Unglücksfälle auf Bahnstrecken in SH : Die Debatten im Internet nach dem Tod

Todesfälle auf der Bahnstrecke sorgen für Verspätungen – und die bringen viele Menschen dazu, im Netz über die Ursache zu spekulieren oder zu schimpfen.
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Todesfälle auf der Bahnstrecke sorgen für Verspätungen – und die bringen viele Menschen dazu, im Netz über die Ursache zu spekulieren oder zu schimpfen.

Die Unglücksfälle auf der Bahnstrecke zwischen Westerland und Niebüll werden im Netz ausführlich debattiert. Die Häufigkeit ist aber nicht überdurchschnittlich hoch.

shz.de von
08. Juni 2014, 12:58 Uhr

Sylt | Karfreitag lief ein Jogger auf Sylt um eine geschlossene Bahnschranke, sah einen herannahenden Zug der Nord-Ostsee-Bahn zu spät und wurde vom Zug erfasst und getötet. Vergangenen Montag wurde die Strecke Niebüll-Klanxbüll für mehrere Stunden voll gesperrt, weil ein Mann unter einen Zug geraten war.

Nachrichten über Todesfälle wie diese verbreiten sich im Internet innerhalb von Minuten, die daraus resultierenden Hinweise über eingeschränkten oder eingestellten Zugverkehr zwischen Westerland und dem Festland gehören zu den meistgelesenen Artikeln auf der Internetseite der Sylter Rundschau. Gerade weil Inselbewohner und Gäste so auf den funktionierenden Zugverkehr angewiesen sind, werden Probleme bei der An- oder Abreise immer wieder zu einem großen Thema. Einem Thema, bei dem in den angestoßenen Diskussionen oft gar nicht klar ist, worum es genau geht: Gerade in sozialen Netzwerken vermischen sich Beschwerden über die Länge der Wartezeit mit detaillierten Mutmaßungen über den Grund des Todes und Mitleidsbekundungen für den Lokführer.

Durch diese – gelegentlich ausufernden – Debatten, bei denen sich persönliche Betroffenheit mit Spekulationen mischen, entsteht häufig der Eindruck, auf den 40 Kilometern Zugstrecke zwischen Niebüll und Westerland würden überdurchschnittlich viele Menschen zu Tode kommen. Christian Wehr kann dies nicht bestätigen. Seit 2007 ist er Fachdienstleiter des Rettungswesens vom Kreis Nordfriesland, in dieser Zeit sei die Zahl der Todesfälle auf diesem Streckenabschnitt nach seinem Eindruck nicht gestiegen. Zudem sei die Zahl der Einsätze aufgrund von Todesfällen mit deutlich weniger als zehn im Jahr geringer als beispielsweise am angrenzenden Streckenabschnitt Richtung Husum.

Dass die Strecke über den Hindenburgdamm abschnittsweise nur einspurig befahrbar ist und auch kein Schienenersatzverkehr eingesetzt werden kann, mag einer der Gründe sein, warum hier Unfälle stärker beachtet werden als anderswo, meint Kay Götze, Pressesprecher der Nord-Ostsee-Bahn. Für die NOB sind nach einem Unglücksfall neben rein organisatorischen Aspekten zwei Dinge wichtig: Dass den Passagieren geholfen wird, sie und der Lokführer gegebenenfalls psychologische Unterstützung erhalten. Und dass Reisende im Netz schnellstmöglich über die Homepage darüber informiert werden, dass es zu Verzögerungen kommt. Die Debatten, die diese nachrichtlichen Hinweise auslösen, mag und kann Götze weder beeinflussen, noch kommentieren.

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