zur Navigation springen

Nach Badeunfall in Hörnum : Die Angst der Sylter Retter

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Hörnumer Karsten Kossowski rettete gemeinsam mit einer Bekannten am Sonntagmorgen zwei Menschen aus der Nordsee. Die Gedanken kamen später: „Was wäre, wenn...“

Hörnum | In der Nacht zu Montag konnte Karsten Kossowski nicht gut schlafen. „Nach so etwas macht man sich schon seine Gedanken“, sagt er. Was der 47-jährige Sylter mit „so etwas“ meint, würden andere, die sich nicht ganz so nüchtern ausdrücken wie Kossowski, als Heldentat bezeichnen. Der Vater zweier erwachsener Söhne hat am Sonntagmorgen gemeinsam mit seiner Bekannten Tina Koch zwei Schwimmer, die in den Wellen vor Hörnum in Not geraten waren, unter lebensgefährlichen Bedingungen aus dem Wasser geholt. Die Frau wurde entkräftet in die Nordseeklinik eingeliefert, der Mann bewusstlos und unter Lebensgefahr in die Diakonissenanstalt nach Flensburg ausgeflogen.

„Tina und ich waren gegen neun Uhr draußen, es gab ja super Wellen zum Surfen“, erinnert sich Kossowski. Die beiden paddelten am Strand Gurtsdeel ungefähr 120 Meter weit auf die Nordsee hinaus – vor die Sandbänke, die für gefährliche Strömungen sorgen können. Auf einmal hörten sie eine badende Frau auf Höhe der Sandbänke um Hilfe rufen und paddelten auf ihren Brettern zu den beiden Schwimmern: „Auf dem Weg dorthin, also innerhalb von vielleicht zwei Minuten, wurde der leblose Körper des Mannes mit dem Kopf unter Wasser schon 30 Meter raus getrieben“, erinnert sich Kossowski an die extrem starken Strömungen. „Dass die beiden es nicht mehr an Land geschafft haben, war bei den Bedingungen am Sonntag nicht überraschend – wer auf der Sandbank zwei, drei der großen Wellen über den Kopf bekommen hat, der konnte schon das Bewusstsein verlieren.“

Als Kossowski bei dem Mann angekommen war, zog er ihn auf sein Surfbrett, Tina Koch half der Schwimmerin, sich an ihrem Brett festzuhalten. „Das muss man sich mal vorstellen – da knallen dir zwei, drei Meter hohe Wellen in den Nacken, du kämpfst gegen wirklich starke Strömung an und hast einen bewusstlosen und einen völlig erschöpften Menschen dabei.“ Besonders als die beiden Retter die Verletzten auf ihren Brettern über die Sandbank zogen, habe er richtig Angst bekommen. „Glücklicherweise war meine Bekannte früher Rettungsschwimmerin und weiß, wie man sich in so einer Situation verhält.“ Am Strand angekommen, versuchten die beiden den leblosen Mann zu reanimieren, bis die Rettungskräfte eintrafen.

Die Rettungsaktion am Hörnumer Strand ist nicht die erste in dieser Saison: „Wir haben in diesem Sommer schon mehrfach am Strand reanimiert“, sagt DRK-Rettungsstellenleiter Arne Dekarz. Ob diese Menschen ihren Badeunfall überlebt haben, weiß er nicht. „Ich habe immer wieder das Gefühl, dass die Urlauber die Nordsee falsch einschätzen. Die sind ihre Baggerseen zu Hause gewohnt und sind dort vielleicht gute Schwimmer. Aber in der Nordsee reicht das gegebenenfalls nicht aus“, sagt Dekarz.

Karsten Kossowski ging nach seinem Rettungseinsatz erst einmal wieder surfen. Die Gedanken, die kamen später: „Was wäre, wenn...“ Was wäre passiert, wenn er allein auf dem Wasser gewesen wäre? „Dann wären vielleicht drei Menschen ertrunken.“ Was wäre, wenn die Schwimmer Freunde, Familienmitglieder von ihm gewesen wären. „Meine Söhne gehen wie ich fast jeden Tag aufs Wasser – auch noch bei ganz anderen Bedingungen, als sie gestern herrschten“, sagt Kossowski. Doch er will künftig vorsichtiger sein, nicht mehr so oft alleine surfen gehen: „Es hat sich in der Sylter Wassersport-Szene irgendwie eingeschlichen, dass die Leute immer öfter alleine aufs Wasser gehen, da gehöre ich auch zu. Vielleicht, weil es immer weniger Sylter Surfer gibt.“ Er ist der Meinung, dass Urlauber noch stärker auf die Gefahren der Nordsee aufmerksam gemacht werden müssen – durch mehr Schilder am Strand oder Faltblätter, die an der Autoverladung oder von den Vermietern verteilt werden, die unter anderem über die Gefahren der Strömungen aufklären. Denn nach Kossowskis Erfahrungen unterschätzen Urlauber die Nordsee immer wieder: „Die gehen völlig entspannt baden, auch mit ihren Kindern, wenn das Wetter so ist, dass selbst Sylter vorsichtshalber draußen bleiben. Dabei gefährden sie ja nicht nur sich, sondern auch diejenigen, die sie am Ende vielleicht retten müssen.“

Für den Mann, den er aus dem Wasser geholt hat, hofft Kossowski, dass dieser wieder aufgewacht ist. Bis zum Redaktionsschluss war über den aktuellen Zustand des Mannes nichts zu erfahren.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen