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Kriminalität : Die falsche Stephanie: „Enkeltrick“ auf Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Unbekannte geben sich am Telefon als Verwandte in Not aus und versuchen so, an Geld zu kommen

Eigentlich, sagt Dietrich Buroh, ärgere er sich vor allem über sich selbst. Darüber, dass er die „falsche Stephanie“ nicht schneller durchschaut hat. Der 78-jährige Zweitwohnungsbesitzer und ein Keitumer haben gestern mit dem so genannten Enkeltrick Bekanntschaft gemacht. Die Kriminalpolizei Sylt warnt, angeblichen Verwandten leichtgläubig Geld oder Wertgegenstände zukommen zu lassen.

Bei Buroh klingelte gestern um 12.15 Uhr das Telefon: „Hallo, wie geht’s Dir?“ fragte da eine Frauenstimme. Und: „Weißt Du eigentlich, wer dran ist. Rate mal!“ Buroh überlegte. Die Stimme kam ihm nicht auf Anhieb bekannt vor, aber offenbar war es jemand, den er kennen müsste. Vielleicht ist es seine Nichte? „Vielleicht die Stephanie?“ Ja, genau, bestätigte die Frauenstimme, sie sei die Stephanie. Und als sich Buroh wunderte, dass „Stephanie“ irgendwie anders klang, erklärte diese, das würde ihr öfter gesagt, wenn sie am Telefon spreche. Jedenfalls sei sie gerade auf Sylt, in Kampen, ob er Zeit hätte, dass sie auf einen Kaffee vorbei käme. Ja, das hätte er, sagte Buroh, dann folgte eine kurze Debatte darüber, ob sie nun Kuchen mitbringen soll oder nicht. Wurde Buroh nicht an irgendeinem Punkt misstrauisch? „Nein, bei meiner Stephanie werde ich nicht misstrauisch!“ Auch nicht sofort, als Stephanie dann sagte, sie habe gerade ein klitzekleines Problem: Sie habe sich in Kampen eine Eigentumswohnung gekauft, da sei in der vergangenen Woche die zweite Rate fällig gewesen. Die habe sie aber aus verschiedenen Gründen bisher nicht zahlen können – und wenn sie das Geld heute nicht auftreibe, müsste sie 3000 Euro Strafe zahlen. Ob ihr Onkel ihr nicht irgendwie aushelfen könne? Der verneinte. Nach einigen Diskussionen wurde das Telefonat beendet. Und Buroh rief, jetzt doch etwas irritiert, seine Schwester an. Die erklärte, die echte Stephanie sei gar nicht auf Sylt, die wäre momentan in Südafrika. Dann ging Buroh zur Polizei, um den Fall anzuzeigen. Dort war es der zweite Fall dieses Trick-Versuchs, der gestern gemeldet wurde.

Das Thema „Enkeltrick“ ist deutschlandweit bekannt. Auf Sylt allerdings waren bisher keine Fälle bekannt, heißt es von der zuständigen Kriminalpolizei. Wer also in den kommenden Tagen überraschende Anrufe von vermeintlichen Verwandten in Notlagen erhält, sollte misstrauisch sein.

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erstellt am 20.Feb.2015 | 06:00 Uhr

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