Kurmusik : Die Geschichte der Sylter Musikmuschel

Die Musikmuschel in den 50er Jahren.
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Die Musikmuschel in den 50er Jahren.

Se galt phasenweise als nicht zeitgemäß, wurde immer wieder von Fluten zerstört – und erfreut sich bei Besuchern trotzdem seit weit über hundert Jahren grroßer Beliebtheit: Die Musikmuschel auf der Westerländer Promenade.

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16. Mai 2015, 05:55 Uhr

Es ist für viele Gäste der Insel ein Urlaubshighlight: Die Konzerte in der Musikmuschel an der Westerländer Promenade. Das Konzept Kurmusik wird auf der Insel schon seit 1879 verfolgt.

Damals wird auf der Kurpromenade in Westerland ein kleiner, hölzerner Pavillon eröffnet. Die „Prager Musikanten“ erwecken die Bühne des Musikpavillons fortan jeden Sommer zum Leben und unterhalten die flanierenden Badegäste mit schwungvoller Musik. Der kleine Bau wartet mit einer architektonischen Besonderheit auf: Je nach Wetterlage kann der Pavillon zur Promenadenseite oder zum Strand hin geöffnet werden. So können im Gegensatz zu heute Badegäste auch während eines Sonnenbads am Spülsaum das Kurkonzert auf der Promenade genießen. Ab 1886 wird eine feste Kurkapelle engagiert, die in wechselnder Besetzung jeden Sommer die Kurpromenade belebt. Aufgrund der unmittelbaren Lage am Meer wird der Pavillon während der folgenden Jahre zahlreiche Male Opfer von Sturmfluten. Die Sylter trotzen den Naturgewalten und bauen ihn immer wieder auf.

Im Jahr 1908 erhält der Pavillon die Form einer gewölbten Musikmuschel. Aber auch dieser neue, stabilere Bau wird 1911 von einer schweren Sturmflut zerstört. Im Jahr darauf kehren die Verantwortlichen zur Pavillon-Form zurück. Ab 1923 engagiert die Kurdirektion die Kurkapelle schlechthin: Das Sinfonie-Orchester Flensburg erobert für fast ein halbes Jahrhundert die Herzen der Gäste. Das musikalische Programm der Formation reicht vom munteren Schlager-Potpourri bis zum zackigen Marsch. 1924 erhält die Unterhaltungsbühne ihr muschelartiges Gewand zurück, nun macht sie optisch ihrem Namen wieder alle Ehre. Als Ergänzung zu unbeschwerten, weltlichen Klängen zieht 1934 die klassische Musik in die Muschel ein; Sinfoniekonzerte werden zum festen Bestandteil vom Programm. Und dann wieder: Eine riesige Flutwelle erfasst die Konzertstätte 1936 und schiebt den gesamten Bau mehrere Meter landeinwärts. Während der Kriegsjahre ist erst einmal Schluss mit der Fröhlichkeit, die Musik auf der Promenade verstummt . Beim erneuten Aufbau wird sie so platziert, dass sie den Mittelpunkt der Promenade bildet. Im Jahr 1949 erhält die Musikmuschel bereits ihre heutige Form, langsam kehrt der Frohsinn und somit auch die Musik auf die Kurpromenade zurück. Die Badegäste werden ab 1951 von einer 45-köpfigen Kapelle mit Unterhaltungsmusik aufgemuntert.

1974 dann plötzlich ein Umdenken von Seiten der Kurverwaltung: Die Kurmusik soll eingestellt werden. Man fühlt sich damit nicht mehr zeitgemäß. Die Verwaltung startet eine Umfrage, in dieser sprechen sich allerdings lediglich 4,3 Prozent der Befragten für eine Abschaffung aus. Die Musik am Meer ist gerettet. Der damalige Leiter des Orchesters, Werner Schulte, spricht im selben Jahr in einem Interview über seine Bestimmung: „Ich möchte die Menschen in Ferienstimmung bringen. Sie sollen beim Nachhausegehen sagen: Das war ein schöner Abend.“ An dem Motto von Schulte hat sich bis heute nichts geändert: Die musikalischen Darbietungen sind während der Sommermonate fester Bestandteil des Kurbetriebs - ohne die Musikmuschel und ihre Klänge würde vielen Gästen etwas fehlen.

Im Mai, Juni, September und Oktober Musik täglich 11 und 15 Uhr (außer Montag). Im Juli und August täglich 11, 15 und 19.30 Uhr.

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