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Sylter Tourismuszahlen : „Die goldenen Jahre sind vorbei“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Tourismusstatistik der Inselgemeinden sorgt für kritische Selbstbetrachtung. Urlaube werden kürzer

Es kommen weniger Gäste, und die, die kommen, bleiben nicht mehr drei Wochen, sondern unternehmen vielleicht nur einen Kurztrip nach Sylt: Auf den ersten Blick ist die Tourismus-Statistik der Inselgemeinden für das Jahr 2013 recht leicht zu interpretieren. Wie die Sylter Rundschau in ihrer gestrigen Ausgabe berichtete, ging danach die Zahl der Übernachtungen im Vergleich zu 2012 um 2,24 Prozent zurück. Zudem kamen weniger Gäste. Doch welche Schlussfolgerungen muss Sylt aus dem nun seit mehreren Jahren anhaltenden Rückgang ziehen? Bei dieser Frage fällt die Analyse etwas differenzierter aus.

Peter Douven, Tourismusdirektor der Gemeinde Sylt, ist von den Zahlen erst einmal nicht überrascht. Neben der nicht gerade urlaubsfördernden Wirtschaftslage habe den Syltern im vergangenen Jahr auch das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Die untypisch schwachen ersten sechs Monate konnten nicht aufgefangen werden.“ Abgesehen von diesem nicht beeinflussbaren Faktor müsse sich die Insel dringend mit dem Thema Mindestaufenthaltsdauer auseinander setzen, die, grob geschätzt, immer noch von 30 bis 40 Prozent der Vermieter von ihren Gästen verlangen würde. Dies sei nicht mehr zeitgemäß: „Es ist doch auffällig, dass die Gemeinde Sylt im Bereich der verkürzten Aufenthalte, also bis zu vier Übernachtungen, im vergangenen Jahr einen Zuwachs von sechs Prozent verzeichnen kann.“ Auch wenn diese Steigerung den allgemeinen Trend nicht auffangen konnte: Douven rät den Vermietern, ihre Zimmer oder Wohnungen auch an Gäste zu vermieten, die die Insel nur wenige Tage besuchen. Das sieht Jens Carl vom Tourismusservice in Hörnum genauso: „Bei den Vermietern muss ein Umdenken stattfinden.“

Auch Stephan Beck, Vorsitzender der Sylter Dehoga, ist der Meinung, dass es auf Sylt nicht mehr weiter gehen kann wie bisher: „Die goldenen Jahre sind vorbei. Sylt muss wieder stärker an sich arbeiten, sonst fallen wir noch mehr hinten über. Aber so lange es fünf Gemeinden gibt, die sich nicht einig sind, bleibt das schwierig.“ Auch wenn Beck den verschiedenen Tourismus-Statistiken nicht ganz traut – der Abwärtstrend, den sie aufzeigen, sei definitiv vorhanden. „Da muss man sich schon fragen: Quo vadis, Sylt.“

Und woran liegt das? Laut Beck unter anderem daran, „dass die Insel in den vergangenen drei Jahren bundesweit medial nur Ohrfeigen erhalten hat. Wohnungsnot, fehlende Geburtenstation: Das Image der Insel ist nicht mehr stimmig.“ Zudem würde jeder vierte Deutsche aus finanziellen Gründen nicht mehr in den Urlaub fahren – und andere Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern mit einem deutlich größeren Marketingbudget um Gäste werben als Schleswig-Holstein.

Doch obwohl sich die Insel auch in diesem Jahr mit zusätzlichen Problemen wie dem Ausbau der A7 und den damit verbundenen längeren Anfahrtswegen herum schlagen muss: Zumindest Tourismusdirektor Douven ist optimistisch, dass die Tourismus-Statistik 2014 trotzdem bessere Zahlen aufweisen wird. „Wir können bis Ende April schon einen Zuwachs von vier bis fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr aufweisen“, so Douven. Auch wenn sich diese Zahl wohl im Lauf des Sommers relativieren werde, rechnet er mit ein bis zwei Prozent Wachstum in diesem Jahr.

Für die Sylter Unternehmer (SU) wirft die Tourismusstatistik der Inselgemeinden in erster Linie Fragen auf: „Das genannte Defizit ist natürlich auch für uns eine neue Information“, sagte SU-Geschäftsführer Ronald Glauth. Bevor man die Statistik folgerichtig interpretiere, müsse aber erst geklärt werden, wie sich dieses Defizit zusammensetze. „In welchen Bereichen gab es eventuelle Einbrüche und zu welchen Saisonzeiten? Wie sieht es in anderen vergleichbaren Tourismusdestinationen aus? Dies alles sind Fragen, die wir zunächst klären möchten, um dann gemeinsam mit unseren Partnern gegebenenfalls Lösungen und Maßnahmen zu entwickeln“, so Glauth.

 

 


 

 

 

 



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erstellt am 15.Mai.2014 | 06:00 Uhr

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