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Verkaufspläne : Die BASF will ihr Westerländer Hotel verkaufen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit dem „Haus Westerland“ verschwindet das letzte Mitarbeiter-Urlaubsdomizil von der Insel. Einst hatten viele Unternehmen derartige Häuser auf Sylt.

Die BASF plant, bis Jahresende ihr Westerländer Hotel Haus Westerland zu verkaufen oder zu verpachten. Das Hotel in prominenter Lage nutzt die BASF seit 1979 als Erholungsheim für Mitarbeiter. Solche unternehmenseigenen Urlaubsressorts gab es früher häufiger auf der Insel. Mit dem Verkauf des BASF-Hotels aber würde die letzte Einrichtung dieser Art auf Sylt verschwinden.

An der Auslastung kann es nicht gelegen haben, dass sich die BASF dazu entschied, das Hotel zu verkaufen: „Das Haus Westerland wurde in den vergangenen Jahren sehr gut besucht und hatte im Durchschnitt eine Auslastung von mehr als 90 Prozent“, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Allerdings müssen dies nicht zwangsläufig BASF-Mitarbeiter gewesen sein, im Laufe der Zeit durften hier auch Gäste, die nicht beim Unternehmen angestellt waren, ihren Urlaub verbringen. Woran es wirklich liegt, dass sich das Unternehmen von dem Haus trennen will, das in den vergangenen Jahren aufwendig saniert worden ist, auf diese Frage antwortet die Sprecherin vage: Während die beiden anderen Erholungs-Häuser der BASF im Hochschwarzwald und in der Pfalz entweder ein breitgefächertes Seminar- und Tagungsangebot oder Gesundheitsförderung für die Mitarbeiter böten, sei das Haus Westerland ein „reines Urlaubshotel“. Laut Medienberichten hat der geplante Verkauf auch etwas mit Neustrukturierungen innerhalb des Unternehmens zu tun.

Früher hatten viele große deutsche Unternehmen Gästehäuser für ihre Mitarbeiter auf der Insel. So gehörte beispielsweise das prominente Kampener Haus Kliffende phasenweise der Deutschen Bank, die es ab 1955 leitenden Angestellen für ihren Urlaub zur Verfügung stellte. In ähnlich prominenter Lage, auch direkt hinter den Dünen, nutzte die Landeszentralbank Hamburg einst das heutige Luxushotel Sölring-Hof als Urlaubsressort für staatliche Bänker. Als die Dünen allerdings in den 80er Jahren bis kurz vor die Hauswand wegbrachen, verkaufte die Landesbank das Haus zum Spottpreis von 150  000 DM an die Gemeinde Rantum.

Doch nicht nur für Banker, auch für Eisenbahner wurde auf Sylt ein Urlaubsdomizil geschaffen: 1927 gründete das Reichsbahnsozialwerk das heutige Dünenhotel Alt Rantum als Erholungsstätte für Eisenbahner. Das Hotel wurde 1997 an die Stiftung Bahn-Sozialwerk (BSW) überschrieben. Das BSW, die größte betriebliche Sozialeinrichtung der Deutschen Bahn, betreibt das Hotel auch heute noch. Wer dort Urlaub machen will, muss aber nicht mehr zwangsläufig Bahner sein, sondern entweder als sogenannter Förderer einen Mitgliedsbeitrag an das BSW zahlen oder als „normaler“ Gast kommen. Letztere müssen allerdings mehr zahlen: „Während der Hauptsaison kostet ein Doppelzimmer für Förderer 120 Euro, alle anderen müssen 60 Euro mehr zahlen“, erklärt Hotelleiter Thies Petersen. Fast hundert Prozent der Gäste seien demnach Förderer, wie viele von ihnen wirklich Eisenbahner sind, weiß Petersen nicht. Durch die für Sylter Verhältnisse recht günstigen Zimmerpreise sei die Auslastung des Dünenhotels gut, so Petersen, sie liege bei rund 85 Prozent.

Auch Gewerkschaftsmitglieder können noch heute auf Sylt günstiger Urlaub machen. Einst von der IG Bau gegründet, vermietet das Ferienzentrum Wenningstedt der GEW Ferien GmbH ihre Appartements heute an alle Gewerkschaftsmitglieder um 15 Prozent günstiger.

Warum die Zahl der klassischen Unternehmens-Hotels kontinuierlich zurück geht, dafür gibt es verschiedene Theorien. Experten vermuten, dies könne unter anderem mit steuerrechtlichen Gründen zusammenhängen. Aber auch mit einem veränderten Urlaubsverhalten, bei dem ein solcher Unternehmensurlaub nicht mehr so attraktiv ist.

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erstellt am 02.Apr.2016 | 05:30 Uhr

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