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Sylter Rundschau

23. Oktober 2017 | 14:03 Uhr

Miris Sylt : Die Bienchen

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 08:29 Uhr

Das haben wir das auch wieder geschafft. Himmelfahrt.

Ich frage mich aber jedes Jahr: Wo kommen auf Schlag diese ganzen Menschen her? Treiben wie in einem Bienenstock.

Den Bienenstock muss man auf Sylt nicht suchen. Es ist eindeutig der Bahnhof. Von da strömen die Bienchen mit und ohne Rollkoffer erstmal in Richtung Friedrichstrasse. Es würde mich ohne Ende interessieren, wie viele Ländertickets die Bahn alleine Jahr für Jahr am Himmelfahrtstag an wie viele Bienenfamilien vertickt. Fakt ist: alle Bienchen wollen eines: einen besonders schönen freien Tag verbringen. Nichts leichter als das, sagt sich eine Insel wie Sylt alle Jahre wieder.

Auch dieses Jahr flogen die Bienchen in alter Manier erst einmal den kompletten Strand rauf und runter: von der Kurmuschel bis zu Wonnemeyer, von dort bis zur Sturmhaube, selbst um die Südspitze oder um den Ellenbogen herum traf man untypischerweise nicht nur vereinzelt andere Bienchen, sondern Scharen. Was die Futtersuche der Bienchen angeht, habe ich eindeutig beobachtet, dass sie sich tagsüber größtenteils von Kuchen, Eis, Waffeln und Crêpes ernährt haben. Was das Eis angeht, habe ich aufopferungsvoll einen Selbsttest bei Leysieffer gemacht. In einer Schlange mit ca. 30 weiteren Bienchen habe ich genau fünf SMS-, zwei Kurztelefonate und einen Schnack mit einer Freundin lang gewartet. Das Eis war’s allerdings wert.

Den Kaffee gab’s dann aber bei mir zu Hause. Der Grund: zu volle Cafés - und zu viele bereits davor als Ablösung wartende Bienchen (lustig zu beobachten, wie viele zur Kaffeezeit vor dem Schaufenster des Schuhladens Lloyds oder vor Depot "eine Warteschleife fliegen" und auf freie Plätze hoffen). Ab frühem Abend kehrte dann überall ein wenig Ruhe vor dem nächsten "Ausflug" ein. Da hieß es wohl bei den anderen Bienchen - wie bei mir auch - Flügel schonen für die abendliche Pollen-, bzw. Nektarsuche.

Die Blumen (Restaurants) hierfür sollten allerdings lange im Voraus gebucht sein. Und wenn nicht, dann schwirrt man eben irgendwo bei der Südstrandhalle, im L.A., den diversen Gosch’s, der Sansibar und Co. draußen herum. Sylt ist und bleibt schließlich eine "Draußen- Insel". Das ist mittlerweile ein absolutes Markenzeichen. Wo man es irgendwie draußen aushalten kann, verbringt man seinen Tag unter freiem Himmel, statt im Bienenstock. Zur Not mit den fast überall dafür zur Verfügung gestellten Hilfsmitteln wie Sonnen-, bzw. Regenschirmen, Heizstrahlern oder schlichten wärmenden Decken. Irgendwo bekommt man auf Sylt immer leckeren Nektar. Auch an Tagen wie Himmelfahrt, wo endlos viele Bienenvölker die Insel anfliegen. Bei vielen Bienchen heißt dieser an Himmelfahrt übrigens häufig Spargel. So auch bei mir. Mit vollem Bienenrumpf ging’s dann noch wie gehabt ins Nachtleben. Alles beim Alten. Alle anderen Honigbienen getroffen, durch alle Locations geschwärmt und über die Tanzfläche gesurrt.

Den Tag danach traf man sie dann alle wieder - mit dicken schwarzen Sonnenbrillen. Morgen schwärmen die Bienchen dann wieder Richtung Bienenstock. Irgendwann neigt sich leider auch ein Himmelfahrtswochenende mal dem Ende zu. Ich bin aber nicht traurig.

Der Grund: Weltweit werden die Bienenvölker zwar weniger, die Bienenvölker namens "Gäste" auf Sylt zum Glück nicht. Nicht an Himmelfahrt, dem Tag aller Sylt-Tage. Bis zum nächsten Jahr also, liebe Bienchen. Ich freue mich jetzt schon auf euch.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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