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Interview : „Die besten Geschichten schreibt das Leben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anne Gesthuysen liest in Kampen aus ihrem Buch „Sei mir ein Vater“. Im Interview erzählt sie über ihre Beziehung zu Sylt, wie sie ihre Romanfiguren (er)findet und starke Frauen in der Geschichte.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2016 | 05:55 Uhr

Am Donnerstag, 2. Juni, liest die Journalistin und Bestsellerautorin Anne Gesthuysen im Rahmen des Kampener Literatursommers im Kaamp-Hüs aus ihrem neusten Roman „Sei mir ein Vater“. Im Interview mit der Sylter Rundschau gibt sie einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Zuhörer erwartet.

Frau Gesthuysen, Sie haben bereits 2013 im Rahmen des Literatursommers auf der Insel aus Ihrem Debütroman „Wir sind doch Schwestern“ gelesen. Jetzt kommen Sie mit „Sei mir ein Vater“ zurück nach Sylt. Freuen Sie sich darauf?
Ja, sehr sogar. Es hat mir auf der Insel damals wirklich gut gefallen. Auch, wenn ich jetzt nicht so ein selbstverständlicher Sylt-Besucher bin. Viele Menschen, die weiter nördlich leben, haben die Sylt-Urlaube in die Wiege gelegt bekommen. Das war bei uns nicht so, ich habe die Insel zum ersten Mal als Erwachsene besucht. Aber die paar Besuche waren toll. Obwohl ich gestehen muss, dass ich bisher noch nie schönes Wetter hatte.

Bleiben Sie nur für die Lesung oder Verknüpfen Sie Ihren Aufenthalt gleich noch mit einem kleinen Urlaub?
Mein Mann und ich bleiben von Donnerstag bis Sonntag und freuen uns auf lange Spaziergänge, viel Natur und den Wind um die Ohren.

Machen Sie unseren Lesern doch mal Lust auf die Lesung im Kaamp-Hüs und Ihr neues Buch...
Wer schon bei der letzten Lesung war, wird altbekannte Protagonisten wiedertreffen, denn ich schreibe etwas, das an meine Familie angedockt ist. Diesmal ist es die Geschichte meiner französische Freundin und ihre Familiengeschichte. Sie kam als leicht versnobte, existenzialistische Pariserin in den 80er Jahren auf das platte Land an den Niederrhein zu Menschen mit hässlichen Stufenhaarschnitten, komischen Karottenjeans und einer Sprache, die sie für nicht besonders schön und melodisch erachtete (lacht). Sie stellte dann aber fest, dass so ein großer Familienzusammenhalt mit Großeltern und Großtanten doch irgendwie auch ganz schön sein kann. Und natürlich lernt die Französin auch Tante Katty aus Wardt kennen.

In ihrem ersten Roman verknüpften Sie Realität mit Fiktion. Wie viel Realität steckt in „Sei mir ein Vater“?
Der Roman hat einen realen Ursprung. Den eigentlichen Kern der Geschichte bildet die Familie meiner Freundin, vor allem ihre Großtante. Sie war Künstlerin und die großen Künstler der Belle Époque, unter anderem Henri Matisse, ging bei ihr ein und aus. Diese Frau, Georgette Agutte, steht im Mittelpunkt der Geschichte. Sie war für ihre Zeit unglaublich emanzipiert und traute sich Dinge, die eine Frau um die Jahrhundertwende noch nicht durfte. Sie akzeptierte diese gesellschaftlichen Konventionen und Verbote nicht. Sie wollte unbedingt Malerin werden und eine Ausbildung an der Universität absolvieren.

Wie kommen Sie auf so eine Protagonistin?
Es ist im neuen Roman im Grunde ähnlich wie beim ersten Buch: Ich nehme Personen, die es in der Realität gegeben hat und deren Leben verarbeite ich zu einem Roman. Die Figuren sind sicherlich nicht eins zu eins mit dem realen Vorbild identisch, aber diese Großtante hat es gegeben und ebenfalls die Tatsache, dass sie mittendrin war in diesem besonderen Künstlerkreis. Ihr Mann war Politiker, der erste sozialistische Minister den Frankreich je hatte und der schließlich aufgrund der Intrigen seiner Partei aus dem Amt scheiden musste.

In welches Genre würde der Roman passen?
Es ist ein bisschen Politkrimi und ein bisschen Kunstkrimi - all das aber als Aufarbeitung einer realen Geschichte. Drum herum findet sich die Skurrilität von dem Clash der Kulturen Paris meets Niederrhein.

Ist es für Sie leichter, Romane zu schreiben die einen wahren Kern haben?
Es gibt verschiedene Arten, was Autoren mit einem Roman auslösen wollen. Mein erster Antrieb ist, dass ich eine Geschichte erzählen will. Und die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht in die reine Fiktion gehen muss, sondern mich einfach in meinem näheren Umfeld umgucken muss, um diese Geschichten zu finden. Ich finde es einfach total spannend, mir das Leben anzugucken, mir die Essenz heraus zugreifen und diese mit Fiktion zu bearbeiten. Ich war begeistert von diesem Ehepaar, den Protagonisten des Romans, und ihrer großen Liebe, die in Vergessenheit geraten ist. Obwohl sie in ihrer Zeit so etwas wie Brangelina waren, ein totales Glamour-Paar. Für den Roman nehme ich die Eckpunkte, die ich finden konnte, um sie dann zu einer Geschichte zu verarbeiten. Das ist eine Arbeit, die mir total Spaß macht.


Die Lesung mit Anne Gesthuysen am Donnerstag, 2. Juni, beginnt um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr im Kaamp-Hüs. Ab 17 Uhr ist sie für eine Signierstunde im Buchhaus Voss. Karten für die Lesung kosten 17 Euro im Vorverkauf und 19 Euro an der Abendkasse.

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