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Parteien auf Sylt : Die große Sylter Parteien-Umfrage: Überaltert und mit Nachwuchssorgen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Parteien und Wählergemeinschaften der Insel beklagen Mitgliederschwund und Überalterung. Wir haben nachgefragt, wer heute noch bereit ist, sich in der Politik zu engagieren.

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erstellt am 03.Dez.2015 | 18:28 Uhr

Die politische Landschaft auf der Insel gestaltet sich überraschend vielfältig: Außer klassischen Parteien, die auch bundesweit vertreten sind, gibt es auf Sylt zahlreiche Wählergemeinschaften, die entweder aus Protest gegen konkrete Insel-Missstände und aus Unzufriedenheit mit der Arbeit oder den Zielen traditioneller Parteien gegründet wurden. Die Sylter Rundschau wollte wissen, wie Parteien und Wählergemeinschaften aufgestellt sind, wie alt ihre Mitglieder sind, wie hoch der Frauenanteil ist und was sie tun, um neue Mitstreiter zu gewinnen. Hier lesen Sie die Ergebnisse unserer großen Umfrage.


Mitgliederzahlen: Klassische Parteien an der Spitze


Mitgliederstärkste Partei auf der Insel ist die CDU mit aktuell 254 Personen. Die Christdemokraten gliedern sich in verschiedene Ortsvereine und wurden in der Gemeinde Sylt sowie als Einzige der klassischen Parteien auch in die Gemeindevertretungen von List und Hörnum gewählt. „Unser Ortsverband in der Gemeinde Sylt mit seinem 173 Mitgliedern ist mit Abstand der Größte in ganz Nordfriesland“, berichtet der CDU-Vorsitzende Oliver Ewald. Rang Zwei belegt die SPD mit 153 Mitgliedern, die meisten Genossen sind in der Gemeinde Sylt und dort im Ortsteil Westerland beheimatet. Auf Platz Drei für Nordfriesland typisch der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), gefolgt von der Sylter Wählergemeinschaft (SWG) und der Vereinigung Aktive Bürger Wenningstedt.

Überraschend wenig Mitglieder hat der Sylter Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen mit 27 Mitgliedern. Damit liegen die Grünen noch hinter den Wählergemeinschaften, die in Kampen und Hörnum aktiv sind. Schlusslichter mit Mitgliederzahlen unter 20 sind die FDP, die Freie Wählergemeinschaft (FWG) List, die Piraten und auch die jüngste Wählergemeinschaft der Insel „Die Insulaner“. Deren Vorstandsmitglied Hicham Lemssiah verweist jedoch – wie Vorsitzende anderer Vereinigungen jenseits der etablierten Parteien – darauf, dass es unter der Sylter Bevölkerung ein „relativ großes Sympathisantenumfeld“ gebe, auf das die Mitglieder setzen könnten und deren Interessen sie nicht nur in den sozialen Netzwerken, sondern auch konkret in der „echten“ Politik vertreten.


Altersstruktur der Mitglieder: Überwiegend über 50 Jahre


Eine grundsätzliches Problem der Gesellschaft spiegelt sich auch bei den Parteien wider: der demografische Wandel, die zunehmende Überalterung der Bevölkerung. „Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder beträgt 57 Jahre, wobei die Aktiven im Schnitt noch älter sind“, sagt der Sylter SPD-Vorsitzende Jörg Leumann. „Eine besorgniserregende Entwicklung, die die SPD mit anderen etablierten Parteien teilt. Nur noch 14 Mitglieder sind jünger als 40 Jahre.“ Nicht besser sieht es bei der CDU aus: Das Durchschnittsalter der Christdemokraten auf Sylt beträgt 60 Jahre. Ein ähnliches Bild bieten die Wählervereinigungen: Zwei Drittel der Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft List sind über 65 und die SWG nennt einen Anteil der Über-50-Jährigen von gut 40 Prozent.

Mitglieder im Rentenalter sind in allen Parteien und Wählergemeinschaften vertreten: Die CDU meldet das Älteste mit 94 Jahren, auch in der Kampener Wählervereinigung (KWV) reicht das Alter bis auf stolze 90 Jahre. Die Grünen haben Mitglieder bis 80 Jahre, ebenso wie die Allgemeine Wählergemeinschaft (AWG) Hörnum – und selbst bei der Insel-FDP sind noch 75-Jährige als Mitglieder aktiv.


Verhältnis von Männern und Frauen oft „fifty-fifty“


„Mehr Frauen in die Politik“ lautet eine oft wiederholte Forderung deutschlandweit. Wenn man den Rückmeldungen auf die Umfrage der Sylter Rundschau Glauben schenken darf, scheint dies bei den Sylter Parteien und Wählergemeinschaften bereits Realität zu sein. „Fifty-fifty“ lautet zumindest die häufigste Antwort. Sogar einen deutlichen „Frauenüberschuss“ hat Bündnis 90/Die Grünen mit zwei Dritteln der Mitglieder. Der Anteil der Männer dagegen überwiegt bei den alteingesessenen Parteien: Bei den Christdemokraten ist nur gut ein Viertel der Parteimitglieder weiblich. Nicht viel besser sieht es bei der SPD aus – lediglich ein Drittel der Parteigenossen sind Frauen. Gleiches Bild beim SSW auf Sylt: Bei der Partei der dänischen Minderheit sind zirka 65 Prozent Männer und 35 Prozent Frauen als Mitglieder eingetragen. Deutlichen Nachholbedarf in Sachen Frauen als Mitglieder hat die noch junge und kleine Wählergemeinschaft „Die Insulaner“. Von den derzeit 18 Mitgliedern sind nur vier weiblich.


Angestellt oder selbstständig – die Berufe der Mitglieder


Entsprechen die Sozialstrukturen der Parteien auch denen der Gesellschaft? Besonders bei den Wählergemeinschaften sind viele Mitglieder selbstständig oder als Unternehmer tätig. Typisch zum Beispiel im Tourismusort Wenningstedt – Gerhard Hausen von den Aktiven Bürgern sagt: „Wir haben überwiegend Mitglieder, die freiberuflich arbeiten.“ Und im Bündnis Wenningstedt-Braderup sind acht der 29 Mitglieder Unternehmer. Aber auch die Grünen melden selbständige Kaufleute, Ärzte, Buchhändler oder Goldschmiede als Mitglieder. Die Sylter SPD dagegen hat einen relativ hohen Anteil an Mitglieder, die in sozialen Berufen tätig sind. Bei SWG und SSW gibt es unterschiedlichste Berufe wie Tischler, Banker, Elektriker, Hoteliers, Schneider und Rechtsanwälte oder Lehrer, Erzieher und kaufmännische Angestellte.


Nachwuchssorgen plagen alle Sylter Parteien


Über Probleme, mehr und vor allem jüngere Sylter als neue Mitglieder gewinnen zu können, klagen alle Parteien. Um dies zu ändern, setzen zum Beispiel die Grünen auf mehr öffentliche Veranstaltungen zu aktuellen Themen wie Naturschutz auf Sylt, Schaffung von mehr Dauerwohnraum oder E-Mobilität. Die SPD will im kommenden Jahr „Bürgerprojekte“ entwickeln, um besonders mit jungen Insulanern ins Gespräch zu kommen. Für die CDU dagegen läuft die Werbung am erfolgreichsten über die unmittelbare Ansprache: „Ergebnis für 2015 – vier neue Mitglieder“, so CDU-Chef Ewald. „Spezielle Programme zur Mitgliederwerbung haben wir im Moment nicht“, sagt Erik Kennel (SWG). „Wir setzen auf das direkte Gespräch zur Gewinnung von Mitgliedern.“ Vertreter kleinerer Wählergemeinschaften wie Aktive Bürger Wenningstedt oder AWG Hörnum erklären, sie würden eigentlich nur vor Wahlen aktiv. Deutlich enttäuscht äußert sich aber Holger Bönisch von der FWG List: „Wir laden immer wieder Bürger zu Mitgliederversammlungen ein. Resonanz: Mager. Das Interesse, aktiv an der Kommunalpolitik mitzuarbeiten, ist zwar vorhanden, aber der entscheidende Schritt, sich einer kommunalpolitischen Gruppierung anzuschließen, wird nicht umgesetzt.“



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