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Bahnstrecke Hamburg-Westerland : Die Bahn fährt wieder pünktlich – fast

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vor zwei Tagen hat DB Regio den Nahverkehr auf der Westküstenstrecke übernommen. Unser Reporter war gestern vor Ort und hat sich informiert

Alles auf Anfang: Fahrplanwechsel, Betreiberwechsel. Seit Sonntag fährt DB Regio statt der NOB den Personennahverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland. Optisch gibt es allerdings noch keine Freude. Es sind alte Waggons, alles riecht ein wenig nach Nostalgie. Die Wagen sind zwar nicht schön, aber zweckmäßig – man sitzt robust. Es bleiben harte Zeiten für die Pendler, so oder so. Am Montagfrüh allerdings die erste positive Meldung: „Die Fahrt um 5.31 Uhr war sehr angenehm. Die Leute in der DB-Uniform sehen viel cooler aus.“ Das hört sich gut an – auch die Schlagzahl wird erhöht. Von 6 Uhr morgens bis halb neun können 3000 Leute mitfahren – im Sitzen. Fazit der DB Regio nach zwei Tagen: Das Ersatzkonzept der Deutschen Bahn hat zum Betriebsstart funktioniert. Es fielen bisher keine Züge aus, und die Kapazitäten reichten aus, um alle Fahrgäste mitzunehmen.

Bernhard Wewers, Geschäftsführer des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein (NAH.SH) hatte sich gestern Morgen vor Ort selbst ein Bild gemacht und war mit dem Zug um 6.30 Uhr von Husum nach Westerland unterwegs, gemeinsam mit Achim Bonnichsen, dem Sprecher der Facebook-Pendler-Gruppe. Der Kommentar des NAH.SH-Chefs ist überaus positiv: „Bisher funktioniert das Ersatzkonzept von DB Regio gut. Das freut mich vor allem für die vielen Pendlerinnen und Pendler, die in den vergangenen Wochen Einiges auszuhalten hatten.“

Achim Bonnichsen kommt am Montag-Nachmittag um halb fünf von seiner Arbeit auf der Insel zurück. Er hat sich umgehört: „Noch läuft alles gut. Heute morgen zehn Minuten Verspätung, ohne Mitteilung, das geht noch. Nett war, dass es morgens Kaffee umsonst gab.“ Doch er hat auch Wünsche. „Die Gastronomie-Mitarbeiter auf Sylt haben zwischen 22.22 und 00.02 ein richtiges Loch. Da hätten wir gerne einen weiteren Zug. Und der Zug um 6.31 Uhr ist knallvoll. Da wünschen wir uns eine Verlängerung, sprich mehr Waggons wie bei der NOB.“

Achim Bonnichsen hofft weiter auf Verständnis bei DB Regio: „Heute wurden sogar die Erste-Klasse-Abteile freigeben. Das sollte so bleiben.“ Verspätungen gibt es jedoch nach wie vor. Dann darf der launige Schaffner verkünden: Der HSV hat gewonnen, doch der Zug am Sonntagnachmittag fährt wegen Vandalismus eine halbe Stunde später. Rätselhaft. Und ein Zug, der am Nachmittag von Sylt abfährt, hat ein gefährliches „Sesam, öffne Dich“. Eine Tür steht auf, kurz vor Niebüll. Ist jemand rausgesprungen? „Es war nicht die erste Tür. So etwas darf nicht passieren. Ich habe schon von weiteren Fällen gehört“, sagt Achim Bonnichsen. DB Regio wies direkt danach darauf hin, in solchen Fällen entweder schnellstens dem Zugpersonal Bescheid zu sagen oder die Notbremse zu ziehen. An den Bahnsteigen müsse man zudem auf die weißen Linien am Boden achten, damit es nicht zu Verletzungen am Bahnsteig kommt.

Egal, wohin man schaut: Die Zeit der blauen NOB-Automaten ist vorbei, sie sind abgebaut von Niebüll bis Hamburg-Altona. Es bleiben die „roten“ DB-Automaten. Noch sind die Schaffner gnädig: Wer kein Ticket hat, darf im Zug eins kaufen. Doch das soll sich ändern. Künftig muss man glaubhaft nachweisen, dass der Automat nicht funktioniert. „Unsere Mitarbeiter sind für andere Dinge wie Fahrgastformationen zuständig“, erklärt DB-Sprecherin Manuela Herbort. Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis legt nach: „Man kann auch über den DB-Navigator eine Fahrkarte lösen. Nach einer Karenzzeit werden wir durchgreifen.“ Ein Strafticket kostet dann 60 Euro. Das hört sich nach einem härteren Kurs an. Dennoch: Kunden sollen nicht gleich zum Start vergrault werden. Als zum Beispiel in Langenhorn der Automat versagt, zeigt man sich großmütig. „Am Anfang ist alles schwer“, so Meyer-Lovis. Er setzt auf den Lerneffekt. Der Schaffner, der von der NOB übernommen wurde, lächelt. „Wir kennen doch unsere Pappenheimer.“

Die nächsten Tagen bleiben für alle spannend – ob Betreiber oder Reisende. „Ein Zwischenfazit wird es am 20. Dezember bei einem erneuten Treffen zwischen Vertretern der Bahn, Politikern, Unternehmern und Pendlern geben“, erklärt Achim Bonnichsen und verspricht: „Wir bleiben auf jeden Fall am Ball.“


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erstellt am 13.Dez.2016 | 05:30 Uhr

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