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Serie Sylter Sounds : „Die Friesen können das“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In unserer Serie geht es heute um Peter Sawallich, der mit Gitarre und Gesang die Insel seit den Sechziger Jahren mit plattdeutscher Folk-Musik versorgt.

So klingt die Insel: Unter dem Motto „Sylter Sounds“ wird die Sylter Rundschau in einer neuen Serie Musiker der Insel vorstellen. Sie vertreten ganz unterschiedliche Stilrichtungen, sie haben ganz verschiedene Sounds – doch gemeinsam bringen sie Sylt zum Klingen.

„Mein Vater war Organist in der katholischen Kirche, das war wohl der Grundstock für meine musikalische Laufbahn“ sagt der musizierende Journalist, der 1955 auf Sylt das Licht der Welt erblickt. Als Junge schnappt er sich das Banjo eines Kaplans, der auf Sylt seinen Dienst in der Gemeinde verrichtet und findet Gefallen am „Rumklimpern“ auf dem Saiteninstrument. Als er 13 Jahre alt ist, liegt eine zwölfsaitige Gitarre unter dem Weihnachtsbaum. „So eine spiele ich heute noch, darauf ist man viel virtuoser als auf einer Klampfe mit sechs Saiten.“ In den Sechzigern gibt es noch keine Musikschule auf der Insel, Peter und seine musikalischen Mitstreiter sind Autodidakten. „Sonst könnte ich heute ein Dutzend Noten mehr, wir haben damals einfach nach Gehör gespielt.“

Am Sylter Gymnasium gründen Peter und Konsorten eine Band, angeleitet werden die Teenies von der Lehrerin Ada Kadelbach: „Die kam Ende der Sechziger Jahre ganz frisch aus den USA, war total von der Folk-Bewegung inspiriert und hat uns musikalisch geprägt“. Unter den Fittichen der ambitionierten Lehrerin wächst die Band auf Orchestergröße an. Mit rund 30 Musikern, unter anderem Henner Krogh, spielen die „Folkies“ Konzerte, sogar in der Musikmuschel in Westerland. „Engagiert hat uns der heutige Bürgervorsteher Peter Schnittgard, der war damals Veranstaltungsleiter der Kurverwaltung Westerland.“ Die Musik der „Folkies“ kommt gut an, die Band wird durch die Sylter Bäder gereicht, spielt beim Verein Sylter Unternehmer, exportiert auf einer Konzertreise den Sylter Folk-Sound sogar nach Helgoland.

Nach der Schule folgen Bundeswehr, Berlin, Baby, Bildung. Und das Banana. „Das war in West-Berlin ein Mucker-Laden mit offener Bühne, da habe ich gern gespielt.“ Außerdem absolviert der Sylter Junge beim Berliner „Tagesspiegel“ ein Volontariat und studiert Politik und Zeitungswissenschaften. „Ich hatte aber immer das Ziel, auf die Insel zurück zu kommen.“ Mitte der Achtziger löst sich in Berlin die Beziehung zu seiner ersten Frau auf. „Am Tag, als ich das erfuhr, hatte ich zufälligerweise in der Sylter Musikmuschel ein Konzert als Alleinunterhalter. Da habe ich gemerkt, wie wichtig Musik ist, wenn man nicht gut drauf ist; dass man Trauer, Kummer und Ärger durch Musik kompensieren kann.“

Peter Sawallich landet wieder in seiner Heimat, wird „Sylter Botschafter“: Für die Kurverwaltung tingelt er mit einem Bus über Messen und Veranstaltungen, wirbt deutschlandweit für das Nordseeheilbad, die Gitarre immer im Kofferraum. Eines Tages spielt er auf einer Münchener Messe durch Zufall vor Hunderten von Gästen, die zu seinen norddeutschen Liedern das Tanzbein schwingen. Begeistert von der musikalischen Darbietung spricht ihn die deutsche Zentrale für Tourismus an, ob er Lust hat, seine Lieder auf der Gorch Fock zu spielen. Allerdings nicht im Heimathafen Kiel, sondern am anderen Ende der Welt: in San Diego. „Also habe ich kurze Zeit später Seemannslieder und Plattdeutsches an Deck vom deutschen Segelschulschiff in Kalifornien gespielt. Das war anstrengend, aber super!“ Auf Sylt nimmt er mit seiner Band „Freesen kann dat“, die es in wechselnder seit 30 Jahren gibt, auch am Henner-Krogh-Preis teil. Aber ihr friesischer Folk ist leider nicht so gefragt, über den fünften Platz kommt die Band nicht hinaus. „Dabei hatte sich Frauke Krogh, die Initiatorin vom Stiftungspreis, explizit etwas Plattdeutsches gewünscht.“

Die Urzelle von „Freesen kann dat“ besteht aus Peter Sawallich und dem Gitarristen und Sänger Herbert Schröder. Dazu stößt später Jörn Denhard aus Tinnum mit seinem Akkordeon und vor drei Jahren der junge Morsumer Sören Hansen mit seiner Geige. Gemeinsam musizieren sie auf diversen Festivals im In- und Ausland, ihre musikalische Heimstätte auf Sylt ist und bleibt aber der „200 Jahre alte Gasthof“ in List: Seit gut 20 Jahren spielen die „Freesen“ dort in regelmäßigen Abständen, auch gemeinsam mit dem Gastwirt und Pianisten David Kaplan. „Davids gefühlvolles Spiel am Piano und dazu mehrstimmig singen, das ist das höchste für mich.“


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