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Integrationshilfe Sylt : „Die Arbeit macht uns alle unheimlich stolz“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Sprachschule der Integrationshilfe Sylt werden Schüler nach einem besonderen Konzept unterrichtet.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 18:32 Uhr

„Es macht mir einfach sehr viel Spaß“, sagt Claudia Wolters mit strahlenden Augen. Die Pädagogin ist seit Anfang November hauptamtlich in der Sprachschule für Flüchtlinge der Integrationshilfe Sylt angestellt und macht ihren Job mit ganzer Hingabe. Wenn die kurzhaarige Frau über ihre Arbeit spricht, lacht sie viel. „Irgendwie ist es Fügung, ich gehöre hier einfach her“, sagt sie und man merkt, dass sie mit dem Sprachunterricht für Flüchtlinge nicht nur ihren Lebensunterhalt verdient, sondern dass das ganze Projekt eine Herzensangelegenheit für sie ist.

So wie Claudia Wolters geht es vielen der knapp 70 ehrenamtlichen Helfer. Etwa 50 stehen auf einer Liste für den Deutsch-Unterricht, weitere 20 haben sich für die Kinderbetreuung eingetragen.Das hört sich erstmal viel an. Wenn man sich jedoch vor Augen führt, dass täglich zwischen 30 und 60 Schüler kommen, die in Gruppen mit maximal acht Personen unterrichtet werden sollen, relativiert sich die Zahl. Manche Helfer übernehmen wöchentlich einen Dienst, manche nur einen im Monat − je nachdem, wie viel Zeit sie sich freihalten können. „Wir kommen im Moment gerade so hin, brauchen aber dringend weitere Unterstützung“. sagt Wolters.

Unter den Lehrern seien alle möglichen Berufsgruppen, auch Rentner, junge Mütter und Hausfrauen. Eben jeder, der sich ein paar Tage im Monat Zeit nehmen kann. „Wir haben einige Kellner, die total flexibel sind – das ist natürlich super für uns.“

Der Unterricht beginnt jeden Tag um 16 Uhr. „Manchmal mehr, manchmal weniger pünktlich“, so Wolters. Kurz vor dem Unterricht ist es aber jeden Tag aufs Neue aufregend: „Zwischen 15.45 Uhr und 16.10 Uhr ist hier die Hölle los“, sagt sie, „wir wissen ja nie, wer kommt und vor allem, wie viele.“ Wenn dann aber alle in ihren Klassen untergebracht sind, könne man eine Stecknadel fallen hören, so konzentriert seien sie bei der Arbeit. In der Schule werde Wert darauf gelegt, dass kein Frontalunterricht stattfindet. „Bei uns ist der Lehrer Teil der Gruppe, er sitzt mit ihnen an einem runden Tisch. Die Schule ist aber auch Begegnungsstätte mit einer Atmosphäre, in der man sich einfach wohlfühlen soll“, erklärt die Pädagogin.

Wolters selbst unterrichtet keine eigene Klasse in der Schule. „Ich mache den Lehrplan für die verschiedenen Gruppen, stelle das Material zusammen und weise die Lehrer ein“, erzählt sie. Außerdem gehe sie durch die Klassen, schaue sich das Niveau der Schüler an und bringe ihnen neue Grammatik bei: „Wenn jetzt zum Beispiel die Possessivpronomen anstehen, dann führe ich in dieses Thema ein“, sagt sie. Die Aufgabe der ehrenamtlichen Lehrer sei es dann „zu üben, zu üben und zu üben. Bis auch der Letzte es beherrscht. Und dann üben wir es noch zehn Mal.“ Diese Organisationsform laufe fantastisch, erzählt sie, „allerdings ist es auch viel Arbeit, für sechs verschiedene Niveaustufen jeden Tag neues, durchdachtes, aufeinander aufbauendes Material zusammenzustellen.“

Die Anforderungen an die Lehrer sind eigentlich simpel: „Vorkenntnisse als Lehrer braucht man nicht“, sagt Wolters, „man muss sich aber auf die Menschen hier einlassen wollen. Sie sind so, wie sie sind und man muss manchmal ganz vorsichtig auf sie zugehen.“ Außerdem müssen sich die ehrenamtlichen Helfer auf das Konzept der Sprachschule einlassen und bereit sein, danach vorzugehen. „Sie bekommen von mir die Arbeitsblätter und müssen diese mit ihren Schülern bearbeiten − und nichts anderes.“ Bisher seien alle 50 Lehrer mit diesem Konzept sehr glücklich, sagt Wolters. Die Lehrer würden gerne kommen, „sie freuen sich richtig, hier zu sein, weil die Atmosphäre toll ist und die Schüler dankbar für die Hilfe sind. Das macht die Lehrer, aber auch mich unheimlich stolz.“

Wolters ist studierte Englisch-, Französisch- und Italienischlehrerin. Vor vielen Jahren begann sie sich jedoch im Bereich der Erwachsenenbildung fortzubilden. „Sprachen lernen in inhomogenen Erwachsenengruppen ist mein Lieblingsgebiet und das, was wir hier haben, ist wohl die inhomogenste Gruppe, die man finden kann“, sagt sie lachend. Denn die Schüler würden unterschiedlich schnell lernen, je nach Herkunftsland, Sprache und schulischer Vorbildung. „Wir wollen die Menschen hier dahin bringen, dass sie nach einem Jahr grammatikalisch korrektes, flüssiges Deutsch sprechen können“, so Wolters, „sie sollen sich mit ihrem Arzt unterhalten, ein Praktikum machen und ihr Alltagsleben bewältigen können."

Und bei Wolters Einsatz, dem Engagement aller ehrenamtlichen Lehrer und dem Lernwillen der Schüler ahnt man, es wird gelingen.

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