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Serie "Das Handwerk auf Sylt" : „Die Handwerksbetriebe müssen sich schick machen“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview spricht Stephan Tack, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland, über Nachwuchssorgen, Innungen und Qualitätsansprüche auf Sylt.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 05:04 Uhr

In einer neuen Serie um das Handwerk stellen wir die Gewerke auf Sylt vor. In den kommenden Wochen werden wir mit allen Meistern der Handwerksinnungen über Nachwuchssorgen, Qualitätsansprüche auf Sylt, Kostendruck und über die Situation der Auszubildenden sprechen. Den Auftakt bildet ein Gespräch mit Stephan Tack, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Nord. Er beklagt unter anderem die Konkurrenz aus Osteuropa.

Herr Tack, wie sind die Handwerker auf Sylt organisiert?

Wir haben vier Innungen, die ausschließlich auf Sylt ihren Sitz haben. Das sind die Bäcker, die Bau- und Tischlerinnung, Heizung, Sanitär und Klimatechnik und die Maler, Glaser und Lackierer. Diese vier sind natürlich ein bisschen kleiner als die überregionalen Innungen der Friseure, Reetdachdecker, KFZ-Mechaniker, Elektriker und Metallbauer, aber sie haben den Vorteil, dass sie die Regionalität behalten können.

Wieso lohnt sich für die Sylter Innungen diese Regionalität?

Viele würden ihre Identität verlieren, wenn sie ihre Regionalität verlieren. Es entstehen zwar einige Verwaltungskosten, die in einer größeren Innung vielleicht geringer ausfallen, man kann auf der Insel aber selbstständig bleiben.

Lassen Sie uns über die Auftragslage der Handwerker auf der Insel sprechen. Gibt es genug zu tun?

Meines Wissens nach ist die Auftragslage der Betriebe gut. Allerdings spüren vor allem die Maler einen hohen Konkurrenzdruck, einerseits durch osteuropäische Mitbewerber, andererseits durch Betriebe auf dem Festland, die die Preise unten halten – was für mich völlig unverständlich ist. Bei den osteuropäischen Mitbewerbern ist es so, dass sie mit einer Reisegewerbekarte das Malerhandwerk ausüben dürfen, ohne eine Meisterprüfung in der Tasche zu haben, wie das in Deutschland eigentlich Vorschrift ist. Für die anderen Sylter Handwerken gilt: Wenn einer einen guten Job macht, wird das auch weitererzählt. Das Problem, das allerdings vorherrscht, ist, dass es kaum Auszubildende gibt.

Kann aufgrund der Kaufkraft auf Sylt mehr Qualität angeboten als auf dem Festland?

Einige exklusive Sachen können auf der Insel besser vermarktet werden als auf dem Festland, weil viele Gäste im Urlaub sind und das Geld dann einfach lockerer sitzt. Außerdem ist bei den Urlaubern ein wertvolles Gut, nämlich Zeit vorhanden: Viele Bäcker haben zum Beispiel noch ein Café oder Restaurant angeschlossen, in das sich die Gäste setzen können und dann natürlich auch konsumieren. Auch die Tischler haben eine gute Auftragslage, unter anderem durch Laufkundschaft und im Vergleich zu dem, was ich vom Festland höre, scheint es den in den anderen Handwerken ebenfalls gut zu laufen.

Warum hat es das Handwerk so schwer, an junge Menschen heranzukommen?

Das Image ist ganz klar ein Problem. Da muss ich aber auch an die Betriebe appellieren. In manchen Branchen müssen die Auszubildenden heute auch am Wochenende arbeiten, das war früher anders. Allerdings ist mein Empfingen, dass die Jugendlichen anders ticken als früher. Sie wollen nicht weniger arbeiten, sie wollen aber klare Absprachen: Für mehr Arbeit wollen sie natürlich mehr Freizeit. Und daran muss sich der Arbeitgeber halten. Außerdem haben die Jugendlichen heute viel mehr Möglichkeiten. Früher mussten sie sich noch durchbeißen, wenn sie heute keine Lust mehr auf die Ausbildung haben, gehen sie einfach nicht mehr hin. Das ist ja in Ordnung, aber die Betriebe müssen dahin kommen, dass sie sich schick machen und sich um die Auszubildenden und damit auch um die Fachkräfte von Morgen bewerben und ihnen eine gute Stelle bieten. Dazu gehört auch, sie fair und vernünftig zu behandeln und ihnen natürlich etwas beizubringen.

Versuchen Sie denn, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern?

Ja, auf verschiedene Weise. Die Kreishandwerkerschaft in Niebüll hat zum Beispiel zusammen mit der Kreishandwerkerschaft in Husum eine Zeitschrift aufgelegt, die sich „Hands up“ nennt, in der sich jedes Gewerk mit Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten vorstellen kann. Da haben wir Interviews mit Lehrlingen und Obermeistern, die sagen, was den Beruf ausmacht. Außerdem wollen wir enger mit den Schulen zusammenarbeiten und an die jungen Schulabgänger herankommen.

Wie sieht die berufliche Zukunft aus, wenn ein Auszubildender seine Lehrzeit abgeschlossen hat?

Die sieht sehr gut aus. Handwerker haben immer die Möglichkeit, Arbeit zu finden, wenn sie eine vernünftige Ausbildung hinter sich haben. Das Wort „Fachkräftemangel“ geistert ja überall herum, auch bei uns. Wenn sich jemand bemüht, seine Arbeit gut macht und bereit ist, sich ständig weiterzuentwickeln, dann hat er sehr gute Aussichten im Handwerk. Außerdem gibt es alle möglichen Aufstiegschancen, bis hin zum Studium ist alles drin. Den Meister kann nach der Gesellenprüfung ebenfalls jeder machen der bereit ist, ein wenig Arbeit hineinzustecken. Die Bäcker können zum Beispiel Fachlehrer werden oder in die Lebensmitteltechnologie gehen, Elektrotechniker und Maschinenbauer können sich bis zum Ingenieur weiterentwickeln. Das Handwerk ist einfach ein gutes Fundament für den Weg nach oben.

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