dieses vergangene Woche fotografierten Triebwagens lediglich um die Laune eines verliebten Lokführers handelte oder ob damit bereits ein partnerschaftliches Nebeneinander der beiden Autozug-Konkurrenten RDC und Deutscher Bahn angedeutet wird, ist nicht bekannt.

Viel interessanter ist jedoch ist die Sichtung des neuen Triebwagens an sich – und sein Standort: Kurz nachdem die Sylter Rundschau vergangene Woche über die neuen Lokomotiven und Waggons berichtet hatte, die ab Dezember mit den Autozügen der Kontrahenten DB und RDC zwischen der Insel und dem Festland fahren sollen, wurde der Triebwagen ausgerechnet an Gleis 5 des Bahnhofs gesichtet. Dies beflügelte unter Bahn-Beobachtern umgehend neue Diskussionen über mögliche Probleme bei der Umsetzung des „Tricks“, mit dem es der Bahn gelungen ist, den Löwenanteil von Trassen zu erhalten. Denn die neuen Triebwagen müssen künftig in Westerland an den Sylt Shuttle angekuppelt und in Niebüll wieder abgekuppelt werden, um dann als kurze Personenzüge über Haltepunkte wie Bredstedt, Heide oder Itzehoe teilweise sogar bis nach Hamburg-Altona zu fahren (wir berichteten).

Bahnexperten befürchten, dass allein das Rangieren der „Sylt Shuttle plus“ genannten Personenwagen an den Autozug jeweils zehn bis 15 Minuten dauert, insgesamt könne sich dadurch die Fahrzeit von Niebüll bis Westerland auf 55 bis 70 Minuten verlängern. Das hieße: Auch mit der jeweils späteren NOB kämen Reisende immer noch früher an, und müssten keine Extra-Fahrkarte des Fernverkehrs bezahlen. Wo genau die Fahrgäste ein- und aussteigen, ist nach wie vor unklar: An Gleis 4, teilte vergangene Woche die Bahn mit. Es könnte aber auch ein neuer Zustieg an Gleis 5 geschaffen werden, vermuten Insider – dort also, wo der „Flirt-Express“vergangene Woche gesichtet wurde. Auf Nachfrage der Sylter Rundschau wollte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis zu diesem Zeitpunkt nichts zum möglichen Gleis-Neubau sagen.

Das Rangieren der Personen-Autozüge könnte außerdem dazu führen, dass der zweiteilige Triebwagen zurück bis zum Bahnübergang Königskamp fahren müsste. Das würde nicht nur Zeit kosten, sondern hätte zur Folge, dass die Schranken dort noch häufiger und länger geschlossen sind als bisher.

Während sich die Insulaner Sorgen um ein mögliches Zug-Chaos machen, kämpft Bahnkonkurrent RDC nun doch noch um weitere Fahrten. Das Unternehmen hatte bei der Trassenvergabe den Kürzeren gezogen und darf ab Mitte Dezember in der Woche nur sechs Mal pro Tag und Richtung fahren, an den Wochenenden acht Mal je Tag und Richtung. Da nun aber eigentlich bestellte Trassen für den Nahverkehr, also für die NOB, nicht genutzt würden, versuche sein Unternehmen, diese rund 30 Fahrten pro Woche für sich zu gewinnen, sagte RDC-Geschäftsführer Carsten Carstensen gegenüber unserer Zeitung. Ob das Unternehmen diese Zusatzfahrten erhalten darf, prüft momentan die Bundesnetzagentur.

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erstellt am 12.Okt.2015 | 05:41 Uhr

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