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Bahn-Chaos : „Die Hoffnung stirbt zuletzt“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

DB Regio übernimmt am Sonntag die Marschbahn und verspricht den gebeutelten Sylt-Pendlern einen Verkehr nach Fahrplan.

Die DB Regio Schleswig-Holstein will ab Sonntag alles besser machen: In der überwiegend von Pendlern besuchten Mensa der Niebüller Friedrich-Paulsen-Schule informierte eine hochkarätige DB-Management-Korona über die Planungen für die Übernahme der Marschbahn. Bürgermeister Wilfried Bockholt hatte eingangs die Richtung vorgegeben: „Es muss vernünftig laufen!“

Manuela Herbort, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Hamburg und Schleswig-Holstein, nahm zunächst viel Dampf aus dem Kessel, indem sie bekannte: „Wir haben uns das auch alles anders vorgestellt.“ Sie bat um Verständnis, dass angesichts der Krisensituation – derzeit sind alle Wagen der Marschenbahn wegen defekter Kupplungen in der Werkstatt – nicht alles sofort klappen könnte. „Wir können nicht zaubern.“ Das Publikum nahm die gut formulierten Vorab-Entschuldigungen mit Geduld und großzügigem Beifall auf. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, raunte ein Pendler, der seit 35 Jahren auf die Insel fährt.

Doch es gab auch konkrete Informationen: Bernhard Wewers (Nah.SH) teilte nach einer ausführlichen Entschuldigung über die aktuellen Umstände mit, dass für den Monat November mit einer Entschädigung für Abo-Karteninhaber zu rechnen sei. „Die Probleme auf der Marschbahn sind eine bisher in Schleswig-Holstein einmalige Ausnahmesituation.“ Gleichzeitig dankte er der NOB für die geleistete Arbeit und erklärte, dass der IC bis zum 18. Dezember in Klanxbüll halte und bis dahin auch mit den üblichen Fahrkarten benutzt werden dürfe. Der IC könne jedoch nicht, so seine Antwort auf eine Nachfrage, in Morsum und Keitum halten. „Das geht aus technischen Gründen nicht.“

Torsten Reh, Vorsitzender der Regionalleitung Nord bei DB Regio, drehte das ganz große Rad: „Ein stabiler Fahrplan – das hat Priorität und ist die größte Herausforderung für alle Beteiligten.“ Erklärtes Ziel sei es, mehr Platzkapazitäten durch längere Züge zu schaffen, vor allem während der Hauptverkehrszeit. Bundesweit habe man angesichts der Notsituation nachgefragt und nun seien 84 Reisezugwagen im Portfolio. Gleichzeitig bat der DB-Manager um Nachsicht: „Es sind keine neuen Wagen!“

Die Nachfragen poppten hier gleich hoch. „Diese alten Wagen sind für Behinderte oder Eltern mit Kinderwagen eine Zumutung“, hieß es aus der Zuhörerschaft. Torsten Reh zeigte sich flexibel und sicherte einem Rollstuhlfahrer zu, individuell auf dessen Wünsche einzugehen. „Dann muss eben mal ein Taxi auf den Autozug!“ Eine angemessene Lösung gibt es vorerst nicht, da die reparierten Wagen erst im Frühjahr wieder zum Einsatz kommen. „Jede Kupplung muss genau untersucht werden!“ teilte der Moderator, der DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis, mit.

Gleichzeitig will DB Regio die Reisenden besser informieren. Durch die neuen Smartphone-Apps „DB Bauarbeiten“ und „DB Streckenagent“ sowie durch so genannte „Reisende-Lenker“ in und an den Zügen. Offensichtlich gibt es aber auch ganz simple Missstände: „Ich wünsche mir eine klare Lautsprecheransage und Mitteilung auf den Anzeigetafeln“, betonte Pendler Peter von Hoyningen-Hüne, seit 30 Jahren „unterwegs nach Keitum“. Die Anregung wurde aufgenommen – doch DB Regio kann offensichtlich auch nicht alles: Peter Bonnichsen von der Facebook-Gruppe der Pendler setzte vergeblich darauf, dass der umstrittene Sylt Shuttle Plus weiter für Pendler mit Nahverkehrs-Fahrkarten nutzbar ist. „Der war Gold wert!“ Doch mit dem Fahrplanwechsel bleibt der SSP wie zuvor ein „Geisterzug“.

Dann gab es wieder Zuckerbrot. „2018 wird es Zwölf-Wagen-Züge ab Husum geben – nach der Bahnsteigverlängerung“, erklärte Torsten Reh. Zukunftsmusik sind W-Lan in den Zügen sowie eine weitere Verdichtung auf der Strecke Niebüll-Westerland. Leiser Unmut über Erste-Klasse-Nutzer, die trotz überfülltem Zug Strafe zahlen mussten, wurde vom Podium abgebügelt. „Wer erste Klasse nutzt, muss auch zahlen“, so Bernhard Wewers energisch. Die Besucher der Veranstaltung blieben angesichts der positiven Ankündigungen sachlich, freundlich und entgegenkommend. „Man muss dem neuen Betreiber eine Chance geben“, so Achim Bonnichsen. Gleichwohl will er im Gespräch bleiben, wenn es nicht so läuft. „Wir tauschen uns aus“, sicherte Manuela Herbort zu.

Nah.SH – Prognose für den Bahn-Verkehr am Mittwoch

Heute fallen vier Züge aus:

81712 um 13.00 Uhr von Husum  nach  Niebüll (Busersatz zwischen Husum und  Niebüll); 81741 um 12.52 Uhr von Westerland  nach  Husum (Busersatz zw. Niebüll und  Husum); 81751 um 15.52 Uhr von Westerland nach  Husum (Busersatz zw. Klanxbüll und  Husum); 81825 um 22.22 Uhr von Westerland nach Husum (Busersatz zw. Niebüll und  Husum).

In der morgendlichen Hauptverkehrszeit zwischen 6.01 Uhr und 8.31 Uhr sollen alle Verbindungen eingehalten werden.  Bis zu acht Personenwaggons (6.31 Uhr ab Niebüll und 16.22 Uhr ab Westerland) sind im Einsatz.

Nahverkehrskunden können die Fernzüge bis zum 18. Dezember  ohne Aufpreis nutzen. Die Abfahrtszeiten der ICs sind heute  ab Niebüll 14.01 Uhr und  16.01 Uhr.  Ab Westerland starten die Fernverkehrszüge heute um 9.26 Uhr und  15.26 Uhr.    Außerdem halten alle ICs in beiden Richtungen auch im Bahnhof Klanxbüll.

Die Fahrten mit dem SVG-Reisebus via Autozug werden nicht mehr angeboten.

 
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