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Spanische Praktikanten : Die Arbeitsnot trieb sie nach Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Spanier Cristian Garcia Garcia und Roberto Augusto Lopez Perez haben vier Praktikumswochen hinter sich. Die Sprache ist dabei die größte Hürde

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 06:00 Uhr

„Die Zeit vergeht sehr schnell“, sagt Roberto Augusto Lopez Perez nach vier Wochen Praktikum im Hotel Budersand in Hörnum. Er und sechs weitere junge Spanier sind für drei Monate nach Sylt gekommen, um ein Praktikum in verschiedenen Hotels zu machen. Mit der Aussicht auf eine Ausbildung und somit einen festen Job, den sie in ihrer Heimat nicht finden, lernen sie den alltäglichen Betrieb in den Hotels kennen (wir berichteten). Die Sylter Rundschau hat sich mit den Praktikanten Roberto Augusto Lopez Perez und Cristian Garcia Garcia getroffen, um zu hören, wie sie sich eingelebt haben.

Der 29-jährige Roberto fühlt sich sichtlich wohl. In dem ersten Drittel seines Praktikums hat er an der Seite von Personalleiterin Lena Kind gearbeitet. Diese ist „sehr zufrieden“ mit dem Einsatz von Roberto. Seine positive Einstellung und die guten Deutschkenntnisse würden es einfach machen, mit ihm zusammen zu arbeiten. „Auch wenn er selbst sagt, er hat Probleme mit der Sprache, spricht er richtig gut Deutsch“, sagt die Personalleiterin. Von den anderen beiden Praktikanten, die auch im Hotel Budersand hätten anfangen sollen, dann aber abgesagt hätten, wüsste sie nicht, ob die Sprachkenntnisse vergleichbar seien. „Es ist auch gut, dass wir nur einen Praktikanten haben, auf den wir uns konzentrieren können“, sagt Kind.

Auch der Restaurantleiter, Sebastian Künzl, kann nur Positives berichten. Die vergangenen zwei Wochen hat Roberto in der Küche gearbeitet und mitunter Gläser und Geschirr poliert und Speisen serviert. „Er lernt sehr schnell und alles ist problemlos abgelaufen“, sagt Künzl. Zwar würde er den Praktikanten momentan nicht im Restaurantbetrieb einsetzen – „da geht es ja auch darum, die Speisen von der Karte anzusagen“ –, doch er ist, genau wie seine Kollegin, zuversichtlich. Der 29-Jährige hat auch einige Erfahrungen als Kellner sammeln können, „das ist schon sehr lange her, doch da habe ich ähnliche Sachen gemacht“, erzählt Roberto.

Die kommenden zwei Monate wird er zum einen wieder in der Personalabteilung eingesetzt, doch auch die anderen Bereiche des Hotels kennen lernen, sagt Kind. Er solle schließlich überall reinschnuppern. Einen bestimmten Wunsch habe Roberto aber nicht, wie er sagt: „Ich arbeite da, wo die Arbeit ist.“

So flexibel wie er ist, hat er einem jungen Hotelgast – mit leichten Schwächen in der Spanischen Sprache – Nachhilfe gegeben, auf Nachfrage des Vaters. Ansonsten kommt der gebürtige Spanier aus Sevilla nicht sehr häufig in Kontakt mit Landsmännern oder -frauen – sie zieht es sicherlich in wärmere Gefilde.

So fremd wie die Insel für Roberto war, war sie es auch für Cristian Garcia Garcia aus San Pedro de Alcántara. Er hospitiert zusammen mit Dania Caballero Peña im Kampener Hotel Rungholt. Obwohl der 26-Jährige genauso positiv eingestellt ist, wie Roberto, und die Chance auf eine Ausbildung mindestens genauso ernst nimmt, hat er es schwerer. Denn er hatte keine Deutschkenntnisse im Gepäck – seit Wochen lernt er die fremde Sprache von der Pike auf, so wie Dania auch.

Die Hoteliersfrau, Sabine Erdmann, weiß den Einsatz und den mutigen Schritt ihrer Praktikanten zu schätzen. Doch sie hat auch gemerkt, dass die Sprache wohl die größte Hürde ist: „Es ist schon schwierig. Hier auf Sylt ist es eine ganz andere Welt. Und um die Sprache zu lernen und sich hier wohl zu fühlen, müssen sie auch soziale Kontakte knüpfen, das würde es leichter machen“, sagt Erdmann. Dennoch: „Wir sind froh, dass wir es gemacht haben“, sagt sie. Und wenn die Deutschkenntnisse besser werden, sehe es auch gut aus für eine Ausbildung – der Kontakt mit den Gästen und der Unterricht an der Berufsschule gehöre eben zu einer Ausbildung in der Hotelbranche dazu.

Cristian ist zuversichtlich und lernt die deutsche Sprache „Tag für Tag“. Er kann sich noch immer vorstellen, auf Sylt zu leben und zu arbeiten – auch wenn er seine Familie vermisst. „Egal was ich mache, meine Gedanken sind immer bei ihnen“, sagt der 26-Jährige. Wenn er nicht gerade in der Hotel-Küche arbeitet, nicht im Deutschkurs sitzt oder seine Hausaufgaben macht, erkundet er die Insel auf dem Fahrrad. Er sei bereits bis nach List geradelt oder auch nach Westerland zum Einkaufen – „hier in Kampen kann man ja nicht wirklich shoppen“, sagt Cristian.

Zum Ende des Praktikums im Mai, wird die Sylter Rundschau erneut mit den Praktikanten sprechen. Vielleicht bleiben einige von ihnen der Insel erhalten und beginnen eine Ausbildung auf Sylt.

 

 

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