C.-P.-Hansen-Preis : Die Hüterin des Sölring

Maren Jessen (li.), Vorsitzende des C.P. Hansen Kuratoriums, gratuliert Renate Schneider.
Maren Jessen (li.), Vorsitzende des C.P. Hansen Kuratoriums, gratuliert Renate Schneider.

Renate Schneider wurde im Keitumer Friesensaal für ihre Verdienste um die Sylter Sprache mit dem C.P.-Hansen-Preis geehrt

shz.de von
08. Dezember 2014, 05:57 Uhr

Der Friesensaal in Keitum machte am Sonntagmittag seinem Namen alle Ehre: nach der musikalischen Begrüßung durch die Big Band der Musikschule Sylt folgten Grußworte auf Sölring, die „Jungensdrachten“ tanzten in traditionellen Kostümen und Schüler des Gymnasium Sylt zeigten ein szenisches Spiel nach C.P. Hansen.

Maren Jessen, Vorsitzende des C.P.-Hansen-Kuratoriums, begründete die Preisverleihung: „Wir haben uns in diesem Jahr für Renate Schneider entschieden, um ihren kontinuierlichen Einsatz für den Erhalt des Sölring durch Öffentlichkeitsarbeit für die Sprache im Kulturbereich der Insel und des Festlandes zu würdigen.“ Weiterhin regte sie an, dass die Friesen das beharrliche Festhalten an einigen Werten überdenken sollten: “Die Wiege der Großeltern muss nicht in den Sylter Dünen gestanden haben. Als Friese muss heute auch gelten dürfen, der sich mit Geschichtsbewusstsein und Enthusiasmus für den Erhalt des Brauchtum und des Sölring einsetzt.“ Diese Aussage wurde von den mehr als 150 Festgästen offensichtlich mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

In ihrer Laudatio lobte die Kunsthistorikerin Dr. Maria Gesine Thies den lange währenden, kontinuierlichen Einsatz von Renate Schneider für die friesische Kultur bis ins heutige Internetzeitalter hinein: „ie ist der lebende Beweis dafür, dass Sölring und Sylt über Generationen untrennbar miteinander verbunden sind.“

Die Preisträgerin begann ihre Dankesrede in friesischer Sprache. Ein kurzer Schock für alle, die dem einheimischen „Snak“ nicht mächtig sind, dann ging es jedoch auf Hochdeutsch weiter. „Liebe Sylter, legt Eure Scheu ab und wagt wieder Sölring zu sprechen. Habt Mut, denn stirbt unsere Sprache, stirbt auch ein großes Stück Identität unserer Insel, das dürfen wir nicht zulassen.“ Die Sylter Courage für die eigene Sprache herauszufordern, das war der 65-jährigen Vollblutfriesin ein wichtiges Anliegen in ihrer Ansprache.

Renate Schneider ist mit dem Sylter Friesisch groß geworden, echtes Hochdeutsch lernt sie erst in der Schule. Aber nicht nur mit der Sprache, auch mit der Sylter Geschichte und seinen Traditionen ist sie seit frühester Kindheit vertraut; ihre Mutter führt lange Jahre Gäste durch das Sylter Heimatmuseum. Als junge Frau macht sie eine Lehre als Handweberin, ein Beruf, der dem Friesentum durch alte Überlieferungen sehr nah ist. Nach einem Ausflug ins Fach der Hauswirtschafterin auf dem Festland bekommt sie 2001 wieder Inselboden unter die Füße und engagiert sich zehn Jahre bei der Söl’ring Foriining. Unter anderem führt sie wie einst ihre Mutter Gäste durch das Heimatmuseum, gern auch in friesischer Sprache.

Ohne ein Engagement für die Inselsprache wird es Renate Schneider offensichtlich langweilig. So lehrt sie heute noch einmal im Monat Friesisch für Erwachsene, schreibt wöchentlich die Kolumne „Harki jens tö“ für die Sylter Rundschau und ist sogar im Radio über den „Friisk Funk“ in Alkersum zu hören. Für die Zukunft plant sie ein zweisprachiges Buch, denn „viele Touristen fragen immer wieder, ob es nichts in Friesisch-Deutsch gibt“. So möchte sie bald einige ihrer friesischen Geschichten “zweisprachig“ auflegen. Sylt kann sicher sein: für den Erhalt des Sölring ist dank Renate Schneider vorerst gesorgt.


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