Tourismus auf Sylt : Die Insel ist bei Gästen beliebter denn je

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2017 war ein Rekordjahr für den Sylter Tourismus: 7,1 Millionen Übernachtungen verzeichnete die Insel, so viele wie nie zuvor.

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19. Mai 2018, 06:00 Uhr

Moritz Luft kennt sich mit Zahlen aus. Jedes Jahr im Frühling erwartet der Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) mit Spannung die Gäste- und Übernachtungszahlen des Vorjahres, die ihm die Tourismus-Services der fünf Inselgemeinden zur Verfügung stellen. Und wo der Laie vielleicht nur eine Aneinanderreihung von Ziffern erkennt, erzählen sie dem Marketingexperten ganze Geschichten.

In diesem Jahr, als ihm endlich alle Zahlen schwarz auf weiß vorlagen, hatte Moritz Luft Grund zur Freude: 7,1 Millionen Übernachtungen verzeichnete die Insel im Jahr 2017, fast 200 000 mehr als im Vorjahr. Insgesamt kamen 952 000 Gäste, 2016 waren es 938 000. Mehr als je zuvor. Der Anstieg der Urlauber sei natürlich Grund zur Freude, sagt er. Doch noch mehr freue er sich über ihre Urlaubsdauer. „Die Insel hat es nach langer Zeit wieder geschafft, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer um 0,07 Tage nach oben ging“, berichtet er.

Dafür, dass 2017 so erfolgreich war, gebe es gleich eine Reihe von Gründen: „Wir hatten vergleichsweise späte Feiertage, es gab die geopolitischen Spannungen, die Konjunktur war super, Air Berlin ist noch geflogen und viele Gäste wussten noch nicht, dass es relativ starke Beeinträchtigungen bei der Bahn gibt.“ Die Spitze sei so im vergangenen Jahr erreicht worden, ausruhen dürfe man sich allerdings nicht auf ihr. Denn auch, wenn die Insel nach wie vor eine Top Urlaubsdestination ist, müssten weiterhin gebündelte Maßnahmen getroffen werden, damit sie es auch bleibt. „In diesem Jahr hat sich vieles verändert“, sagt Moritz Luft. „Es gibt neue Airlines, viele Urlauber möchten wieder in die Türkei, nach Tunesien oder Ägypten reisen und gerade für Kurzaufenthalte ist die derzeit unverlässliche Bahnanreise wirklich problematisch.“ Ein Norddeutscher würde es sich bei dem gegenwärtigen Anreiseprozedere eher zweimal überlegen, ob er für ein Wochenende mit dem Zug auf die Insel kommt. „Alles in allem können wir also froh sein, wenn wir das Niveau von 2017 in diesem Jahr halten können“, glaubt der Marketing-Chef.

Einen weiteren Grund zur Freude hat Moritz Luft, wenn er sich die Zahlen von Gästen und Übernachtungen während der Vor- und Nachsaison im vergangenen Jahr ansieht. „Trotz der späten Feiertage und der dadurch höheren Konzentration auf das Sommerhalbjahr, ist der Anteil der Anreise und Übernachtungen in der Vor- und Nachsaison weiterhin bei über 30 Prozent.“ Das subjektive Empfinden vieler Sylter, die Insel würde gerade in den Sommermonaten immer voller, könnten die Zahlen entkräften. 2017 gab es im August sogar weniger Übernachtungen als in 2016 – dafür werde die Insel in der Nebensaison aber immer beliebter. Auch in den kommenden Jahren will die SMG einen Fokus auf die Nebensaison legen. Pläne gibt es schon: Ende Oktober 2019 soll der erste „Megamarsch“ stattfinden, bei dem die Teilnehmer 100 Kilometer in 24 Stunden um die Insel laufen. Auch die beliebten Familienwochen sollen stärker dazu beitragen, die Insel auch abseits der Saison attraktiv zu machen. Außerdem werde an dem Konzept Weihnachtsinsel Sylt weitergearbeitet. „Das sind in der Statistik am Ende vielleicht nur kleine Prozentpunkte - aber Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist“, betont Luft.

Eine Zahl unter den vielen auf Moritz Luft Tabelle ist besonders markant: Über 97 Prozent der Sylt-Urlauber im vergangenen Jahr kamen aus Deutschland. Doch künftig sollen auch zwei neue, nicht-deutsche Märkte erschlossen werden: „In der Schweiz wagen wir uns jetzt auch in den französischsprachigen Teil vor“, berichtet er. „Wir haben Anfang des Jahres eine französische Imagebroschüre herausgegeben und auch die Flughäfen Bern und Basel sind aus der französischen Schweiz gut erreichbar.“ Außerdem soll Dänemark in diesem Jahr noch zum Schwerpunkt werden. Denn bei unseren Nachbarn im Norden wird die Insel immer beliebter: Über neun Prozent mehr Gäste als in 2016 haben sich 2017 für eine Reise nach Sylt entschieden. „Wir möchten unter anderem gerne mit Skagen, der nördlichsten Stadt des Landes, eine Kooperation in Gang zu setzen“, berichtet Luft und verweist auch auf den Anstieg weiterer der Gäste aus dem Süden: „Die Österreicher bleiben aufgrund der Entfernung länger auf der Insel als die Dänen. Außerdem gibt es eine gute Via-Verbindungen. Man kann über Düsseldorf und München von Wien fliegen, Klagenfurt und Salzburg sind auch gut erreichbar“, sagt er und prognostiziert gleich darauf: „Eigentlich müsste es bereits jetzt genügend Nachfragepotential für eine Direktverbindung von Wien geben.“


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