zur Navigation springen

Wolliger Pflegetrupp auf Sylt : Die Braderuper Heide hat einen neuen Schäfer

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Wanderschafherde ist seit einigen Tagen in der Braderuper Heide unterwegs. Die 429 Tiere auf Sylt zu Hüten ist eine besondere Aufgabe.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 05:14 Uhr

Die Braderuper Heide hat wieder einen Schäfer: Um 429 Heidschnucken kümmert sich seit dem Wochenende Thomas Kohut (47) aus Baden-Württemberg. Die Tiere tragen durch das Abknabbern der Pflanzentriebe zur Heidepflege bei. Nachdem der letzte Schäfer der Wanderschafherde 2013 aus gesundheitlichen Gründen gegangen war, gab es zunächst keinen neuen in der Heide. Auf Initiative des Landschaftszweckverbandes Sylt (LZV) und dem Land Schleswig-Holstein – die sich die Kosten teilen – ist es jetzt gelungen wieder einen Schäfer auf die Insel zu holen. Die Schafe gehören der Tierärztin Uta Wree aus Schleswig.

„In diesem Sommer haben wir die Stelle ausgeschrieben – Frau Wree war mit ihren Tieren die einzige Bewerberin“, erzählt Ruth Weirup, Leiterin des LZV. Einen Schäfer zu finden, der auf die Insel kommt sei schwierig, denn auf dem Festland gäbe es genügend Weideflächen, für die wenigen Wanderschafherden. Durch einen Zufall seien sie schließlich auf Wree und Kohut gestoßen.

Da die Heide eine Kulturlandschaft ist, muss sie regelmäßig gepflegt werden – durch die Beweidung mit Schnucken, das Brennen oder das sogenannte Plaggen, dem Abstechen von Teilen des Bodens. „Diese Maßnahmen sind nötig, da die Heide eine Suizidgesellschaft ist, was bedeutet, dass sie nährstoffarme Böden zum Wachsen braucht, diese aber mit der Zeit mit Nährstoffen anreichert“, schreibt die Naturschutzgemeinschaft Sylt. Diese Nährstoffe tragen die Schnucken mit ihrem Kot aus der Heide heraus: Mittags und in der Nacht „koten“ sie nach dem Widerkäuen in einem Unterstand aus. Dadurch sorgen sie dafür, dass die 150 Hektar große Braderuper Heide ausgemergelt wird und damit für Tiere und Pflanzen interessant bleibt und nicht abstirbt.

„Die ersten Tage waren eine große Umstellung für die Schafe, aber die machen sich sehr gut bisher“, sagte ihre Besizterin. Sieben Tage die Woche und rund um die Uhr ist jetzt Schäfer Kohut, mit seinen zwei Hunden für die Tiere verantwortlich. Zehn Stunden am Tag schlagen sie sich unter seiner Aufsicht in der Heide die Bäuche voll. „Den Schafen gefällt es hier und es ist ein angenehmes Hüten“, zeigte sich der 48-Jährige gestern, nach seinem ersten Tag auf der Insel, zufrieden.

Auch Margit Ludwig von der Naturschutzgemeinschaft ist begeistert von den neuen Bewohnern: „Wir freuen uns sehr über die Schafe und ihrem Schäfer – das ist ein toller Anblick.“ Der Verein ist für die Betreuung des Gebiets verantwortlich. Er klärt Besucher über die Heide und ihre Pflege auf und bietet Führungen durch das Schutzgebiet an. Besonders wichtig sei es, dass Hunde angeleint sind, um die wolligen Tiere mit der besonderen Aufgabe, nicht zu gefährden, sagt Ludwig. Von einem Hund gejagt zu werden, versetze die Herde in große Panik und könne Todesangst auslösen. Was für den Zuschauer lustig aussieht – wenn Schafe zum Beispiel die Dünen herunterstolpern – bedeute für das Tier Stress pur.

Wenn Zwischenfälle mit Hunden ausbleiben, soll die Herde für einige Monate auf der Insel und zunächst die Braderuper Heide beweiden, bevor sie zum Naturschutzgebiet Morsum Kliff weiterzieht.

Besonders gerne fressen die Tiere die Rosa Rugosa (Kartoffelrose oder Kamtschatkarose). Diese invasive Art aus Sibirien verdrängt die Heide und somit auch die seltenen Pflanzen, die dort wachsen. Von den 150 Pflanzenarten, die man in der Heide finden kann, steht rund die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Arten – das macht die Heide besonders schützenswert. Die Schnucken in der Morsumer Heide sind die einzige Wanderschafherde auf der Insel. Auch in List wandern Schafe, dort allerdings wild und ohne Schäfer.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen