Iris von Arnim auf Sylt : Die Cashmere-Queen wird 70

Valentin und Iris von Arnim.
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Valentin und Iris von Arnim.

Aus der Ödnis eines Krankenhausaufenthalts heraus baute Iris von Arnim ihre Designermarke auf. Ihre ersten Pullover verkaufte sie auf Sylt.

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24. Januar 2015, 05:54 Uhr

Sie ist eine echte Selfmade-Frau: Die Designerin Iris von Arnim hat sich ihren Erfolg allein „erstrickt“. 35 Jahre ist es her, das die Hamburgerin ihre eigene Firma gründete. Heute wird sie über Deutschlands Grenzen hinaus als Cashmere-Queen gerühmt und bietet neben Luxus-Strickentwürfen für Frauen auch Konfektion an sowie eine kleine Herrenkollektion. An diesem Sonntag wird die Hamburgerin 70. In Kampen auf Sylt hat das Unternehmen seinen Ursprung.

Angefangen hat alles aber ein bisschen früher, mit einem selbstgestrickten Pullover in Regenbogenfarben. Von Arnim lag zu Beginn der 1970er Jahre nach einem Autounfall fünf Monate lang im Krankenhaus in München und bekam von Freunden ein Kilogramm Wolle geschenkt.

„Ich habe eigentlich nur eine Reihe rechts, eine Reihe links gestrickt und dann in verschiedenen Farben ein Degradé-Muster entwickelt“, erzählt sie rückblickend von der Farbverlauf-Optik. Aus dem ersten Entwurf wurde eine Geschäftsidee. Die lässigen Pullover passten perfekt zur damals aufkeimenden Sehnsucht nach einer freieren unkonventionelleren Mode.

Als der inzwischen wieder genesenen von Arnim die Geschäftsführung einer Boutique auf Sylt angetragen wurde, nahm sie an – unter der Voraussetzung, dort auch ihre eigenen Pullis anzubieten. Längst strickte sie nicht mehr selbst, sondern ließ in Heimarbeit fertigen. Ein Bericht in der Illustrierten „Bunte“ über die Jungdesignerin, die in Kampen verkaufte, ließ die Nachfrage hochschnellen. 1979 zeigte Iris von Arnim ihre erste Kollektion auf der Messe Igedo in Düsseldorf und beschloss im Folgejahr, sich selbstständig zu machen.„Damals konnte man noch relativ leicht im Kleinen anfangen“, sagt sie. Dass sie selbst in den Jahrzehnten viele Hürden erfolgreich genommen hat, unterschlägt sie mit aristokratischem Understatement: „Ich bin nicht als verwöhntes Zuckerpüppchen aufgewachsen.“

Als sie 14 Tage alt war, floh ihre Familie aus dem elterlichen Schloss im schlesischen Berbisdorf (heute Dziwiszów) zu Verwandten in Richtung Westen. Drei Jahre später starb ihre Mutter. Früh war von Arnim auf sich allein gestellt.

Der Arzt, der nach ihrem damaligen Unfall ihr Bein vor einer Amputation rettete, ist auch der Vater ihres 1979 geborenen Sohnes. Er ermutigte sie, ihr Label zu gründen. Ein Dasein als Arzt-Frau schlug sie jedoch aus, von Arnim hat ihren Sohn allein großgezogen. Inzwischen hat sie gelernt, sich helfen zu lassen. Vor neun Jahren stieg Sohn Valentin, der vorher als Investmentbanker gearbeitet hatte, in die Firma ein.

Der 35-Jährige führt heute die Geschäfte. In wenigen Monaten will sich seine Mutter vor allem auf die Beratung ihrer Designer konzentrieren und ihm den Rest überlassen. „Ich stelle fest, dass ich noch genauso neugierig bin wie vor 35 Jahren“, so Iris von Arnim. Trotzdem will sie sich in Zukunft zurücknehmen. Ein komisches Gefühl hat Valentin von Arnim anlässlich der Verantwortung nicht: „Das operative Geschäft läuft auch jetzt schon über mich“, viel würde sich durch den Wechsel daher nicht ändern. Nach wie vor wolle er Hand in Hand mit seiner Mutter arbeiten.

Langweilen wird sich die Cashmere-Expertin nicht: Von Arnim liest leidenschaftlich gern, hört viel Musik, trifft Freunde und engagiert sich sozial. Sicherlich wird sie noch mehr Zeit auf der von ihr geliebten Insel Sylt verbringen. Schon jetzt genießt sie, wenn möglich, jedes Wochenende auf der Nordseeinsel.

Auch der Sohn ist tief verbunden mit Sylt: „Ich war schon als kleines Kind auf der Insel, wir hatten damals in Keitum eine Unterkunft – Sylt war meine zweite Heimat.“ Während seine Mutter arbeiten musste, verbrachte er seine Zeit bei den verschiedenen Familien seiner Freunde – mal zwei Wochen hier, mal zwei Wochen da: „Das war toll“, schwärmt von Arnim.

So oft es sein enger Zeitplan zulasse, sei er auch heute noch auf dem Eiland – rund acht bis zehn Mal pro Jahr schaffe er es, von Hamburg in die Wohnung nach Kampen zu fahren. Die Farben und das besondere Licht auf Sylt, das alles fließe komplett in die Kollektion ein und habe seine Mutter von Anfang an inspiriert. „Sylt ist ihre absolute Heimat, dort hat sie zum ersten Mal Erfolg gehabt“, so Valentin. Das Familienunternehmen steht für Tradition, Handwerk und seine kompromisslose Qualität, aber auch für Eigenwilligkeit und Innovation.

Erstmal gibt es eine Geburtstags- und Jubiläumsparty mit rund 250 Gästen in Iris von Arnims’ Hamburger Stadtvilla. „So groß habe ich noch nie gefeiert“, sagt die Jubilarin, „aber ich habe schon als Habenichts mit 25 Jahren in einem Abbruchhaus Feste gegeben“. Eine Sause mit vielen Prominenten soll es allerdings nicht werden, eher eine Feier für Freunde. „Sogar Freunde, von denen Iris seit 15 Jahren nichts gehört hat, kommen am Samstag“, freut sich von Arnim junior. Absagen habe es bisher nicht gegeben – „alle kommen“. Ein Highlight bei der Feier sollen überlebensgroße Videoinstallationen mit Bildern aus der 35-jährigen Firmengeschichte sein, die an die Wände projizierte werden.

Der größte Geburtstags-Wunsch für seine Mutter: „Das sie sich mehr zurückzieht und mehr Zeit für sich hat. Einfach mehr Ruhe und mehr Zeit“, so der Sohn. Viele Stunden der Muße wird sie sicher auf ihrer Lieblingsinsel Sylt verbringen.

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