Schädlinge und Klima-Stress : Die Bienen sterben wie die Fliegen

Im vergangenen Jahr zählten die mehr als 2500 Imker in Schleswig-Holstein noch 21.176 Völker. Foto: dpa
Im vergangenen Jahr zählten die mehr als 2500 Imker in Schleswig-Holstein noch 21.176 Völker. Foto: dpa

Schädlinge, Insektizide und Klima-Kapriolen ließen rund ein Drittel aller Bienenvölker eingehen. Honig wird nun weniger - und teurer.

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24. März 2012, 11:50 Uhr

Warder/Segeberg | Nur noch vier seiner 16 Bienenvölker haben den Winter überlebt. Heiner Büller (72), Hobbyimker in Warder (Kreis Rendsburg-Eckernförde), hat es besonders schwer getroffen. Die meisten seiner Kollegen im Land klagen ebenfalls über ein drastisches Bienensterben. "Rund ein Drittel aller Völker in Schleswig-Holstein sind eingegangen", berichtet Jörg Pardey (52), Bienenzuchtberater beim Landesverband Schleswig-Holsteinischer und Hamburger Imker in Bad Segeberg.
Im vergangenen Jahr zählten die mehr als 2500 Imker in Schleswig-Holstein noch 21.176 Völker. Die fleißigen Bienen - und Imker - sorgten insgesamt für einen Ertrag von gut 823 Tonnen schleswig-holsteinischen Honig. "Das wird jetzt weniger werden", sagt Imkermeister Pardey voraus. Und: "Guter Honig wird teurer."
"Und dann kam im Februar der Kälterückschlag"
Viele Faktoren kommen nach den Worten von Pardey für das Bienensterben in Frage: Schädlinge, Insektizide, aber derzeit vor allem die Klima-Kapriolen. Hauptschädling ist die Varroamilbe, die nach wie vor ganze Völker befällt. Zudem hat der regennasse Sommer 2011 den Bienen besonders zugesetzt. "Sie kamen geschwächt in den Winter." Darüber hinaus verhindere zu viel Regen die effektive Bekämpfung der Varroamilbe. In der kalten Jahreszeit wiederum war es zunächst zu warm, viele Völker hätten bereits im Dezember und Januar ihre Brut angelegt. "Und dann kam im Februar der Kälterückschlag", skizziert Pardey den Klima-Stress für die Bienen.
Maissaatgut-Beizmittel hingegen, die vor einigen Jahren in Süddeutschland zum massenhaften Bienensterben geführt hatten, seien inzwischen verboten worden, so Christoph Heidbreder vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer. Bienenzuchtberater Pardey bescheinigt den Bauern heutzutage einen umsichtigen Umgang mit Insektiziden. Der zunehmende Maisanbau sei dennoch ein Problem: Die Bienen sammeln Pollen der Maisblüte, füttern damit ihre Brut. "Die enthalten aber zu wenig Eiweiß", weiß der Imkermeister. "Das ist so, als wenn wir Menschen nur von Weißbrot leben müssten."
Die Imker im Land werden versuchen, die Bienenvölker wieder zu vermehren. Einen Ertrag werden sie aber erst 2013 erbringen. Das Bienensterben sei außerhalb von Europa jedoch ein noch größeres Problem, weiß Pardey. Mit gravierenden Folgen für das Ökosystem und für die Menschheit. "80 Prozent der Wild- und Nutzpflanzen werden von Honigbienen bestäubt." Hobby-Imker Heiner Büller setzt noch einen drauf: "Die Biene ist nach Rindern und Schweinen das drittwichtigste Nutztier des Menschen."

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