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Interview mit Katrin Fifeik : "Die Bürger waren schon immer stark"

vom

60,4 Prozent der Stimmen und zehn von 13 Sitzen in der Gemeindevertretung - die Wählergemeinschaft "Aktive Bürger Wenningstedt-Braderup" hat von den Wählern die Verantwortung für die Geschicke der Gemeinde übertragen bekommen. Neue Bürgermeisterin wird Katrin Fifeik, die im Gespräch mit Jörg Christiansen und Martin Stralau erläutert, was sich in der Gemeindepolitik jetzt ändern wird.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2008 | 06:14 Uhr

Haben Sie auch nur im Entferntesten mit so einem Wahlerfolg für die Aktiven Bürger gerechnet?

Ich habe auf sieben, vielleicht auch noch acht Sitze gehofft. Uns war klar, dass wir sieben Mandate brauchen, weil wir das, was wir anpacken wollen, nicht umsetzen können, wenn die Gegenströmungen zu stark sind. Mit so einem Ergebnis wie jetzt haben wir alle nicht gerechnet.

Haben Sie angesichts des Ergebnisses einen besonderen Respekt vor der kommenden Aufgabe?

Ich habe einen ganz besonderen Respekt vor den Bürgern, die so entschieden haben. Die Aufgabe werden wir bewältigen, weil wir den Bürgern ganz deutlich gesagt haben, dass wir nur etwas erreichen können, wenn sie uns zur Seite stehen. Wir haben gesagt: "Wenn ihr uns wählt, gebt ihr uns auch das Versprechen, uns zu helfen." Das gibt mir eine besondere Sicherheit.

Andererseits gibt es unter den zehn Gemeindevertretern der Aktiven Bürger kaum welche mit Erfahrung in der Kommunalpolitik...

Das sehe ich nicht als eine Gefahr, sondern als Chance. Wir wollen ja nicht auf Bestehendes aufsatteln, sondern Neues umsetzen. Aussagen wie, "das haben wir schon versucht, das klappt sowieso nicht", werden wir mit vielen frischen Leuten sicher nicht so oft hören. Natürlich müssen wir vom Amt jede Unterstützung kriegen, die wir anfordern. Außerdem gibt es ja Kurse als Vorbereitung für neue Mandatsträger, die wir natürlich nutzen werden.

Wie wird die politische Arbeit in Wenningstedt-Braderup künftig konkret aussehen, wie wollen Sie die Bürger einbinden? Wird es zu jeder größeren Entscheidung eine Bürgerbefragung geben?

Ich persönlich stelle mir vor, dass wir für Arbeitsbereiche wie Soziales, Flughafen, touristisches Leitbild oder auch Kurhaus vor der Beratung in den Gremien Arbeitsgruppen bilden, in denen jene, die Interesse haben, mitarbeiten. Das sind nicht nur die gewählten Vertreter oder Mitglieder der Aktiven Bürger. Damit vermeiden wir, dass uns die Nähe zum Bürger fehlt. Wir haben uns auf jeden Fall Ehrlichkeit gegenüber dem Bürger geschworen, im Positiven wie im Negativen. Wenn uns das gelingt, ziehen die Bürger auch mit. Die waren in Wenningstedt schon immer stark und werden es auch bleiben.

Wie wichtig wird das Instrument der Bürgerbefragung bis hin zum Bürgerentscheid?

Wir haben ja schon vor der Wahl die Bürger befragt, welche Ideen sie als Übergangslösung für das Bauloch haben. Und wir werden sie weiter befragen und mitentscheiden lassen, was sie in Sachen Kurhaus wollen. Genauso beim Thema Fusion. Wenn Westerland und Sylt-Ost fusioniert haben, werden sicherlich auch bei uns im Ort die Rufe lauter werden, sich dem anzuschließen. So etwas wird nicht am grünen Tisch entschieden. Dazu gibt es auch bei uns innerhalb der Gruppe zu viele verschiedene Positionen. Bei großen Themen wird es in Wenningstedt-Braderup garantiert Bürgerentscheide geben.

Sie stehen einer möglichen Fusion also offen gegenüber? Obwohl sie dann die gerade erst gewonnene Macht wieder verlieren würden?

Wir sind alle nicht aus Machthunger dahingekommen, sondern eher aus Verzweiflung. Wenn jetzt von denen, die fusionieren der Beweis angetreten wird, dass wir auch eingebunden und mit unseren Anliegen glaubhaft vertreten werden, dann wird sicher ein großer Teil der Aktiven Bürger für eine Fusion sein. Auch wenn es jetzt vorrangig unsere Aufgabe ist, uns um die Belange im Ort zu kümmern.

Wie wird es beim Thema Kurhaus jetzt konkret weitergehen?

Ein konkreter Zeitplan ist schwierig, da wir noch nicht genau wissen, wie die Rechtslage mit Herrn Densch ist. Wir werden zunächst prüfen lassen, ob nicht doch ein Rücktritt vom Vertrag möglich ist, ohne Schadensersatz an den Investor zu zahlen. Die Frage ist für mich viel mehr, ob nicht Wenningstedt-Braderup einen Imageschaden erlitten hat, durch eine Planung, bei der auch Herr Densch wusste, dass es im Ort starken Widerstand gegen das Projekt gibt. Wir gehen nicht davon aus, dass die Gemeinde einen sechs- oder siebenstelligen Betrag an den Investor zahlen wird. Danach wird man eine akzeptable Zwischenlösung finden und sich Zeit lassen müssen, um herauszufinden, was aus dem Kurhausgelände werden soll. Die Vorschläge der Studenten von der Fachhochschule Köln, die bis Juli 18 Entwurfszeichnungen abgeben werden, werden sicher gute Ansätze enthalten.

Wegen der rechtswidrigen Kandidatur der WWB 51, die einen Sitz im Gemeinderat erlangt hat, könnte die Wahl angefochten und wiederholt werden. Wird Ihre Gruppierung Widerspruch einlegen?

Garantiert nicht. Und zwar weil wir die Bürger ernst nehmen. Was Herr Schmidt vor der Wahl gemacht hat, ist die eine Sache. Aber die Stimmen, die er bekommen hat, sind so gering, dass sie nicht ins Gewicht fallen und eine Wiederholung der Wahl in keinem Verhältnis dazu steht. Aber CDU und SPD haben ja angekündigt, die Wahl anzufechten. Dann müssen Kommunalaufsicht und eventuell Verwaltungsgericht abwägen, ob der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis stehen.

Sollte es zur Neuwahl kommen, erwarten Sie dann erneut ein so gutes Ergebnis für die Aktiven Bürger?

Ich denke schon. Die Bürger wollen klare Verhältnisse und haben ganz bewusst so gewählt. Das werden sie auch bei einer Nachwahl tun. Wichtig ist uns, dass sich auch dann zuvor auf jeden Fall die jetzt gewählte Vertretung konstituiert und nicht der alte Bürgermeister die Geschäfte weiterführt.

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